We're at war

17.09.2001

Der "Neue Krieg" oder über den "monumentalen Kampf zwischen Gut und Böse"

Amerika ist im Krieg, die Welt ist im Krieg. Die amerikanischen Bodentruppen marschieren in Afghanistan ein. Kampfbomber greifen Kabul an ... Stop, Film zurück! US-Präsident Bush hat zwar in einer Radioansprache erklärt: "Wir werden ihre Höhlen ausräuchern, wir werden sie jagen, wir werden sie der Gerechtigkeit zuführen." Aber der pakistanische Präsident Pervez Musharraf hat in nächtlicher Absprache mit Bush den Taliban ein Ultimatum von drei Tagen eingeräumt, Usama Ibn Ladin auszuliefern. Verstreicht das Ultimatum ergebnislos, werde man angreifen.

Vom rhetorischen Präventivsieg zum immer währenden Krieg

Die so genannte zivilisierte Welt erlebt ein traumatisches Dilemma: Sie hat einen neuen Feind, kann ihn nicht sehen, ja nicht einmal genau bezeichnen, muss ihn aber bekämpfen. Denn nicht nur die Gruppe um die Selbstmordattentäter des 11. September, Usama Ibn Ladin und die Taliban stehen jetzt in der vordersten Schusslinie, sondern der alliierte Kampf richtet sich gegen die namenlose Hydra des internationalen Terrorismus. Bush spricht von einem "monumentalen Kampf zwischen Gut und Böse" und will diesem Monstrum weltweit sämtliche Köpfe und Glieder abschlagen.

Bushs alttestamentarische Rhetorik ist inzwischen kaum weniger fundamental als die Rede der selbst erklärten Gotteskrieger, die nun glauben mögen, den "Dschihad" gegen die Ungläubigen endgültig führen zu können. Das Oberhaupt der Taliban, Mullah Mohammed Omar, erklärte: "Nun will uns das dritte Reich der Welt angreifen. Aber ihr wisst, dass es nicht um Usama geht, sondern um die Dämonisierung des Islam." Diese Propaganda, die alle Muslime auf die kommenden heiligen Schlachten einstimmen soll, wäre in ihrer Perfidie viel durchsichtiger, wenn nicht das unverarbeitete Grauen Amerikas und die nachvollziehbare Panik vor weiteren Terrorangriffen den nun erklärten Krieg programmieren würde.

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Am wenigsten ist es Menschen gegeben, besonnen zu planen, wenn alles nach Rache schreit. Der von großen Teilen der westlichen Öffentlichkeit unterstützte Drang zur endgültigen Vernichtung des Weltbösen birgt die zentrale Gefahr, dass das emotionale Bündnis des Westens auch islamische Eiferer, die bisher zögerten, gewalttätig zu werden, noch weiter aufheizt. Zwar kann das Risiko einer Potenzierung des Konflikts keine windelweiche Toleranz oder vergebliche Diplomatie gegenüber Aggressoren, die unzugänglich sind, rechtfertigen. Aber der jetzt eingeleitete Feldzug lässt nach den amerikanischen Ankündigungen jede Zielbegrenzung offen. Dieser Krieg droht genau so grenzenlos zu werden wie die Seuche des globalen Terrorismus, der immer neue Wahnsinnige anwirbt, um die Zerstörung der Zerstörung willen zu exekutieren.

Bush hat die terroristischen Akte als Kriegserklärung interpretiert, obschon bis heute auf den Terror keine Erklärung der Täter folgte. Mit dieser Auslegung wird nicht nur die weitere Vorgehensweise konturiert, sondern auch das Verbrechen aufgewertet, so unabdingbar es ist, effektive Gegenmaßnahmen einzuleiten, wenn die Welt nicht in Schutt und Asche gelegt werden soll. Aber auch die jetzt ergriffenen Remedien könnten dieses Ergebnis zeitigen.

Terroristen sind Straftäter. Wer immer sie sind, "sie sind Mörder, nichts sonst", erklärte Bundespräsident Rau zu Recht. Die Terroristen sind Teil der Menschheit, nur gehören sie eben jenem Teil an, der in Gefängnisse zu sperren ist. Andere Länder wie Russland und Israel kennen den Terrorismus als ständigen Begleiter, ohne deswegen bislang apokalyptische Szenarien zu beschwören. In Russland sind etwa Inlandsflüge unter strengsten Sicherheitsmaßnahmen und Bombendrohungen zur Alltagsroutine geworden, auch wenn man sich an diesen Alltag nie gewöhnen wird. Verteidigungsminister Scharping erklärte noch kurz nach den Anschlägen: "Wir stehen nicht vor einem Krieg. Wir stehen vor der Frage, was ist eine angemessene Antwort - nicht im Sinne von Rache und Vergeltung, sondern um die Dimension des internationalen Terrors, seine Brutalität, seine Wirksamkeit auf Dauer bekämpfen und brechen zu können."

