Auszug aus dem Paradies

Online-Magazine führen kostenpflichtige Angebote ein

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Möchten Sie für Nachrichten aus dem Netz bezahlen? Das ist jetzt keine theoretische Frage mehr. Zwar war bislang nahezu alles im Netz kostenlos. Das Internet galt als Paradies für Schnäppchenjäger und Nachrichten-Junkies. Doch mit der Krise der Internet-Wirtschaft ändert sich das jetzt peu à peu.

Dass immer mehr Leser einsehen, dass auch kostenlose Angebote irgendwie finanziert werden müssen, hoffen die Verleger, die in diesen Tagen versuchen, kostenpflichtige Angebote einzuführen. So kündigten in den letzten Tagen das beliebte naturwissenschaftliche Online-Magazin "Morgenwelt", das US-amerikanische Zeitgeist-Magazin "Salon" und das preisgekrönte US-Politikmagazin "Stratfor" neue Gebührenordnungen an.

Bei "Salon" war es vor allem die Werbeflaute des letzten Jahres, aus der man, so Scott Rosenberg im Spiegel-Online-Interview, gelernt habe, "dass es ganz schlecht ist, sich auf eine einzige Einkommensquelle zu verlassen." Die Hamburger Morgenwelt-Redaktion hingegen hatte nie nur von Werbeeinnahmen leben müssen, doch sie zwang nach fünf Jahren eine auslaufende Förderung der Heidelberger Klaus-Tschira-Stiftung jetzt zu dem Schritt in die Gebühren Bislang verdient bis auf wenige Ausnahmen wie dem "Wall Street Journal" noch keine Zeitung mit ihrem Internet-Angebote Geld. Der Aufsichtsratsvorsitzende der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ), Hans-Wolfgang Pfeifer, prophezeite deshalb schon vor wenigen Wochen, dass "mittelfristig alle Anbieter zu dem Ergebnis kommen werden, dass sie mit ihren Online-Diensten Erlöse erzielen müssen." Die Anlaufinvestitionen seien zu hoch, die Erlöse "dramatisch" zu niedrig. Und auch die Bannerwerbung sei "wenig erfolgreich". (siehe auch: Web-Träume nochmal überschlafen)

Was die neuen kostenpflichtigen Angebote alle gemeinsam haben: Sie werden nicht wie beim "Wallstreet Journal" komplett kostenpflichtig, sondern nur teilweise. So verlangt "Salon" jetzt eine Eintrittsgebühr für den Diskussionsbereich "Table-Talk", nachdem es im April bereits "Salon Premium" eingeführt hatte, einen Bereich mit "besonderen Inhalten" für 30 Dollar im Jahr.

Die "Morgenwelt" bietet ihren 6000 Newsletter-Abonnenten für 49 Euro im Jahr einen "Premium Newsletter" mit "mindestens 8 Meldungen pro Tag, dazu ergaenzende Informationen und Links". Und auch Stratfor will seinen täglichen Newsletter nur noch zum Einstiegspreis von 59,95 Dollar verschicken. Übrigens gibt es auch die FAZ nicht ganz kostenlos im Netz: Zwar sind die Nachrichten der "FAZ"- Online-Redaktion kostenlos, der elektronische Zugriff auf die Artikel der Print-Ausgabe hingegen kostet allen Nicht-Abonnenten der Zeitung Geld.

In den nächsten Wochen wird sich herausstellen, ob diese Modelle funktionieren werden. Der Erfolg wird sich nur dann einstellen, wenn die Nutzer sich einen echten Mehrwert erwarten können. Zumindest der "Morgenwelt" dürfte es schwer fallen angesichts des noch immer kostenlosen Newsletters von "Bild der Wissenschaft", aber auch aufgrund des umfangreichen idw-Presseverteilers ihre Leser bei der Stange zu halten. "Salon" hingegen hat einen einzigartigen Ruf, der seine Leser durchaus dazu bewegen könnte, für ausführliche Hintergrundbeiträge oder qualitative Diskussionszirkel zu zahlen. Auch "Stratfor" hat gute Karten. Der ähnlich gute Intelligence-Dienst des französischen "Intelligence online" verlangt schon seit Jahren saftige Gebühren für den Abruf einzelner Artikel, die in der Regel mit exklusiven Details aufwarten können.

In den Verlagen werden derzeit neben den kostenpflichtigen Online-Angeboten auch noch andere Erlösquellen diskutiert. "Content-Syndication", der Verkauf von Inhalten an Dritte, könnte beispielsweise weitere Einnahmen bescheren. Wohl auch deshalb schicken in letzter Zeit zum Beispiel die "Süddeutsche Zeitung", das "Handelsblatt" und die "Financial Times Deutschland" ihren freien Mitarbeitern Verträge zu, in denen sie sich verpflichten sollen, ihre Rechte an ihren Beiträgen kostenlos abzutreten - "der guten Ordnung" halber, wie die "Süddeutsche Zeitung" und die "Financial Times Deutschland" in ihren Anschreiben bemerkten. Die Gewerkschaften sehen diesem Treiben bislang eher hilflos zu. Sie verweisen lediglich auf das kommende neue Urheberrechtsgesetz, das solche Verträge nichtig machen soll. Denn dann sollen die Autoren "angemessen" für ihre geistige Leistung entschädigt werden.

http://www.heise.de/tp/artikel/9/9312/1.html
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