Neonazi-Parolen bei America Online

Ernst Corinth 10.06.2001

Über die Nutzerprofile wird Rechtsradikales verbreitet

America Online hat ein Problem. Möchtegern- und echte Neonazis nutzen den Online-Dienst, um Hassparolen übers Netz zu verbreiten. Aber nicht indem sie eine Homepage mit rechtsradikaler Propaganda online stellen, sondern mittels des so genannten Nutzerprofils. Dort kann jeder AOL-Kunde seinen Mitgliedsnamen, seinen Beruf, seine Hobbys und so weiter angeben. Das ermöglicht wiederum anderen Nutzern, über das AOL-Mitliederverzeichnis mittels Stichwort- oder Namenseingabe nach Freunden, Bekannten oder Gleichgesinnten jeglicher Couleur zu suchen.

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Und damit fängt das Problem an: Wer nämlich einschlägige Stichworte aus der Neonazi-Szene dort eingibt, wird schnell fündig. Beispielsweise bei dem AOL-Mitglied "JudenMorden88", der als "persönliches Motto" Folgendes angibt: "Unser Deutsches Volk Sieg Heil!!, ACTHUNG JUDENS!, ein volk, ein reich, ein fuehrer, heil hitler!" Die Email lautet entsprechend: "Juden morden 88@aol.com". Oder bei einem gewissen "Standartenfuhrer":

"Mitglieds-Name: Cecil H...
Ort: Berlin, Germany
Geschlecht: Male
Familienstand: Single Again
Hobbys: The Movement Of The White Race
Computer: 14/88
Beruf: Member Of The National Socailist Aryan Party
Persönliches Motto: Ich Rekon Ich Hassen Die Juden Heil Hitler!!!!!! 88"

In einem ähnlich falschen Deutsch sind die meisten Beiträge, was natürlich die Vermutung nahe legt, dass diese Angaben vorwiegend von ausländischen Nazis geschrieben worden sind. Dennoch ermittelte bei einem Test Ende vergangener Woche der Hamburger-Verein "Forschungs- und Arbeitsstelle 'Erziehung nach/über Auschwitz'" (FAS) auch eine Reihe Deutscher, die dort mit rassistischen Hassparolen agieren. Und teilte dies sofort dem Online-Dienst mit.

Der AOL-Pressesprecher Jens Nordlohne zeigte sich daraufhin in einer ersten Stellungnahme gegenüber der FAS zwar betroffen. Er kündigte zudem den Rauswurf solcher Leute an. Doch zuvor muss er erst einmal seine Kollegen in der amerikanischen AOL-Zentrale davon überzeugen, dass die rechtsextremistischen Positionen aus den Mitgliederprofilen zu verschwinden haben. Und da in den USA auch neonazistische Äußerungen von Gesetz wegen toleriert werden, wird das für AOL-Deutschland bestimmt ein Problem.

http://www.heise.de/tp/artikel/7/7865/1.html
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