Aber Scharpings Rationalisierungsversuch ist längst von den Ereignissen überrollt worden, die einer explosiven Dynamik aus Panik, Verzweiflung, Verletzung und Trauer, aber auch dem permanent beschworenen Glauben Amerikas an die eigene Stärke und Unbesiegbarkeit entspringen. Dieses Gefühlsamalgam ist ein bedenklicher Politik- und Militärberater – der Glaube an Machbarkeit, Schicksalsüberwindung und allfällige Nemesis sitzt augenscheinlich aber zu tief, um die von vielen, insbesondere europäischen Stimmen geforderte Besonnenheit zu realisieren. Was als Krisenmanagement in Konfliktsituationen Soldaten, Polizei, Flugpersonal und anderen Akteuren sicherheitssensibler Bereiche vermittelt wird, gilt auf internationaler Ebene auf einmal gar nichts mehr. Diplomatie, Deeskalation, Beruhigung, gezieltes Eingreifen zum bestmöglichen Zeitpunkt sind jetzt als frühere Lehren eines aufgeklärten Umgangs mit dem Terror wie weggeblasen, weil der Schrei nach Vergeltung alles übertönt.

Der Wahnsinn in der gegenwärtigen Situation ist, dass die perverse Kalkulation der Verbrecher aufgehen könnte, den Kampf der Religionen, den Krieg der Kulturen, einen "Bruchlinienkrieg" (Samul P. Huntington) zwischen Christen und Muslimen auszulösen. Heillose Panik und globale Angst sind der beste Nährboden für militärische wie politische Überreaktionen. Die Täter des 11. September haben sich nicht erklärt, aber das vermeintlich "Unfassbare" ist zweifelsohne so aufzufassen, dass die Mörder das globale Machtgefüge in gefährliche Schwingungen versetzen wollen und auf den siegreichen Aufstand der islamischen Welt gegen Amerika hoffen.

Die Überbietungsrhetorik in den tief verunsicherten USA hat regressive Formen angenommen, die fatalerweise eine religiöse Semantik wählen und gerade damit die "Bruchlinie" zwischen den Kulturen gefährlich strapazieren. Der republikanische Abgeordnete Charles Norwoord aus Georgia verkündete: "Wir kommen euch holen, und mit uns kommt die Wut der Hölle." Der republikanische Senator John McCain kennt nur noch Rache: "Unseren Feinden sage ich: Wir kommen. Möge Gott euch gnädig sein, wir sind es nicht."

Mit dieser kriegstrunkenen Filmsprache, die zuvor dem dumm-martialischen Spruch - Gott vergibt, Django nie – vorbehalten war, wird ein moralischer Overkill propagiert, der die vormals so eindringlich gepredigten humanitären Kampfeinsätze – jenseits von kulturellen und religiösen Erwägungen - vergisst. Schien der Krieg des 21. Jahrhunderts auf "chirurgisch" beherrschbare Szenarien und virtuelle Schlachtfelder ohne Blutverluste verschoben zu werden, verflüchtigt sich in der neuen biblischen Gegenschlagsmoral jedes Maß. 68 Prozent der Amerikaner plädieren inzwischen selbst dann für Vergeltungsschläge, wenn unschuldige Menschen in großer Zahl getötet würden.

Architekten oder Attrappen des globalen Terrorismus?

Usama Ibn Ladin (Nuklearterrorismus) ist in den internationalen Medien als fanatischer Gotteskrieger mit der Kalschnikow, "Terrorscheich" und unter unzähligen anderen Bezeichnungen als Fleisch gewordenes Menschheitsübel präsent, obwohl sich längst die Zweifel mehren, dass der Topterrorist viel mehr als eine abgebrannte Altikone des internationalen Terrorismus ist, der nach Informationen des BND sogar "pleite" sein soll.

