Nepper, Schlepper, Bauernfänger

Peter Mühlbauer 28.09.2000

Die Telekom verweigert die Annahme von DSL-Neuanträgen

Die Konditionen, mit denen die Telekom derzeit für ihr T-DSL Angebot wirbt, klingen gut: Davon profitieren lässt das Unternehmen jedoch nicht alle Beworbenen: Neuerdings wird Kunden, welche nicht in Ausbaugebieten wohnen oder in deren Wohngebiet keine Ports frei sind, die Stellung von DSL-Anträgen verweigert.

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Eine Flatrate für 49,- DM macht das DSL-Angebot der Telekom auch für breite Bevölkerungsschichten interessant. "Nutzen Sie die günstige Gelegenheit: jetzt bei T-DSL einsteigen" wirbt die Telekom in Hochglanzbroschüren an alle Haushalte. "Wenn Sie jetzt T-DSL neu beauftragen, erhalten Sie eine USB-Karte für ihren PC für sensationelle 49,- DM". Und besser noch: "Bei der Neubeauftragung eines T-DSL-Anschlusses erhalten Sie jetzt eine Ethernet-Netzwerkkarte für ihren PC zum Preis von 1,- DM". Klingt gut. Kann man immer brauchen, auch wenn die Telekom noch ein paar Äonen braucht, bevor sie DSL wirklich liefern kann. (Mit Hyperspeed auf die Warteliste)

Die böse Überraschung für den Kunden folgt im "T-Punkt"-Laden. An der Filiale in der Münchner Sonnenstraße hat man zwar eine USB-Karte ausgelegt, die ist aber angeblich "Dekoration" und außerdem "kaputt", Ethernet-Karten seien gar keine mehr vorhanden. Nach mehrfacher intensiver Nachfrage nennt die Telekom-Angestellte die Zahl der überhaupt an die Filiale gelieferten Karten: Ganze vier Stück. Der Kunde wird an die Filiale in der Sendlinger Straße verwiesen, wo ein Herr Pesserl die Annahme eines DSL-Neuantrages mit der Begründung, die Adresse liege nicht im Ausbaugebiet, ganz verweigert. Auf die Frage, warum in diesem Gebiet dann an alle Haushalte Prospekte mit den Lockangebot Ethernet-Karte verteilt wurden, verweigert er die weitere Bedienung ebenso wie Auskünfte oder eine schriftliche Bestätigung, dass die Abgabe eines Antrags nicht möglich ist. Beim Warten erhält man einen guten Eindruck, welch paraniodes Klima bei der Telekom herrscht. Einer völlig verzweifelten Kundin, die ihren vor Wochen beantragten Telefonanschluss immer noch nicht erhalten hat, wird auf die Frage nach Alternativen zur Telekom verläßlich inkompetent beschieden: "Die darf ich nicht sagen - Sie könnten ja vom Vorstand geschickt worden sein."

Ist die Software der Telekom vielleicht kompetenter als ihre Mitarbeiter? Um es vorwegzunehmen: Sie ist etwas freundlicher, aber nicht wirklich kompetenter. Beim Bestellversuch über die T-Online-Webseite wird bei Eingabe der gleichen Adresse behauptet: " Ihr Orts- bzw. Stadtteil wird voraussichtlich ab sofort mit der neuen T-DSL Technologie versorgt". Dafür kostet die Netzwerkkarte statt einer plötzlich 49,- DM. Und die Telekom behält sich die Annahme des Antrages trotz angeblich bereits erfolgter Prüfung weiterhin vor: "Diese Aussage gilt vorbehaltlich einer abschließenden Prüfung durch die Deutsche Telekom im Falle eines Auftrages. Bei positiver Prüfung erhalten Sie eine schriftliche Auftragsbestätigung durch die Deutsche Telekom AG. T-Online hat die Prüfung der Anschliessbarkeit gemäß den ihr vorliegenden Informationen sorgfältig durchgeführt."

Das derzeitige T-DSL-Angebot ist durch die Regulierungsbehörde bis zum 31.12.2000 genehmigt. Ob sich die Konditionen nach diesem Datum verschlechtern, hängt u.a. vom laufenden Kartellverfahren gegen die Telekom ab. Die Pressestelle der Telekom behauptet zwar, daß die von T-Online in Aussicht gestellten Vergünstigungen für Kunden, die bis zum 31.12.2000 T-DSL beantragen, auch für jene gelten würden, die den Anschluß erst später bekommen. Was aber wenig hilfreich ist, wenn der Antrag gar nicht oder nur unter Vorbehalt angenommen wird.

