Diese Flashes, diese!

Die opto-hedonistische Nutzung von "Iridium"

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Wie wir nicht fragen, zu welch nützlichem Zweck die Vögel singen, da sie zum Singen erschaffen worden und der Gesang für sie eine Lust; so sollten wir auch nicht fragen, warum sich der menschliche Geist damit müht, die Geheimnisse des Himmels auszuloten ....

"Es war ein gleißend heller Lichtblitz, der sich schnell über den Himmel bewegte, nach wenigen Sekunden war alles vorbei. Ursuper."

Seit Sommer 1997 häufen sich derlei Berichte über seltsame Leuchterscheinungen am Nachthimmel. Die BeobachterInnen sprechen von sekundenlangen, extrem hellen Leuchtspuren, oft mehr als zehn Mal heller als die hellsten Sterne. Sind das Sternschnuppen, Meteorite oder - Gott bewahre! - sogar trendig hippe UFOs? Keineswegs, denn des Rätsels Lösung ist etwa 1 mal 4 Meter groß und kreist in 780 km Höhe in großer Zahl um die Erde: Iridium.

Was ist das? In den letzten Jahren wurde versucht, ein Satellitennetzwerk zu komplettieren, das aus 66 Satelliten bestehen sollte, um für Mobiltelefonie verwendet zu werden. 60 Satelliten wurden schlussendlich ins All befördert. Das Iridium-System sollte den Bau von Funkstationen auf der Erde vermeiden, erforderte aber eine große Anzahl von Satelliten, da jeder Punkt der Erde immer in Reichweite mindestens eines Trabanten sein sollte. Einfach gesagt: Das Iridium-Satelliten-System war (und ist) genau deshalb für viele LetztverbraucherInnen unerschwinglich. Kein Wunder, es ist nicht wirklich billig, ausreichend viele Kommunikationssatelliten ins All zu schießen, so dass die Erde jetzt förmlich in einem Iridium-Netz hängt. Und eigentlich will kaum jemand im tiefsten Dschungel - per handygroßem Iridiumtelefon - beim Boss anrufen. Die Iridium LLC Corporation ist bankrott gegangen (siehe Vorsicht, Iridium-Satellit)

Bislang konnte kein Übernahmekonzern gefunden werden. Das ist mir persönlich aber eigentlich auch egal. Die telekommunikative Nutzung ist mir relativ schnuppe.

Die opto-hedonistische Nutzung ist vorrangig: Für die Funkverbindungen hat jeder Satellit drei versilberte Antennen von etwa 88 mal 186 cm Größe, die immer in einem fixen Winkel zur Erde gehalten werden. Steht nun der Satellit auf seiner Umlaufbahn im "richtigen" Winkel zur Sonne, so reflektieren die Antennen das auf sie fallende Sonnenlicht zur Erde: Es kommt zu einem extrem hellen Aufleuchten des Satelliten am Himmel, wie bei einer hellen Sternschnuppe.

Normalerweise ist ein Iridium-Satellit etwa 6 magnitudo hell, kann also nur mit einem Feldstecher beobachtet werden. Durch die Reflexion kann seine Helligkeit aber um bis zu 15 (in Worten fünfzehn!) Größenklassen zunehmen. Der Satellit kann dann bis an - 9 magnitudo hell werden, rund eine Million mal heller als sonst. Durch die kleinen Antennen ist die bestrahlte Fläche auf der Erde aber nicht sehr groß und die Reflexion kann auf der Erde immer nur in einem schmalen Streifen von einigen Kilometern Ausdehnung gesehen werden. Die Helligkeit des sogenannten Iridium-Flares ist folglich stark von der Position des Beobachters abhängig und in wenigen Kilometern Entfernung ist der Blitz schon nicht mehr zu sehen. Bei 60 Satelliten ist die Wahrscheinlichkeit für einen Iridium-Flare aber trotzdem Nacht für Nacht recht hoch.

Wie bei allen Leuchterscheinungen von Satelliten können die Iridium-Flares aber nur in den Abendstunden, kurz nach Sonnenuntergang und morgens vor Sonnenaufgang gesehen werden. Dann nämlich ist es auf der Erde dunkel, während sich der Satellit in 780 km Höhe im Sonnenlicht befindet. Weil die Bahnen der einzelnen Satelliten sehr exakt berechenbar sind, können die Lichtreflexe genau vorhergesagt werden.

Normalerweise müsste man für diese Informationen extrem komplizierte Berechnungen anstellen, man bedenke die Anzahl der Sats. Aber das ist gar nicht notwendig. Auf der Homepage des German Space Operation Center gibt man einfach eine Stadt ein und es wird eine Liste der nächstwöchentlichen Iridium Flashes ausgegeben.

Also. Raus auf die Terrasse. Oder in den Park. Oder auf den Balkon. Geschmäcklerisch einen Lambrusco entkorken und auf den Zusch warten.
Viel Vergnügen beim Ereignis der Woche.

Anmerkung a): Denkbar wäre ein Kunststernschnuppen-Erfüllungsnetwork. Bei genauer Kalkulation könnte sich jeder eine x-beliebige Anzahl Sachen wünschen. Vielleicht kriegen wir dann sogar die österreichische Regierung weg.

Anmerkung b): Telepolis-LeserInnen pflegen eigentlich nicht "ursuper" zu sagen, oder?

http://www.heise.de/tp/artikel/9/9274/1.html
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