Sex-Unfall mit der Webcam

22.06.2001

Sie haben eine neue Webcam geschenkt bekommen? Überlegen Sie sich lieber gut, wo Sie sie aufstellen. Und vergessen Sie das Abschalten nicht!

Dass man mit einer Webcam auch biologische Lehrstücke erstellen kann, ist nichts Neues. Diese Art "safer Sex" ist bei all denen sehr beliebt, die selbst für einen Hot-Chat zu faul sind und neben den üblichen Professionellen haben Anbieter wie Camfun laut eigener Aussage bereits fünftausend Hobbyisten im Angebot, die nach Feierabend gegen Entgelt (0190 oder Kreditkarte) Einblicke in ihr Schlafzimmer gewähren und so ihre Haushaltskasse aufpolieren.

Die jüngste nicht ganz jugendfreie Veranstaltung lieferte ein 17-jähriger Niederländer allerdings völlig gratis. Er hatte gerade eine neue Webcam geschenkt bekommen und baute deren Daten sofort auf seiner privaten Homepage ein. Zuerst wurde die Katze fotografiert und er zeigte Papi stolz das Ergebnis. Der war nicht ganz so begeistert und warnte seinen Filius, mit der Kamera vorsichtig zu sein. Doch wie sich das gehört in einer anständigen Familie, hörte der Sohn natürlich nicht auf seinen Vater.

Alles wäre halb so schlimm gewesen, wenn der 17-jährige aus Harderwijk nur Standbilder gegrabbt und auf seine Homepage gestellt hätte statt eines sich automatisch updatenden Live-Blicks. Und wenn er nicht bereits einige Feinde im Netz gehabt hätte.

So kam alles zusammen: Als der junge Webcam-Künstler Besuch von seiner Freundin bekam, vergaß er die Webcam abzuschalten. Und das entdeckte ausgerechnet der 24-jährige Weblogger Jasper, von dem er das Webdesign für seine Seite geklaut hatte. Der sah nun seine Stunde der Rache gekommen, speicherte brav alle Bilder der Session ab und stellte sie ins Netz. Nach nur 12 Stunden war der Niederländer auch jenseits des Atlantik bereits eine Berühmtheit - ähnlich dem sich rasant verbreitenden Email-Schriftwechsel über oralen Sex vor einigen Monaten. Nun versuchen Papa und Sohn die Angelegenheit wieder aus dem Netz zu schaffen, bevor die Eltern der Freundin etwas mitbekommen. Doch dafür ist es natürlich langst zu spät.

Was bleibt, ist Schadenfreude und die Erkenntnis, dass es im Internet-Zeitalter gar keine "versteckte Kamera" mehr braucht - man kann sie einem potentiellen Opfer ganz offen schenken, den Rest erledigt die menschliche Schussligkeit. Wer in Web-Tagebüchern (Weblogs) sein ganzes Privatleben öffentlich macht, wo doch ein Tagebuch sonst immer möglichst verschlossen gehalten wird, der sollte sich auch nicht wundern, wenn nicht ganz so wohlmeinende Mitmenschen dann ihrer vermeintlichen Chronistenpflicht nachkommen und die verbliebenen weißen Seiten mit bunten Bilder füllen.

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