Vaterschaftstest online

Florian Rötzer 30.08.2000

Mit ein paar Haaren weiß man schnell, wer wessen Kind ist - oder nicht

Für misstrauische Familienmitglieder gibt es nun die Möglichkeit, sich schnell, relativ unauffällig und mäßig teuer über die Verwandtschaftsverhältnisse in Kenntnis zu setzen. Nur schnell ein paar Haare ausgerupft und eingeschickt, das reicht für die Genanalyse.

  • mobil
  • drucken
  • versenden

Weltweit, zumindest aber in den USA, in Australien, Brasilien und seit gestern auch in Großbritannien, kann jeder bei www.dnanow.com/ die Probe aufs Exempel machen. Die Kinder können herauskriegen, ob ihr Vater oder ihre Mutter wirklich die sind, die sie zu sein vorgeben. Der Mann kann schauen, ob seine Frau oder Freundin nicht doch noch irgendwo anders zu Gast war. Geschwister können testen, ob nicht unter ihnen ein Fremdling ist. Und wie mit den Großvätern oder Großmüttern bzw. den Enkeln aussieht, lässt sich auch überoprüfen. Die Welt kommt wieder in Ordnung durch die australische Firma DNA Solutions - genetisch zumindest. Auch ohne die DNA der Mutter bietet so die Firma, allerdings nur mit 99-prozentiger Sicherheit, "Peace of Mind"-Tests für den geplagten Mann an.

DNA Solutions is proud to offer 'direct to the public', DNA paternity testing from just a few strands of your hair. We have the fastest and easiest solution to your problem. Whether it be a paternity issue or whether you require identity testing or testing of family relations.

Benötigt werden beispielsweise mindestens vier Haare mit Wurzeln. Nur abgeschnitten und heimlich geklaut reicht also nicht, herausgerissen sollten sie schon sein: vom Kopf, unter den Achseln oder von den Augenbrauen. Die Wurzeln sind wichtig, weil dort auch noch Hautzellen dran hängen, aus denen sich die DNA gewinnen lässt. Auch abgefallene Haare tun es, dann aber möglichst viele, weil diese nämlich "20 Mal weniger DNA haben als frisch gezupfte". Natürlich kann man Zellen aller Art und von jedem Körperteil einschicken, denn selbst Spucke und "body waste" enthalten DNA. Wer seine genetische Identität geheim halten will, muss künftig also erhebliche Anstrengungen unternehmen, seine Spuren zu verwischen.

Nur in den USA wird bislang eine rechtlich gültige, überwachte Sammlung der DNA-Proben angeboten. Ansonsten muss man unterschreiben, dass man auf rechtmäßige Weise an die Proben gekommen ist, da die Firma dies nicht überprüft und jede Verantwortung für mögliche Konsequenzen von sich weist. Ob der Test vor dem Gericht anerkannt wird, muss vom Auftraggeber selbst geklärt werden. Ansonsten wird garantiert, dass der Test höchst genau ist und lediglich eine Fehlerwahrscheinlichkeit von 0.001 Prozent besitzt.

Ganz so DNA Now geht es auch nicht zu. Normalerweise muss man mit einer Bearbeitungszeit von zwei bis drei Wochen rechnen. Schließlich müssen die Proben erst einmal nach Australien geschickt werden, auch wenn die Ergebnisse dann per "Speedy Email", aber auch per Fax oder Telefon kommen. Der Spaß, die genetische Übereinstimmung mit der eigenen Familie festzustellen und Fehltritte oder Schmuggelware zu erkennen, kostet ab 295 bis 830 US-Dollar. Wer es eilig hat, muss halt mehr zahlen, der 3-Tage-Express Service kostet so zusätzlich 99 Dollar.

http://www.heise.de/tp/artikel/8/8632/1.html
Kommentare lesen (8 Beiträge) mehr...
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Des Führers Arzt trifft des Satans nackte Sklavin

Subversive Arztfilme der 1950er - Teil 2

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen
Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Abgefahren

Auch der endgültige Stillstand gehört zur Dromologie

bilder

seen.by


TELEPOLIS