Notdurft made in U.S.A.

Wolf-Dieter Roth 18.07.2001

Über die Probleme der Amerikaner, gewisse Örtlichkeiten zu Fuß aufzusuchen

Der neue amerikanische Präsident George W. Bush füllte mit seinen sprachlichen Fehlleistungen bereits so manche Late-Night-Show im Fernsehen und entfachte etliche Diskussionen darüber, welche Mindest- und auch Höchst-IQ Politiker eigentlich aufweisen sollten. Der Normalamerikaner hat sich zwar nicht mit den Problemen des Präsidenten herumzuschlagen: weder muss er den Kongress zu höheren Rüstungsausgaben noch Praktikantinnen zum oralen Sex überreden. Doch wir wissen es aus unzähligen Country-Songs: Das Leben in der Prärie ist hart und grausam - und endet zudem meistens mit dem Tode. Immerhin: Zu Fuß muss ein US-Bürger außer in der Großstadt fast nie gehen - ob in die Kneipe oder in den Supermarkt auf der anderen Straßenseite, immer wird der fahrbare Untersatz verwendet. Doch es gibt noch Orte, die auch der Kaiser einst zu Fuß aufsuchte. Und da zeigen sich nun ernsthafte Probleme des täglichen Überlebenskampfes.

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Nach einigen Litern Bier und Pfund Chips soll es ab einer gewissen Körperfülle sogar ausgesprochen schwierig werden, sich noch aus dem Fernsehsessel zum Gang der Gänge aufzuraffen. Doch bislang weisen die TV-Fernbedienungen keinen Knopf auf, der auch diese Funktion dem gestressten Fernsehkonsument abnimmt und das gewünschte Keramikutensil heranrollt. Noch schlimmer ist es allerdings, wenn ein Fußballspiel nicht zuhause vor der Mattscheibe, sondern life im Stadion angesehen wird: Hier ist der erlösende Gang zum Örtchen deutlich weiter und Mann muss möglicherweise sogar anstehen.

Doch Amerika ist natürlich nicht nur das Land der fernsehguckenden Couch-Potatoes, sondern auch der unbegrenzten Unmöglichkeiten und der findigen Daniel Düsentriebs, die uns bereits Erfindungen wie den Käse in der Sprühdose beschert haben. Damit also im Stadion in solche drängenden Fällen nichts in die Hose geht, steht dem Mann der Stadion-Freund (stadium pal) zur Seite. Dieses zuerst im Zweiten Weltkrieg erprobte Hightech-Gerät wird wie ein Kondom über des Mannes bestes Stück gestülpt und mit einem Schlauchsystem sowie einer am Bein zu montierenden Plastiktasche verbunden. Der Erfolg: ein erleichtertes Lächeln, auch wenn die eigene Mannschaft gerade verloren hat, warme Beine auch im Winter und eine gute Gelegenheit, um die Ehefrau, die gerade schon zum dritten Mal rennen muss, darum zu bitten, dabei doch gleich noch mehr Bier ranzuschaffen. Beworben wird das nützliche Sportutensil natürlich im US-Fernsehen - wo sonst?

Das häusliche Pinkelpausen-Problem ist so aber noch nicht gelöst: Unser armer Couch-Potatoe schleppt sich also mit letzter Kraft an den Ort der Erlösung, hat jedoch schon so viele Bier intus, dass er dort weder den Lichtschalter noch die Schüssel findet und falls doch, diese nicht trifft. Das Resultat: nasse Füße und Haue von der Ehefrau. Natürlich hälfe es, den Bierkonsum zu verringern - aber wozu dann all die schöne Bierwerbung im TV? Das wäre ja wirtschaftsschädigend. Nein, stattdessen gibt es für gerade mal 7 Dollar nachleuchtende Klebestreifen als Zielhilfe. Das hilft dem Cowboy auf den Pott und inspirierte daher auch den Country-Sänger Nash Rambler mit seiner Band "Lost in a hurry" (= in der Eile verlaufen - wahrscheinlich auf dem Weg zum Klo) zu einem steinerweichenden Song darüber, wie dieser Leuchtstreifen namens Jonny Glow sein Leben auf den Weg zum Guten gewandelt hat. Ach ja, und natürlich wird auch diese innovative Pinkelhilfe im US-Fernsehen beworben.

Hat die deutsche Industrie hier einen zukunftsträchtigen Produktzweig verschlafen? Ist bei uns nur die Bierwerbung im Fernsehen noch nicht zahlreich oder wirkungsvoll genug? Oder ist der Deutsche nicht nur oft ein Klugsch...er, sondern auch noch ein Intelligentpinkler? Fragen über Fragen...

http://www.heise.de/tp/artikel/9/9094/1.html
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