Simulation und Wirklichkeit im und auf dem Fernseher

Ernst Corinth 24.04.2000

Computeranimierte Kakerlaken und kaputte TV-Geräte

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Es gibt zwei Leben vor dem Bildschirm: ein echtes und ein durch das Medium Fernsehen vermitteltes. Wenn beide Leben sich vermischen, dann wird's gefährlich. Nicht nur mental, sondern auch ganz real. Und im schlimmsten Fall geht dabei sogar der Fernseher kaputt. Genau das ist jetzt in den USA geschehen. Und Stein des Anstoßes ist ein simpler Werbespott des Hygiene-Unternehmen "Orkin Pest Control" (zu sehen hier).

Er zeigt anfangs, wie eine junge Frau Wäsche aufhängt, die dank eines Waschmittels frisch wie Bergluft sein soll. Und plötzlich krabbelt im Vordergrund über das Bild des strahlenden Sauberfrau-Idylls eine fette Kakerlake. Kurz danach erscheint zwar ein Kammerjäger der besagten Firma, sprüht ein bisschen Gift, und das Tier fällt tot aus dem Bild.

Doch zahlreiche Amerikaner waren von dem mittels Computer animierten und überraschend echt ausschauenden Tier so geschockt, dass sie sofort zuschlugen oder mit Gegenständen die vermeintliche Kakerlake bewarfen. Dabei gingen dann etliche TV-Geräte zu Bruch, und dem Unternehmen drohen nun erhebliche Schadenersatzansprüche.

Wenn das bei uns Schule macht, drohen womöglich auch unseren Fernsehsendern zukünftig Klagen ihrer Zuschauer. Denn wer würde, Hand aufs Herz, nicht gern mal den diversen Dummschwätzern, die täglich in unser Wohnzimmer schauen, einen auf die Nase hauen oder einen Pantoffel ins Gesicht werfen. Vor allem Leuten wie Bärbel Schäfer, Andreas Türck oder diesem "Big Brother"-Moderator Percy Hoven. Anders gesagt: Klatsch! Womm! Und schon zahlt uns beispielsweise RTL 2 ein neues TV-Gerät. Aber noch können wir ja unterscheiden, zwischen dem echten und dem Leben auf dem Bildschirm. Schade eigentlich - oder?

http://www.heise.de/tp/artikel/8/8074/1.html
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