Pong am Alex

Thorsten Kleinz 12.09.2001

Der Chaos Computer Club feiert seinen 20. Geburtstag in Berlin

WaveLan für alle, Vorträge und das größte Pong-Spiel aller Zeiten: mit großem Aufwand feiert der Chaos Computer Club sein 20jähriges Bestehen. Krönung des Ganzen ist ein gigantisches Pong-Spiel, auf dem Alexanderplatz in Berlin.

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Erst vor kurzem hatte der Verein seinen Geburtstag auf seiner Webseite angekündigt. Die erste Bekanntmachung liest sich rätselhaft.

""XXCCC:Blinkenlights
status: undisclosed

blinkenlights: /blink'*n-li:tz/ n. [common] Front-panel diagnostic lights on a computer, esp. a dinosaur. Now that dinosaurs are rare, this term usually refers to status lights on a modem, network hub, or the like. "

Blinklichter also: Was heißt das aber konkret? Im "Haus des Lehrers" am Alexanderplatz haben die Hacker 144 Leuchten montiert. Alle Fenster vom fünften bis zum zwölften Stock sind verkabelt, die zusammen ein Display ergeben. Acht Stockwerke hoch kann der CCC so riesige Botschaften auf den Alexanderplatz ausstrahlen: "All your Base Belong to Us."

Der CCC setzt noch eins drauf: Auf dem Display soll das klassische Computerspiel "Pong" erscheinen, bei dem es darum geht, einen Ball mit zwei Schlägern vor dem Aus zu bewahren. Mitspielen kann jeder per Handy. Der Verein hat zur Steuerung eine 0190-Nummer geschaltet. "Das ist gleichzeitig auch ein Spendentelefon", erklärt Sprecher Jens Ohlig. Wer den Verein finanziell unterstützen will, muss nur die Nummer wählen.

Ein Hack im klassischen Sinne: Die Hacker nahmen eine bekannte Technik und führten sie einer völlig neuen Verwendung zu. "Atypisches Benutzerverhalten" nannte das die Bundespost in den Anfangsjahren des Clubs. So hatten die ersten "Datenpiraten" mit Hilfe von Toilettenmuffen einen Akustikkoppler zusammengeschustert, das sogenannte "Datenklo". Auch die kostenpflichtige Nummer entspricht der Tradition. In der Anfangszeit finanzierten sich die Hacker unter anderem durch eine Spendenseite im BTX. Dafür gibt der CCC aber auch freigiebig. Jeder Besitzer einer Funknetzwerkkarte kann in dieser Woche auf dem Alexanderplatz kostenlos surfen. Vorausgesetzt alles funktioniert wie geplant.

Die Veranstaltung wurde buchstäblich aus dem Boden gestampft. Der Tod von Alterspräsident und Doyen Wau Holland Ende Juli traf den Verein unvorbereitet (Hacken als Form der Gesellschaftskritik). "Wer hat schon einen Überblick wie Wau?" Die wenigsten Mitglieder sind länger als fünf Jahre dabei. "Wir mussten uns erst wieder durch die Archive lesen, um die Ausstellung vorzubereiten", sagt Jens Ohlig. In mehreren Vorträgen werden Veteranen des Vereins von der Geschichte der Hacker berichten. Bei "Chaoten" gibt es keine Garantie.

In nur drei Wochen wurden die Jubiläumsfeiern auf die Beine gestellt. Ein befreundetes Unternehmen stellte die leerstehende Kongresshalle und das "Haus der Lehrer" zur Verfügung. Der Rest war Manpower: 23 Clubmitglieder schufteten zum Teil rund um die Uhr, um die Installation möglich zu machen. Sie verlegten sechs Kilometer Steuerkabel, bauten 144 Lampen mit Ständern zusammen. Die komplette Technik von einzelnen Relais bis zur Software sind Eigenentwicklungen. Für die Hacker hat sich die Arbeit gelohnt, wenn sie in 15 Meter hohen Buchstaben ihrem Doyen huldigen können: Wauland ist überall.

Die Ausstellung zum 20. Geburtstag ist von Mittwoch, dem 12. September, bis Sonntag, den 15. September, geöffnet. Einzelheiten zu Vortragsprogramm und dem Pong-Spiel findet man auf den Clubseiten.

http://www.heise.de/tp/artikel/9/9519/1.html
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