Großbritannien will den Brain Drain stoppen
Die britische Regierung legt ein Strategiepapier zur Wissenschaftsförderung vor
Um den Wissensstandort Großbritannien zu erhalten und eine weitere Abwanderung von Spitzenwissenschaftlern vornehmlich in die USA zu verhindern, hat das britische Wirtschaftsministerium vier Millionen Pfund (12 Millionen Mark) zur Verfügung gestellt, um das Gehalt von Wissenschaftlern zu erhöhen. Überdies wurde ein Strategiepapier über eine "Wissenschafts- und Innovationspolitik für das 21. Jahrhundert" veröffentlicht, um den "brain drain" in einen "brain gain" umzuwenden und Großbritannien wieder zu einer führenden Wissenschaftsnation zu machen.
Stephen Byers, Staatssekretär des Wirtschaftsministeriums, stellte heute das Strategiepapier vor und präsentierte bereits einen ersten Schritt, um Spitzenwissenschaftler im Land zu halten oder wieder aus dem Ausland zurück zu holen.12 Millionen Mark stellen das Ministerium und die Wolfson Foundation zur Verfügung, um entweder das Gehalt von Forschern bis auf 300000 Mark Jahreseinkommen zu erhöhen oder mehr wissenschaftliche Assistenten einzustellen. Bislang verdient ein Professor an einer britischen Universität ein jährliches Mindestgehalt von 100000 bis 120000 Mark. Mit den neuen Fördermitteln könnte das Gehalt von bis zu 50 Spitzenwissenschaftlern aufgestockt werden. Bislang gibt es die Fördermittel nur für ein Jahr, aber man hofft, sie auch in den folgenden Jahren aufwenden zu können.
Wissenschaftsminister Lord Sainsbury verspricht sich davon nicht nur ein Stoppen des "brain drain", also der Abwanderung von britischen Wissenschaftlerin lukrativere Jobs, sondern einen "brain gain", der Großbritannien zu einem attraktiven Ort für Wissenschaftler aus der ganzen Welt macht.
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Das Strategiepapier hebt hervor, dass in einer Wissensökonomie wissenschaftliche Innovationen und deren Umsetzung in Anwendungen immer wichtig wird: "Mehr als jemals zuvor wird die Wissenschaft der Schlüssel zur Schaffung neuer Arbeitsplätze, zur Gewährleistung einer besseren medizinischen Versorgung, zur Erhaltung einer sauberen Umwelt und zur Bekämpfung der Kriminalität sein", schreibt Byers in seinem Vorwort. Großbritannien sei noch immer ein führendes Wissenschaftsland, das mit einem Prozent der Weltbevölkerung 4,5 Prozent der weltweiten Wissenschaftsförderung leiste und 8 Prozent aller wissenschaftlichen Artikel veröffentliche. Der Bericht führt aus, dass die wissenschaftliche Ausbildung in den Schulen besser als in vielen anderen Ländern sei, dass man in der Forschung auf dem zweiten Platz hinter den USA und vor Frankreich, Deutschland und Japan liege, und dass man weltweit führend in Bereichen wie den Life Sciences, der Biologie, Molekularbiologie, Psychologie oder Optoelektronik sei.
Aber, so warnt das Papier, Großbritannien befinde sich in einer globalen Konkurrenz und das auch "an jeder Front". Frankreich und Deutschland würden viel stärker Wert darauf legen, aus der Wirtschaftsförderung kommerziellen Nutzen zu ziehen. Neben der Wissenschaftsförderung müsse daher die Verbindung zwischen Forschung und Wirtschaft verstärkt werden.
Zusammen mit dem Wellcome Trust soll von 2002 bis 2004 eine Milliarde Pfund in die Erneuerung der Infrastruktur investiert werden, was der Finanzminister bereits angekündigt hatte.250 Millionen Pfund sollen in die neue Forschungsbereiche gesteckt werden, die wie Nanotechnologie, Quantencomputer oder Biotechnologie "das Leben im 21. Jahrhundert gestalten werden". 140 Millionen gibt es für den Ausbau der Beziehungen zwischen Universitäten und Wirtschaft. Postgraduierte sollen mehr Geld erhalten, und 2002/2002 soll zum Wissenschaftsjahr gemacht werden, um die "Phantasie der Kinder zu fesseln und sie dazu zu bringen, dass sie eine Wissenschafts- oder Techniklaufbahn einschlagen".
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