ICANN-Wahlen werden von Unternehmen durchgeführt
Um erstmals sichere und fehlerfreie Wahlen weltweit durchführen zu können, hat ICANN sich für election.com entschieden
Wahrscheinlich um nicht noch einmal wegen Fehlern Kritik und Vorwürfe auf sich zu ziehen, hat ICANN zur technischen Durchführung Election.com für die globalen Wahlen im Oktober beauftragt. Von den weltweit insgesamt 158000 Internetbenutzern, die sich für die Wahl bei der ICANN rechtzeitig registriert und einen Brief mit der PIN-Nummer zum Wählen zugeschickt bekommen hatten, haben nur 76504 ihre Mitgliedschaft aktiviert, für die nun sichergestellt werden sollen, dass alles ohne Probleme über die Bühne läuft.
Da die alte ICANN-Führung aber skeptisch gegenüber dem demokratischen Experiment ist, zu dem sie von der amerikanischen Regierung verpflichtet ist, werden erst nur fünf der insgesamt neuen Direktoren gewählt. Die neun anderen Direktoren des ICANN-Direktoriums werden von den drei Fachorganisationen (ASO, DNSO und PSO) gewählt. Der Präsident wird wiederum von den Direktoren erkoren. Doch das Internetvolk darf jetzt nicht nur lediglich fünf Direktoren wählen, ICANN hat für Posten des Direktors aus den fünf Wahlzonen auch jeweils 5 Kandidaten nominiert, um den vom Internetvolk selbst vorgeschlagenen Kandidaten, die mindestens 2 Prozent aller Stimmen erhalten müssen, etwas entgegen zu setzen. Für Europa gehen als Kandidaten Andy Müller-Maguhn und Jeanette Hofman ins Rennen, die beim ersten Wahlgang am meisten Stimmen erzielt haben und jetzt gegen die von der ICANN nominierten, eher industrienahen Kandidaten antreten müssen (Das Internetvolk hat gewählt: in Europa haben zwei Deutsche gewonnen).
Zwischen den 27 verbliebenen Kandidaten also müssen sich die Wähler netscheiden. Das Center for Democracy and Technology (CDT) und Common Cause, zwei nichtkommerzielle Organisationen, die bereits vor den Wahlen einen kritischen Bericht über die ICANN-Wahlprozeduren verfasst haben, sowie die Bertelsmann-Stiftung ließen allen Kandidaten am 18. September einen Fragebogen zukommen, in dem sie ihr Verständnis von den Aufgaben der ICANN und ihre Haltung zu einigen konkreten Fragen wie der Einführung von neuen gTLDs oder Streitschlichtungsverfahren für Domainnamen darlegen sollen. Die Antworten werden hier oder, auf deutsch, hier veröffentlicht. Bis heute sollten die Kandidaten spätestens ihre Antworten zurückschicken, was eigentlich nicht schwer fallen sollte, da sie sowieso nur Antworten ankreuzen müssen. Bislang findet man bei Europa, Nordamerika und Lateinamerika die Antworten von jeweils einem Kandidaten, aus Afrika und Asien liegt offenbar noch nichts vor.
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Esther Dyson, Präsidentin von ICANN, sagte, man habe ein Unternehmen zur Durchführung der ersten Wahl benötigt, weil dies die erste globale Wahl sei und man sicher gehen wolle, dass die Wahl sicher mit einer solchen unterschiedlichen globalen Wählerschaft über die Bühne gebracht wird: "Unter den von uns betrachteten Wahlsystemen waren wir von den Nachweisen, der internationalen Erfahrung und dem Einsatz für Sicherheit von election.com beeindruckt. Überdies war election.com dazu bereit, mit uns bei einem bislang in der geographischen Breite einmaligen Verfahren zusammen zu arbeiten."
Election.com hat bereits verschiedene Abstimmungen online für Regierungen, Parteien, Gewerkschaften, Shareholder oder Unternehmen durchgeführt. Für die amerikanische Präsidentschaftswahl können Bürger, die zum Wahltermin abwesend sind, sich online registrieren. Sie können die Stimmzettel herunterladen, müssen dann aber mit der Post einreichen. Von der Mitwirkung an der ICANN-Wahl erhofft sich das Unternehmen, das weltweit seine Dienste anbietet, einen Imagegewinn. Man werde ein sicheres Login-System und Zählsystem für die abgegebenen Stimmen einrichten.
http://www.heise.de/tp/artikel/8/8791/1.html- Fehlerfrei? (2.10.2000 7:20)
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