RTL 2 spielt mit den Medien
Ein Osterhäschen für die Big-Brother-WG
RTL 2 lässt sich für seine Bewohner und Zuschauer wirklich jede Menge einfallen. Nachdem die äußerst sensible Jona das Haus verlassen hat, wurde am Sonntag eine propere Blondine als Ersatzkandidatin ins Haus geschickt. Damit hat sich RTL 2 die nächsten Quoten schon gesichert.
RTL2 bzw. Endemol verstehen es inzwischen wirklich, mit der Öffentlichkeit zu spielen. Durch die Art der Aufgabenstellung können sie jederzeit die Gruppe, die Fernsehzuschauer und auch die Medien manipulieren. Manche Aufgaben trennen die Gruppe auf, während andere positive Gemeinschaftsgefühle ermöglichen. Während die ersten drei ausgeschiedenen Kandidaten nur schlecht zu vermarkten waren, scheint Zlatko sich als Renner für weitere Einnahmen zu entpuppen. Erst wurde er durch sämtliche Talkshows geschickt, dann eine CD aufgenommen und ab Montag, dem 17. April bekommt er noch die eigene Doku-Soap "Zlatkos Welt" auf RTL 2. Wer jetzt allerdings gedacht hat, ohne Zlatko wird es langweilig im Haus, muss sich eines besseren belehren lassen.
Schon die Nominierung war eine Überraschung, hatten doch viele mit Andrea und Jürgen gerechnet. Erstmals werden den Zuschauern drei Kandidaten zur Wahl gestellt: Diesmal traf es mit Stimmengleichheit alle verbleibenden weiblichen Bewohnerinnen, also außer Andrea auch noch Kerstin und Manuela. Letztere kann als ziemlich sichere Kandidatin gelten, am nächsten Sonntag das BigBrother-Haus verlassen zu müssen. In einer ersten Hochrechnung stimmten schon über 86 Prozent dafür. So hoch war bislang noch kein vorläufiges Votum ausgefallen. Dieser Trend zeigte sich schon am letzten Sonntag, als sie sich "Manu Raus"-Rufe anhören musste und auch am Sonntag war es nicht anders. Entsprechend hatten Manu, aber auch die anderen Bewohner, sich mit solchen scheinbaren "Hasstiraden" der Big-Brother-Fangemeinde auseinandersetzen müssen. Manuela kann aber mit den "Manu-Raus-Rufen" kaum umgehen. Sie reagierte so tief betroffen und bestürzt, dass sich selbst Jürgen, der Liebling aller Frauen, vor die Sprechzimmerkamera setzte und bat, an die Gefühle der "Spiel-Teilnehmer" zu denken.
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Wer die Bewohner mit der Web-Cam beobachtet, erhält von ihnen einen anderen Eindruck, als beim allabendlichen Fernsehzusammenschnitt. Dies bestätigen auch die Interviews mit den ehemaligen Bewohnern, die sich kaum wiedererkannt haben. Der Schnitt zeigt die "Big Brother"-Mentalität am deutlichsten, denn die Fernsehmacher entscheiden, wer nun gerade positiv oder negativ dargestellt wird. So wurde die Bewohnerin Manuela den Zuschauern regelrecht zum "Fraß" vorgeworfen.
Die Tür für Spekulationen ist offen: Ist es wirklich problematisch für den Sender, wenn eine Person freiwillig gehen möchte oder ist man über den Abgang nicht eigentlich ganz froh? Jona, die sich in der letzten Woche zu diesem Schritt entschlossen hat, ist eigentlich ein Mädchen mit starken psychischen Problemen und konnte keine rechte Stimmung im Haus erzeugen. Das Mädchen wurde in den letzten Wochen von Manuela und Kerstin als "Kleine-Schwester-Ersatz" behandelt. Diese Streichelorgien erschienen den Betrachter absolut unehrlich und zeigten eigentlich, das sie nicht nur von den BIG-BROTHER-MACHERN für gewisse Zwecke missbraucht wurde. Bleibt nur zu wünschen, dass Jona endlich zu sich selbst findet und nicht noch weiter durch die Medienmühle geschleift wird.
Jetzt kam dieser Abgang zur rechten Zeit, um den Besuchern als Ersatz eine deftige Stimmungskanone ins Haus zu setzen. Das Knallbonbon heißt Sabrina und hat einen ziemlich derben Humor. Im Gegensatz zu Jona kennt sie die Sendung und hat sich wohl auch ein Bild von den Bewohnern gemacht. Jürgen findet sie noch mit am interessantesten, kann sich aber vorstellen, mit allen ins Bett zu gehen. Der Aufzug und die Art und Weise entsprechen eher einem herben Frauentyp, der auch keine Hemmungen hat, die Fettpolster zu zeigen. Im Umgang mit Männern ist die blonde Sabrina bestimmt nicht zimperlich, arbeitet sie doch in einer Männerdomäne als Dachdeckerin. Zumindest wird ab sofort im Haus ein anderer Wind wehen und die Gruppe stark aufgemischt werden. Seit Betreten des Hauses von Sabrina ist ein grölendes Lachen zu hören. Kerstin wird sich noch stärker auf ihren Anhang konzentrieren. Denn ohne ihre Schäfchen, die sie um sich geschart hat, wäre auch sie längst schon aus der WG verschwunden.
"Spiel, Spaß und Schnauze", so lautet das Motto der jecken Blondine mit der üppigen Oberweite. Und so sieht sie der Zeit im Big-Brother-Haus auch gelassen entgegen: "Ich sehe Big Brother als persönliche Herausforderung an und freue mich auf die Zeit im Haus."
Ab sofort kann sich alle Welt an einem neuen Typ reiben. Durch die gezielte Auswahl einer Kandidatin mit frappierender Offenherzigkeit in allen Belangen kann sich RTL 2 der Schlagzeilen in den nächsten Tagen sicher sein. Auch alle Sendungen von Raab bis Schmidt werden so indirekt Werbung für Big Brother machen und Endemol kann seine Quoten halten.
http://www.heise.de/tp/artikel/8/8055/1.html- eben !! (22.4.2000 23:49)
- Die ganze Sache rulez.net (22.4.2000 18:46)
- Is doch klar (21.4.2000 20:24)
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