Es handelt sich hier um einewettbewerbsrechtlich bedenkliche Praxis, welche die Telekom hier an den Tag legt:

"Wer in der Absicht, den Anschein eines besonders günstigen Angebots hervorzurufen, in öffentlichen Bekanntmachungen oder in Mitteilungen, die für einen größeren Kreis von Personen bestimmt sind, über geschäftliche Verhältnisse, insbesondere über die Beschaffenheit, den Ursprung, die Herstellungsart oder die Preisbemessung von Waren oder gewerblichen Leistungen, über die Art des Bezugs oder die Bezugsquelle von Waren, über den Besitz von Auszeichnungen, über den Anlaß oder den Zweck des Verkaufs oder über die Menge der Vorräte wissentlich unwahre und zur Irreführung geeignete Angaben macht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft" meint der Gesetzgeber dazu.

Trotz der seit Wochen laufenden extrem aufwendigen Werbekampagne der Telekom und ihrer Tochter T-Online für DSL sind die Unternehmen offenbar nicht in der Lage, die eingehenden Anträge zu bearbeiten, geschweige denn ausreichend Ports für alle Antragsteller zur Verfügung zu stellen. Neben dem Ausbau des Gebiets sind solche freien Ports Voraussetzung für T-DSL. Der Unterschied zwischen nicht ausgebauten Gebieten und Gebieten ohne freie Ports scheint jedoch nur den wenigsten Telekom-Mitarbeitern bekannt zu sein. Am schlimmsten scheinen Berlin, Frankfurt und München vom Portmangel betroffen zu sein. Auf dem Land ist die Situation offenbar entspannter als in den Großstädten (Vgl. Teltarif).

Ablehnungsschreiben erfolgen durch Standardbriefe ohne Angabe eines Namens oder einer Rückfrageadresse mit der allgemeinen Beschwerdenummer der Telekom. Oft werden bei unterschiedlichen Anfragen völlig unterschiedliche Bereitstellungstermine, teilweise für das Jahr 2002 [sic] genannt. Auf den Ablehnungen ist auch bei Anträgen für DSL ohne ISDN von einem beantragten "T-ISDN dsl-Anschluss" die Rede. Auch die Frage, ob der Port bereits reserviert ist, wird nicht einheitlich beantwortet. Andere beliebte Unwahrheiten die von Telekom-Mitarbeitern gerne verbreitet werden: DSL-Modem und Splitter dürfe nicht selbst installiert werden, T-DSL könne nicht ohne ISDN installiert werden, T-DSL laufe nicht unter Linux (zum Beweis des Gegenteils.

Die Telekom-Pressestelle schiebt den schwarzen Peter der Firma Siemens zu, die angeblich mit der Lieferung von Bauteilen im Verzug sind, kommentiert das Auskunftschaos in der eigenen Firma aber nicht weiter.

Die Werbeoffensive der Telekom zielt auf die Sicherung eines möglichst großen Marktanteils, bevor andere Anbieter leistungsfähigere und billigere Angebote zur Verfügung stellen können. Alternativen zum Telekom-DSL sind in Deutschland bisher nur bedingt vorhanden: Für SkyDSL muss eine Satellitenschüssel genehmigt und installiert werden und der Internetzugang über das Kabelnetz ist bisher nur in wenigen Städten möglich. Für Privatkunden bieten die Firmen Mobilcom und Arcor ein jeweils eigenes DSL an.

http://www.heise.de/tp/artikel/8/8811/1.html
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Mit Hyperspeed auf die Warteliste

Claus Jahnel 27.09.2000

Schwierigkeiten bei der T-DSL-Vergabe

Ein schönes Bild: Acht junge Mädchen, bis an die Zähne mit T-Online-Prospektmaterial bewaffnet, winken die Kunden in den T-Punktladen. Derart optimistisch eingestimmt, bewegt man sich zielstrebig auf die Thekenkraft zu, um sie zu fragen, ob man demnächst einen T-DSL-Anschluß haben könnte. Die Frau deutet auf eine meterlange Menschenschlange im hinteren Teil des Geschäftsraumes, an deren Ende ein offenbar überforderter Mitarbeiter einen Asiaten immer wieder anherrscht: "Geburtstag!". Auf die Idee, es mit englisch oder gar französisch zu versuchen, kommt er nicht. Nach fünf Minuten dieser Szene kapitulieren die ersten Schlangesteher und verlassen den Laden.

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