Die Sensation ist (fast) perfekt

Ernst Corinth 03.05.2000

Die "Big Brother"-Firma Endemol mahnt sich demnächst selber ab

Wer am Dienstag einen Blick in die Sat.1-Sendung Akte 2000 gewagt hat, der durfte dort gar Fürchterliches über die BB-Kandidatin Sabrina sehen und hören. Befragt wurden ihre Freundin, ihre Schwester und ihr Freund, die tränenreich aus dem Leben Sabrinas erzählten, dabei von ihrem Schuldenberg berichteten, ihrer dauernden Flucht vor den Gläubigern, und dass im Grunde alles noch viel schlimmer sei, als man bisher so hat lesen können.

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Dazu präsentierte der "Akte 2000"-Oberenthüllungs-Moderator Uli Meyer schockiert Bilder von Sabrinas Wohnung, wo augenfällig Chaos, Schimmel und Schmutz Regie führen. Und am Schluss gipfelte die knallharte Enthüllung in dem Geständnis von Sabrinas Freund, er habe Angst, dass sie sich nach der Öffnung der Wohncontainer-Tür umbringen würde. Sabrina, hieß es nämlich weiter, habe seit Jahren in zwei Welten gelebt: die Scheinwelt, in der sie lustig ist, die wahre Welt, die nur ihr Freund kennt. Und an dem Aufbrechen der Grenzen zwischen den beiden Welten könnte Sabrina verzweifeln und am Medienrummel zerbrechen.

Big-Ober-Enthüller Meyer schickt dann bestimmt einen Kranz zur Beerdigung ... Denn der von ihm präsentierte Bericht war eine brutale öffentliche Zurschaustellung Sabrinas. Und verletzte damit genau das, was BB-Endemol sonst bei seinen Abmahnungen von Fan-Seiten im Internet gern als Begründung mit anführt: den Schutz der Persönlichkeitsrechte seiner BB-Kandidaten. Dass inzwischen sogar Endemol-Mitarbeiter munkeln, die gezeigte Wohnung sei vermutlich gar nicht die von Sabrina, setzt dem traurigen Fall übrigens die Krone auf.

Und nun steckt Endemol in einer Zwickmühle, schließlich wird die "Akte 2000"-Sendung von der Firma "Meta Productions" produziert, an der wiederum Endemol entscheidend beteiligt ist. Das heißt also, wenn das Unternehmen den Schutz der Persönlichkeitsrechte tatsächlich ernst nimmt, dann muss es nun wohl leider sich selber abmahnen. Und wenn nicht, dann hat das Unternehmen Endemol damit endgültig den Beweis angetreten, dass die Rechte der Kandidaten ihm völlig egal sind, es sei denn, es lässt sich daraus finanzielles Kapital schlagen.

http://www.heise.de/tp/artikel/8/8106/1.html
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