Schlapphut schreibt Hass-Mail

Nick Lüthi 20.08.2001

Mitarbeiter der Schweizer Bundespolizei verhöhnt toten Globalisierungsgegner

  • mobil
  • drucken
  • versenden
Ausgerechnet ein Mitarbeiter einer Stelle, die von Staates wegen die Sicherheit der Informatikinfrastruktur gewährleisten soll, erweist sich als Dilettant im Umgang mit elektronischen Kommunikationsmedien. Der Beamte A. G., Mitarbeiter beim Dienst für Analyse und Prävention des Schweizerischen Bundesamts für Polizei, schreibt ein Hass-Mail an das Portal linkeseite.de. Die Behörde hat den Vorfall bestätigt und den geständigen Mailschreiber vom Dienst suspendiert.

Der Inhalt lässt kaum Zweifel offen: "non e` peccato per questo bastardido !!" oder zu deutsch: Kein Erbarmen für diesen kleinen Bastard. Gemeint sein dürfte Carlo Giuliani, jener 20-jährige Italiener, der bei den Protesten gegen das G8-Gipfeltreffen von Mitte Juli in Genua von den Carabinieri erschossen wurde. Autor dieser Zeile ist ein gewisser A. G. (Name der Redaktion bekannt), der im Dienst für Analyse und Prävention beim Bundesamt für Polizei BAP arbeitet. Per E-Mail hat A. G. seine Botschaft dem Portal linkeseite.de zukommen lassen - ohne dabei seine Identität zu verbergen; so als wollte er den Adressaten wissen lassen mit wem er es zu tun hat.

Nicht zufällig wurde linkeseite.de ausgewählt. Auf der Site wird kontinuierlich über die Aktivitäten der sogenannten Globalisierungsgener berichtet. Nun erwägen die Betreiber des linken Portals gegen A. G. rechtliche Schritte einzuleiten. Im Vordergrund steht für sie jedoch ein Entschuldigung der Schweizer Regierung bei der Familie des ermordeten Carlo Giuliani. Die Schweizerische Bundespolizei hat auch reagiert. Bereits am Freitag nachmittag erfolgte die Bestätigung, dass die E-Mail über den Server des BAP versendet wurde. A. G. seinerseits hat seine Autorenschaft gestanden. Gegen ihn wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Bis zum Abschluss der Untersuchungen bleibt er zudem vom Dienst suspendiert. Das BAP bedauere den Vorfall und distanziere sich in aller Form, heißt es in einer Mitteilung. A. G. selbst wollte gegenüber Telepolis mit dem Hinweis auf die laufenden Untersuchungen keine Stellung nehmen.

http://www.heise.de/tp/artikel/9/9359/1.html
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Der schöne Schein

Firewall mit Windows

bilder

seen.by


TELEPOLIS