Die Geheimnisse der Tastatur

Florian Rötzer 13.09.2000

Fast zwei Gramm Dreck und Abfall sammeln sich unter den Tasten im Monat an, ergab eine Untersuchung

Unlängst haben Wissenschaftler in einer Chipfabrik äußerst säure- und hitzeresistente Bakterien entdeckt, aus denen womöglich Biotransistoren hergestellt werden können (Lebendige Halbleiter). Welches Innenleben in den Gehäusen der Computer und der peripheren Geräte gedeiht, ist wahrscheinlich noch nicht genau untersucht worden. Aber jetzt wissen wir dank AOL UK erst einmal, was sich in einem Monat so an Dreck in der Computertastatur in einem durchschnittlichen Büro ansammelt.

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Repräsentativ ist diese Untersuchung allerdings nicht. Ob sich beispielweise die Inhalte der Tastaturen in London von denen, die auf dem Land oder gar in anderen Ländern gebraucht werden, bleibt ebenso noch ein Geheimnis, wie die Unterschiede zwischen Mann und Frau, den Generationen oder den sozialen Schichten.

In der Tastatur, die AOL UK von Reading Scientific Services, einem Lebensmittellabor, hat untersuchen lassen, hatte sich in einem Monat immerhin 1,89 Gramm Dreck angesammelt - wenn das immer so geht, werden die Dinger auch immer schwerer, und man muss sich wundern, dass man nach einigen Monaten überhaupt noch auf ihnen schreiben kann).

Der Dreck stammt überwiegend von dem ab, was dem Benutzer, eifrig über der Tastatur mampfend, an Bröseln von der Brotzeit oder den Schleckereien herunterfällt und in die Lücken zwischen die Tasten passt. 56 Prozent kommt aus diesen Quellen, die mit der Nahrungsaufnahme zu tun haben. Aber auch die Körperpflege während der Computerarbeit oder zumindest vor dem Computer, vielleicht aber auch nur das, was vom Körper so an Haaren, Hautstückchen oder Fingernägeln als Abfallsprodukten heruntersegelt, scheint einen Teil zur persönlichen Sammlung beizutragen. Dazu kommen natürlich noch Staub oder tote Insekten. Mikroorganismen müssten da eigentlich ein gutes Biotop vorfinden.

AOL UK war nicht müßig und hat einmal ausgerechnet, wieviele "Tastaturkrümel" sich im Laufe eines Jahres unter allen Tastaturen in Großbritannien ansammeln würden. Das wären, wenn die untersuchte Tastatur typisch wäre, 0,318 Tonnen.

Eine Sprecherin von Reading Scientific Services sagte gegenüber BBC, dass die Firma, die unter Verschwiegenheitspflicht gegenüber dem Auftraggeber arbeite, keine Auskunft darüber geben werde, ob der Dreck ein gesundheitliches Risiko darstellen kann. BBC gibt jedoch den Tipp von Büroreinigungsfirmen weiter, dass die Benutzer doch regelmäßig ihre Tastatur umdrehen und sie dann kräftig schütteln sollen, damit der Dreck herausfällt. Ansonsten könne man auch die Tasten entfernen und dann den Dreck absaugen oder wegblasen. Und solange es sich nur um Krümel, Fingernägel oder Staub handelt, ist die Tastatur noch nicht verloren. Anders sieht dies bekanntlich aus, wenn man einen Kaffee oder einen Wein trinkt ...

http://www.heise.de/tp/artikel/8/8719/1.html
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