Der Bastard Assistant from Hell fordert die Hacker heraus

Ernst Corinth 13.07.2001

Mit SCAM gegen Raubkopien im Internet

Der Bastard hat wieder zugeschlagen. Aber nicht auf Papier, sondern elektronisch. Der vierte Band von Florian Schiels satirischer Bastard-Serie, "Survival Guide for the German University", wird nämlich ausschließlich elektronisch publiziert und ist versehen mit SCAM. Hinter dieser Abkürzung verbirgt sich das so genannte "Schiel Customer watermArking systeM", also eine Art Wasserzeichen, das eine illegale Veröffentlichung im Internet erschweren soll.

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Anhand des publizierten Textes kann nämlich eindeutig festgestellt werden, wer diese Kopie ursprünglich gekauft und damit das Copyright verletzt hat. Ob SCAM wirklich rundum perfekt funktioniert und was noch zu verbessern ist, soll nun durch einen Feldversuch herausgefunden werden. Schiel, der als Privatdozent im Bereich Phonetik/Spracherkennung an der Universität München arbeitet, hat nämlich ausdrücklich Hacker aufgefordert, das von ihm entwickelte Wasserzeichen zu hacken. In der ersten Woche nach Erscheinen des Buches wurden nach Angaben des verantwortlichen Schwarten Verlags 150 Exemplare geordert und per Email verschickt. Drei Hackern soll es inzwischen gelungen sein, SCAM auszutricksen.

"Der SCAM-Versuch", sagt Schiel, "war bis jetzt ein voller Erfolg. Ich erhalte täglich wertvolle Tipps und Hinweise, wie das Verfahren zu perfektionieren ist. Inzwischen hat sich an der Universität München spontan eine kleine Gruppe von Linguisten, Informatikern und Physikern gebildet, die an der Verbesserung von SCAM arbeitet. Die Ergebnisse können wir sofort im laufenden Feldversuch austesten."

Verbesserungswürdig ist auf jeden Fall der doch etwas arg komplizierte Bestellvorgang, obgleich der Autor ihn als leichteren Vorgang schildert, "als einem Säugling den Schnuller zu klauen". Es müssen fünf Euro auf das Konto des Autors (Florian Schiel, Kto-Nr. 39628082, HypoVereinsbank, BLZ 70020270) überwiesen werden. Dabei sind folgende Angaben notwendig: Im ersten Vermerkfeld: PLZ, Straße und Hausnummer, im zweiten Vermerkfeld die Email-Adresse, an die der "Survival Guide" gesendet werden soll. Da die Banken das Sonderzeichen @ nicht übertragen, muss stattdessen das %-Zeichen verwendet werden. Außerdem muss der Konto-Inhaber mit dem Käufer identisch sein. Der "Survival Guide" wird nur ausgeliefert, wenn die angegebene Adresse gültig ist, d.h. in den üblichen Adressverzeichnissen zu finden ist.

Vorerst kann das elektronische Buch leider nur von deutschen Banken aus gekauft werden. Wer all diese Hürden erfolgreich überwunden hat, erhält anschließend dann eine digitale Kopie des Buches per Email als HTML-Version. Dieses Exemplar darf zwar privat kopiert oder an Freunde weiter gegeben, aber nicht im Internet als Raubkopie publiziert werden. Denn dann schlägt Florian Schiel mit seinem SCAM zu.

Bundesweit bekannt wurde der Autor, der seine satirischen Kurzgeschichten zuerst in einer Newsgroup (de.alt.geschichten) veröffentlichte, im Jahre 1999. Wie aus heiterem Himmel eroberten damals im Sommer der erste und der gerade neu erschienene zweite Teil der Bastard-Serie die ersten beiden Ränge der Verkaufsbestenliste des Online-Buchhändlers Amazon.de (»Ich bin /root, ich darf das!«) Ohne dass Schiels Verlag dafür überhaupt Werbung gemacht hatte und wohl allein dank der "Mundpropaganda" im Internet. Solch ein Wunder wird sich jetzt allerdings nicht wiederholen, bei Amazon & Co. kann der vierte Bastard - zumindest vorerst - nicht bestellt werden.

http://www.heise.de/tp/artikel/9/9068/1.html
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