Verteidigungsminister Rumsfeld erklärte vor US-Soldaten: "Wir stehen mächtigen und schrecklichen Feinden gegenüber, und wir haben die Absicht, diese Feinde zu bezwingen." So grauenhaft, schändlich und vorbehaltlos verurteilungswürdig der Anschlag vom 11.September ist und so notwendig es ist, Soldaten auf den blutigen Ernstfall vorzubereiten, so disproportional ist diese Einschätzung auf der Grundlage der veröffentlichten Fakten. Weder sind die Feinde mit letzter Sicherheit bekannt noch ihre militärische bzw. terroristische Stärke, sicher ist lediglich, dass sie bedenkenlos ihr eigenes Leben einsetzen, um den größtmöglichen Terror zu produzieren.

Das ist allerdings ein Wissen, das seit weniger spektakulären Terrorakten längst den Geheimdiensten in aller Welt geläufig ist, wenn auch die westliche Öffentlichkeit frühere Anschläge mit geringerer Vernichtungswirkung bisher relativ erfolgreich aus dem kollektiven Gefahrenbewusstsein verdrängte. Dabei wäre das Zerstörungspotenzial nuklearterroristischer Schläge) oder der Einsatz biotechnologischer Waffen wie Anthrax viel letaler, als es die Terrortaten des 11. September waren. Henryk M. Broder meint: "Wer im Stande ist, das World Trade Center zum Einsturz zu bringen und das Pentagon in Brand zu setzen, der kann auch mehr. Der wird als Nächstes eine Atombombe klauen oder kaufen und nicht zögern, sie auch zu zünden." Was aber, wenn er sie schon hat?

Obwohl die relative Gnade der Verdrängung nun angesichts der Rückhaltlosigkeit dieses Terrors nicht mehr gewährt wird, löst das längst nicht das Problem. Hier geht es nicht um Toleranz gegenüber der Intoleranz zur Unzeit, sondern um das Wissen, dass die diabolische Hydra sich mit Feuer und Schwert allenfalls bedingt bekämpfen lässt. Das ist selbst in den offiziellen Erklärungen amerikanischer Politiker wie des Militärs eine strategisch eindeutige Tatsache – in einer Zeit, in der nicht mehr viel eindeutig ist.

Das Gesicht des "Neuen Kriegs"

Auch in den USA gibt es besonnene Stimmen. Die demokratische Kongressabgeordnete Barbara J. Lee aus Kalifornien befürchtet einen "open-ended war" ohne klares Ziel und zuverlässige Präventionswirkungen gegenüber zukünftigen Anschlägen. "Rendezvous With Afghanistan" heißt es dagegen in einem Editorial der New York Times vom 14.September 2001 und es ist angesichts der militärischen Schwäche dieses Regimes zu hoffen, dass sich das "Rendezvous" nicht zum vietnamesischen "Revival" entwickelt. Die sowjetischen Soldaten erlebten 1979 im Wüsten- und Bergstaat Afghanistan jedenfalls einen Krieg, der von den amerikanischem Vietnam-Trauma nicht allzu weit entfernt zu sein schien.

Nach dem anfänglichen Betteln um Gnade, haben die Taliban schon "Vergeltung" angekündigt. Die Taliban sitzen indes hilflos in der globalen Zwickmühle, sie haben in keiner der denkbaren Varianten dieses Krieges eine berechtigte Hoffnung, ihre Herrschaft in Afghanistan, ja nicht einmal ihr Leben, wenn sie kämpfen werden, zu retten. Wenn Kabul Usama Ibn Ladin und seine Genossen auf das Ultimatum hin ausliefert, zerschlägt das Regime zugleich sein eigenes Rückgrat, weil es von den Fundamentalisten als Verrat am Islam gedeutet würde. In Pakistan sind die Würfel gefallen, den vormaligen Schützling aufzugeben und sich auf die Seite der USA zu schlagen.

Aber nicht der vom Botschafter der Taliban in Islamabad, Abdul Salam Saif, angekündigte "Vergeltungskrieg" ist die eigentliche Bedrohung. Viel ernster als militärische Vergeltungsschläge in der Region ist der Umstand zu werten, dass Afghanistan nach vorsichtigen Schätzungen Tausende fanatischer "Gotteskrieger" aus dem Ausland beherbergt, die gegenwärtig maßgeblich mit Rat und Tat die Taliban unterstützen. Wenn die Taliban in dem jetzt verkündeten Krieg geschlagen werden, wird es wahrscheinlich, dass sich die ohnehin gewaltbereiten Gotteskrieger wie tödliche Sporen über das globale Konfliktfeld verteilen, um ihr terroristisches Handwerk unmittelbar gegen die Antiterrorallianz richten.

