Lynchjustiz in den USA - Geschichte und Gegenwart

Ekkehard Jänicke 17.07.2000

Photoausstellung über Lynchjustiz in den USA im Internet; Jesse Jackson bei Marsch für erhängten 17-Jährigen in Mississippi

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Eine Fotoausstellung in den USA, die zur Gänze auch im Internet zu betrachten ist, handelt von der Lynchjustiz in den USA von 1870 bis vor ca. 50 Jahren. Doch ein aktueller Vorfall bestätigt leider die düstere Vermutung, dass die Thematik aktueller denn je ist.

"Without Sanctuary" kombiniert historische Postkartenaufnahmen und Fotos mit, sofern zu eruieren, den exakten geschichtlichen Hintergründen zu den einzelnen Fallbeispielen. Die Bilder und Texte geben ein erschütterndes Zeugnis der "One Nation Under God" bis in die späten 50-er wieder.

"Without Sanctuary" gibt Auskunft über mehr als 100 Fälle von Lynchjustiz in den USA

Für die Ausstellung zeichnet die Historische Gesellschaft in New York, "The New-York Historical Society" verantwortlich. Sie sieht dies als einen ihrer Beiträge in der gegenwärtigen Kampagne gegen die Todesstrafe in den USA an. Die Ausstellung selbst in New York wurde wegen des großen Interesse bis zum 13. August verlängert. Die Internetversion soll noch weiter wachsen und als "educational resource" dauerhaft im Netz bleiben.

Denn Lynchjustiz ist in den USA kein Fall nur für die Geschichtsbücher. Daran erinnern zum einen die vielen Kommentare aus der Klanecke, sowie aus anderen rassistischen und rechtextremen Gruppierungen im Forum der Ausstellungs-Website. Zum anderen hat sich der amerikanische Bürgerrechtler Jesse Jackson vor kurzem an die Spitze einer Kampagne gestellt, die Aufklärung und Gerechtigkeit über den Tod eines 17-jährigen Schwarzen in Mississippi fordert.

Der prominente Politiker führte am Samstag vor einer Woche einen Marsch mit weit über 1.000 Menschen von der Schule des Jungen zu seinem Elternhaus in Kokomo und am Sonntag zum Gerichtsgebäude der Region an. Während die Behörden auf einer Selbstmord-Theorie beharren, vermutet Jackson, dass Raynard Johnson der Lynchjustiz weißer Rassisten zum Opfer gefallen ist. Der 17-Jährige war im Juni mit einem Gürtel um den Hals an einem Nussbaum in der Nähe des Elternhauses hängend aufgefunden worden. Die Familie vermutet, er sei wegen der Verbindung zu weißen Frauen des Ortes gelyncht worden.

Zwei unter obskuren Umständen vorgenommene amtliche Obduktionen waren zu dem Ergebnis gekommen, Raynard Johnson habe sich selbst mit einem Gürtel erhängt. "Wir glauben nicht an diese Selbstmord-Theorie", erklärte Jackson. "Wir werden nicht ruhen, solange diejenigen, die diesen Mord begangen haben, nicht vor Gericht stehen." Jackson hat eine Belohnung von 10.000 US-$ für Hinweise zum Tod des Jugendlichen ausgesetzt. Auch forderte er das US-Justizministerium und den Gouverneur von Mississippi, Ronnie Musgrove, zu Ermittlungen auf und richtete eine Telefon-Hotline für Hinweise aus der Bevölkerung ein.

http://www.heise.de/tp/artikel/8/8389/1.html
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