Aids statt Sex

Ernst Corinth 10.09.2000

Neue Suchmaschine zlash soll die Jugend schützen, und Infoside nennt sich eine "saubere Suchmaschine"

Wer bei Sex gleich an Aids denkt, der kriegt bestimmt irgendwann mal 'ne Krise. Und wer "Muschi" in eine Netz-Suchmaschine eingibt und dann wie bei zlash.de als ersten Link auf der Trefferliste die "Bundesweite Vereinigung zum Schutz des Kindes in seiner Familie vor sexuellen Mißbrauchsverdächtigungen" findet - mit der Falldokumentation "Psychologin veranstaltet anstrengende Puppenspiele mit Kot. Gericht unterläßt Kindesanhörung und eigene Sachverhaltsermittlung. Kriminalpolizei bedrängt Kind mit perversen Sexualphantasien", der wundert sich schon wenig.

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Aber die Betreiber der neuen Suchmaschine www.zlash.de haben sich dabei ja etwas gedacht. Ins Leben gerufen wurde sie vergangene Woche vom großen Suchmaschinen-Bruder "Fireball" und dem Lycos Europe Netzwerk. Zielgruppe ist die Altersgruppe von 13 bis 19 Jahren. Eine eigens engagierte Schülerredaktion schreibt, beobachtet und gibt Empfehlungen zu den verschiedensten Themen, von Pop über Sport bis zu Reisetipps. Und der zlash-Index basiert zwar inhaltlich auf dem Fireball-Index, dabei wurde aber sorgfältig darauf geachtet, dass jugendgefährdende Inhalte nicht zu finden sind.

"Der zlash-Index basiert inhaltlich auf dem Fireball-Index und besteht aus mehr als 100000 deutschsprachigen Seiten. Dabei wurde besonders darauf geachtet, dass jugendgefährdende Inhalte nicht zu finden sind."

Ein netter Einfall, besonders weil die erhoffte Zielgruppe an das hier vorab beschnittene "Eine" eh nicht denkt - oder? Dennoch: irgendwie erinnert uns ältere Zeitgenossen dieser seltsame virtuelle Jugendschutz an die eigene Jugend, also an die 60er-Jahre, wo nackte Tatsachen noch verhüllt waren, man über Sex und anderen teuflischen Schweinkram nicht sprach, und wenn man dann doch mal einen pubertierenden Blick auf die primären Organe des anderen Geschlechts werfen wollte, half nur ein verschämter Griff zum häuslichen Lexikon, Stichwort: Mensch samt gezeichnetem Schaubild von Mann und Frau.

Diese Zeiten sind zum Glück vorüber, und selbst noch so gutgemeinte Jugendschutzanstrengungen werden sie nicht zurückholen Schließlich brauchen auch die erhofften jungen Kunden von zlash.de, wenn sie es mal wirklich wissen wollen, nur mit einem Klick zum großen Bruder Fireball zu wechseln. Sofort ist die Welt wieder voller vermeintlich schmutziger Dinge, und die Eingabe des Wortes "Sex" führt garantiert nicht als erstes zu den Seiten der Aids-Hilfe mit der Ankündigung: "Bundesweites Treffen für HIV-positive Lesben: 03.11. -15.11.2000."

"Unser Index ist eine große, wachsende, organisierte Ansammlung von Web-Seiten die keinen pornographischen oder Rechtsextremen Inhalt haben. Der Index wird jeden Tag größer, während Leute uns Adressen für neue Web-Seiten schicken."

Infoinside.de

Doch mit diesem Treffer ist zlash tatsächlich noch freizügiger als "die saubere Suchmaschine" www.infoinside.de. Auch die ging nämlich unlängst ans Netz, und sie ist so sauber, dass sie weder Sex noch Lesben kennt und bei "Vögeln" den Suchenden gnadenlos in die "FLORA Gartenwelt" schickt.

http://www.heise.de/tp/artikel/8/8697/1.html
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