Die Geschichte der RAF aus amerikanischer Sicht
"The Gun Speaks" - Texte und "Galerie" der RAF
Die Geschichte schreibt bekanntlich die schönsten Anekdoten. Eine, wenn auch eher ironische, ist der plötzlich Imagewandel des BMWs in den frühen 70er Jahren, der den Terroristen der Roten Armee Fraktion, also der Baader-Meinhof-Gruppe, zu verdanken ist. Dies behauptet zumindest der amerikanische Autor Richard Huffman kürzlich in einem Interview mit dem US-Magazin EYE.
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Einige Fakten sprechen tatsächlich dafür: Bevor BMW in der Öffentlichkeit mit "Baader-Meinhof-Wagen" scherzhaft übersetzt wurde, galten die Autos in den 60er Jahren als hausbacken und seriös, die Verkaufszahlen waren eher schlecht - doch dann läuteten ausgerechnet die Terroristen den Imagewandel ein. Ihre Vorliebe für bestimmte Modelle des bayerischen Unternehmens habe - so Huffman - die BMWs schlagartig zu "coolen" Autos gemacht. Und daraufhin seien auch die Verkaufszahlen heftig angezogen.
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Doch nicht nur mit Autos kennt sich Huffman aus. Gut drei Jahre lang hat er nämlich über die Geschichte der "Baader-Meinhof-Gruppe" recherchiert, Opfer und Täter interviewt und das Ergebnis seiner Arbeit soll Ende des Jahres in den USA unter dem Titel "The Gun Speaks" erscheinen. Schon jetzt kann man Teile des geplanten Buches im Internet www.baader-meinhof.com nachlesen. Und die Einleitung zu www.baader-meinhof.com - was hätten die wohl zu .com gesagt? - beginnt wie ein Krimi:
Ulrike Meinhof was sweating, slightly, when she arrived at the short, white picket fence gate of West Berlin's German Institute for Social Research early in the morning of May 14, 1970. She had walked from her fashionable Dahlem-district apartment about a mile away to visit the old institute on quiet, tree-lined Miquelstrasse. (...) She was proud of herself for not betraying any lingering ambivalence when she had kissed her twin daughters that morning as she dropped them off at school. "Oh my little mice, Mummy loves you. Be good to you teacher." It was the same thing that she said every morning; for a true revolutionary, human bonds must mean nothing. Seven years earlier, suffering from what was thought to be a brain tumor, Ulrike had risked her life in bearing Bettina and Regine. Now she knew that she would never see them again.
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Dass sich Huffman mit dem Thema "Baader-Meinhof" beschäftigt hat, hat übrigens auch persönliche Gründe: Sein Vater war Anfang der 70er Jahre als US-Soldat in Berlin stationiert und zuständiger Offizier bei einem Bomben-Entschärfungskommando. Als Dreijähriger war der kleine Richard (und seine Mutter) dann sogar Opfer einer Bombendrohung gegen eine amerikanische Einrichtung in Berlin. Verantwortlich sei damals, meint Huffman heute, Fritz Teufel gewesen, dessen Entwicklung vom bekannten Kommunarden über den Terroristen bis zum heutigen Fahrradboten für ihn dennoch eher tragische Züge trüge.
Dokumentiert wird dies alles ausführlich auf Huffmans Netzseiten, wo auch die deutschsprachigen Originaltexte der Roten Armee Fraktion veröffentlicht sind und der Autor gerade dabei ist eine "Galerie" der entscheidenden Figuren dieser terroristischen Organisation zusammenzustellen. Und da die Geschichte eben die schönsten Anekdoten schreibt, findet man unter dem Stichwort "Sympathisanten" nicht nur Günter Grass, sondern auch unseren heutigen Bundesinnenminister Otto Schily.
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