Die Neue Weltkriegsordnung

You will be asked for your patience, for the conflict will not be short. You will be asked for resolve, because the conflict will not be easy. You will be asked for your strength because the course to victory may be long.

Bush

Der von den USA angekündigte lang andauernde Feldzug wird sich nicht auf Afghanistan, Ibn Ladin, die Hintermänner des 11. September beschränken, wenn er sein erklärtes Ziel zum erfolgreichen Abschluss bringen will:

"Victory against terrorism will not take place in a single battle but in a series of decisive actions against terrorist organizations and those who harbor and support them." (Bush)

Die vor wenigen Tagen noch multipolare Welt reduziert sich jetzt auf zwei Lager: Antiterrorstaaten und solche Regime, die den Terror unterstützen oder gar Mittäter sind. In der Lesart des amerikanischen Außenministers Colin Powell heißt das, eine Grenze zu ziehen zwischen den USA und kooperativen Ländern gegenüber jenen, die sich feindlich verhalten. Die Warnung des Außenministers gegenüber allen, die Terroristen "einen Hafen" gewähren, schafft die unscharfe Ermächtigungsgrundlage, jedem begründeten Terrorverdacht in fremden Ländern zukünftig nachzugehen. Wenn Irak, Iran, Libyen, Sudan und Nordkorea zu potenziellen Angriffsobjekten einer globalen Terroristenjagd werden, sprengt das kommende Kriegsszenario sämtliche Auseinandersetzungen, die wir nach dem Zweiten Weltkrieg erlebt haben. Paul Wolfowitz, stellvertretender US-Verteidigungsminister, sprach bedrohlich von "ending states", die den Terrorismus unterstützen. Staaten lassen sich indes nicht wie Glühbirnen ausschalten, allein die Bevölkerungen der hauptverdächtigen Staaten umfassen Hunderte von Millionen Menschen.

Die Organisation von Usama Ibn Ladin soll sich auf 34 Länder erstrecken, neben westlichen Staaten werden Pakistan, Bangladesh, Saudi-Arabien, Katar, Jemen, Jordanien, Ägypten, Libyen, Libanon, Algerien, Tunesien, Mauretanien, Aserbeidschan, Usbekistan, Tadschikistan, Tschetschenien, Somalia, Eritrea, Kenia, Philippinen, Uruguay, Ecuador, Bosnien, Kosovo sowie Albanien genannt. Sollten diese Länder in Zukunft keine effektiven Antiterrormaßnahmen ergreifen, muss sich mit der jetzt von der US-Regierung entwickelten "Lager-Doktrin", die die Welt so gefährlich überschaubar bis völlig unüberschaubar aufspaltet, jederzeit mit Einsätzen der neuen Allianz und Gegenschlägen gerechnet werden.

Die Entschlossenheit, die kaum mehr von Hektik sinnvoll zu unterscheiden ist, mit der gegenwärtig der "Neue Krieg" des 21. Jahrhunderts gegen den Terrorismus eingeleitet wird, hat bereits dazu geführt, dass das US-Außenministerium 15 arabische Staaten vor die Alternative ohne Alternative gestellt hat: entweder der internationalen Antiterrorismus-Koalition beizutreten oder zu riskieren, in dem wachsenden globalen Konflikt isoliert zu werden. Selbst Syrien, das auf der Anklagebank des US-Außenministeriums weit vorne sitzt, den internationalen Terrorismus zu fördern, gehört zu den Ansprechpartnern, die nun ihre letzte Chance haben, dem amerikanischen Bannfluch und seiner Exekution zu entgehen.

Die sich abzeichnende neue Weltkriegsordnung stürzt insbesondere arabische Regierungen in einen gefährlichen Konflikt, der an die eigenen Grundfesten rührt. Da mehr oder weniger große Teile der arabischen Bevölkerungen zumindest mit den Zielen, wenn auch sicher nicht mit den Mitteln militanter Moslems sympathisieren, könnte das Schutz- und Trutzbündnis zur innenpolitischen Überlebensfrage werden. Nicht allen arabischen Regierungen wird es gelingen, sich in die antiterroristische Liga einzugruppieren. Vor allem aber droht eine Radikalisierung islamischer Gruppen, eine unabsehbare Verstärkung des Lagers der "Gotteskrieger", wenn kommenden Schlägern auch viele Zivilisten zum Opfer fielen.

Die Welt wird in zwei Lager vermessen, die Moral des Schützengrabens bestimmt seit den Anschlägen auf das World Trade Center und Pentagon die politischen und militärischen Koordinaten. Nabil Fahmy, ägyptischer Botschafter in den USA, hat zu Recht davor gewarnt, dass das berechtigte Anliegen, die Täter des 11. September zu bestrafen, nicht zur Legitimationsgrundlage überdehnt werden darf, andere geopolitische Ziele in einem Zuge erledigen zu wollen. Der "Neue Krieg" ist geeignet, jeden Konflikt zu kontaminieren, weil seine Natur darin besteht, Präventions- und Vergeltungsmaßnahmen mit Verdächtigungen gegenüber gesichtslosen Gegnern zu legitimieren.

Nicht nur Russlands Politiker sprechen inzwischen von der Gefahr eines Dritten Weltkriegs. Dimitrij Rogosin, Vorsitzender des Außenpolitischen Ausschusses der Duma, sieht etwa in Angriffen auf Staaten im Nahen Osten die Gefahr, dass massenhaft Terrorakte provoziert würden. Das kann weder das Ziel Amerikas noch irgendeiner zivilisierten Nation sein. Nach CNN-Berichten werden zurzeit auch die amerikanischen Streitkräfte auf dem türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik verstärkt. Von hier aus wird die Flugverbotszone im Nordirak aus kontrolliert und türkische Militärs befürchten einen massiven Schlag auf den Irak, der ohnehin von Präsident Bush vor einiger Zeit wegen des Angriffs auf ein amerikanisches Spionageflugzeug angekündigt worden war. Saddam Hussein warnte vorbeugend in einem "offenen Brief an die Völker Amerikas und des Westens und ihre Regierungen", vor einem Angriff auf ein islamisches Land. Die zuvor gezeigte Freude über den Terrorschlag vom 11. September ist offensichtlich sehr schnell der Angst gewichen, jetzt selbst endgültig zur Rechenschaft für die Unterstützung terroristischer Aktionen gezogen zu werden.

Die letzten Tage der Menschheit?

Und damit doch auf eurer noch hoffenden Erde nun endlich der endliche Endsig mal werde, und damit sich dagegen kein Widerspruch regt, habe wir sie erfolgreich mit Bomben belegt!

Karl Kraus, Die letzten Tage der Menschheit

Schien früher das Schreckgespenst des atomaren Kriegs die Grenzen militärischer Gewalt unabsehbar und global aufzulösen, wird der "Neue Krieg" gegen den gesichtslosen Gegner selbst gesichtslos werden. Wenn sich Terroristen nicht der Schlacht stellen, gibt es keine Schlachtfelder mehr, der Globus zieht sich zu einem einzigen Schlachtfeld zusammen. Der "Neue Krieg" wird so punktuell wie ubiquitär, so plötzlich wie nicht endend geführt werden müssen. Könnte man nur die Katastrophenwirklichkeit wieder nach Hollywood zurückspulen, um dem kommenden Grauen zu fliehen, doch aus diesem Echtzeitkino gibt es keinen Ausgang, kein gnädiges Ende der Horrorshow.

Präsident Bush verspricht, die Welt vom Übel zu befreien ("to rid the world of evil"). Vergeltung lässt die Toten nicht wieder auferstehen, alle Kraft wäre jetzt auf Prävention zu wenden. Nicht nur Europa, sondern alle verantwortlichen Staaten der Welt haben erklärt, dass sie Amerika im globalen Kampf gegen den Terrorismus unterstützen - aber einem "War Without Illusions", einem ewigen Kreuzzug, einer Endzeitschlacht, Armageddon muss Einhalt geboten werden. ABC News fragt:""Wie können wir unseren Kindern den Terror erklären?"

Mariechen, sei man ganz stille. Vater sagt, ihr dürftet Weltkrieg spielen, aber die Grenzen der Humanität müsstet ihr einhalten. Willichen kann keiner Fliege 'n Haar krümmen, er schützt seinen Besitzstand so gut er kann. Er führt einen heiligen Verteidigungskrieg

Frau Kommerzienrat Wahnschaffe (Karl Kraus)
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