Banken., Börsen, Berlusconi

01.10.2001

The WTC Conspiracy XI

Wenn eine Spur der Insidertransaktionen an den Börsen vor und nach dem WTC-Anschlag tatsächlich auf das braune Finanzimperium des (mittlerweile verstorbenen) Schweizers Francois Genoud deuten sollte, dann führen die Hintergründe nicht nur auf die historische Nazi-Vatikan-US-Geheimdienst-Connection zurück, sondern auch aktuell zu einem verurteilten Konspirationsexperten, der sich auf Staatsbesuch in Berlin gerade verplappert bzw. faschistoiden Klartext geredet hat: Silvio Berlusconi (Berlusconi will die Völker "okzidentalisieren und erobern").

"Wir müssen uns der Überlegenheit unserer Zivilisation bewusst sein, die aus Prinzipien und Werten besteht, die einen breiten Wohlstand für die Allgemeinheit gebracht haben. Der Westen wird weiterhin Völker erobern, so wie es ihm gelungen ist, die kommunistische Welt und einen Teil der islamischen Welt zu erobern, aber ein anderer Teil davon ist um 1400 Jahre zurückgeblieben. Die westliche Gesellschaft hat Werte wie Freiheitsliebe, die Freiheit der Völker und des Einzelnen, die sicherlich nicht zum Erbgut anderer Zivilisationen, wie der islamischen, gehören.." (Silvio Berlusconi)

Mitte der Siebziger Jahre, als sich Berlusconi vom Bauunternehmertum dem Mediengeschäft zuwandte, trat er dem Geheimbund "Propaganda Due" (P2) bei, was er später natürlich bestritt, doch aufgrund vorliegender Beweise dafür wegen Meineids verurteilt wurde. Dank einer allgemeinen Amnestie wurde ihm die Bestrafung allerdings erlassen. Der P-2-Fall ist einer der am besten dokumentierten Verschwörungsfälle der jüngeren Zeit - angesichts des kometenhaften Wiederaufstiegs des neuen Duce Berlusconi sind einige Beobachter sogar der Meinung, dass er immer noch läuft.

Zu den Top-Nazis, die über die Rattenlinie und Genouds Netzwerk nach dem Krieg in sicheren Häfen untergebracht wurden, gehörten nicht nur Figuren wie Adolf Eichmann, Klaus Barbie oder Oberst Rudel, sondern auch der italienische Faschist und SS-Mann Licio Gelli (geb. 1919), der sich fortan von Südamerika auch als Waffenhändler betätigte. Für die deutschen Terror-Fachleute vom Schlage der "Bestie" Barbie fand sich in der Folge beim Aufbau bzw. der Destabilisierung diverser südamerikanischer Länder reichlich Verwendung - viele der unter der Patronage der CIA ausgerüsteten "Befreiungskrieger", Todesschwadronen und "Contras" wurden von deutschen "Profis" geschult.

Gelli ging Anfang der 70er Jahre nach Italien zurück und soll dort P2 gegründet haben, um in einem "weißen Staatsstreich" die Macht in Italien zu übernehmen - als der Coup 1981 aufflog, wurde in seinem Haus die P2-Mitgliederliste gefunden, in der 43 Regierungs- und Parlamentsmitglieder, rund 900 hohe Beamte, führende Offiziere der Streitkräfte, der Nachrichtendienste sowie Führungskräfte aus Medien, Industrie und Banken verzeichnet waren - darunter mit der Nr. 1816 auch Silvio Berlusconi.

Einer der Top-P2-Mitglieder, der Bankier Roberto Calvi, wurde kurz darauf unter erhängt unter einer Londoner Brücke gefunden - später fand man heraus, dass der "Bankier Gottes" über seine "Banco Ambrosiano" und die Vatikanbank (IOR) eine große Waschanlage für Mafia-und Drogengelder betrieben hatte. Unter den zahlreichen Banken und Scheinbanken, die Calvi weltweit gegründet hatte, befand sich auch die Cisalpine-Bank auf den Bahamas, als deren zweiter Haupteigentümer Erzbischof Paul Marcinkus von der Vatikanbank eingetragen war. Die Cisalpine war 1981 in der Gerichtsverhandlung gegen die "World Finance Corporation" (WFC) anrüchig geworden, einer Bank in Miami, deren Leiter, ein "ehemaliger" CIA-Agent, angeklagt war, Geld aus dem Kokainhandel südamerikanischer Diktatoren gewaschen zu haben , und zwar über das "Schwarze Loch" des Calvi-Marcinkus-P2-Konsortiums.

Die Autorin Benny Lernoux ("In Banks we trust") , die den Fall recherchiert hat, geht davon aus, dass P2 der Hauptfinanzkanal faschistischer Regime in Lateinamerika war. Diese enge Verknüpfung mit den netten Hurensöhnen der US-Außenpolitik erklärt dann auch, warum Michele Sindona - Partner von Calvi und Gelli im Geldwäsche-Geschäft - beim Inaugurationsball von Präsident Nixon geladen war und Gelli höchstselbst Gast bei selbigem Ball zur Inauguration Ronald Reagans.

Dass die Mafia auch "Ehrenwerte Gesellschaft" genannt wird, hatte mit der Liste von zu schützenden Mitgliedern der "ehrenwerten Gesellschaft" Italiens zu tun, die New Yorker Mafiosi den US-Geheimdiensten übergaben, als sie mit ihnen zum Zwecke der US-Invasion in Italien 1944 zusammenarbeiteten. Nachdem die wildgewordenen "Hurensöhne" Hitler und Mussolini gestoppt waren, baute sich die CIA über die Mafia und den Vatikan einen neuen anti-kommunistischen Einflusskanal auf, der in den terroristischen 70er Jahren u.a. mit zahlreichen Bombenattentaten aktiv wurde, die dank falscher Spuren den "Roten Brigaden" angelastet wurden. So auch der Höhepunkt der Terrorserie, der Bombenanschlag auf den Bahnhof von Bologna am 2. August 1980, der 85 Tote und 200 Verletzte hinterließ. Die wahren Hintermänner wurden erst im November 1995 verurteilt. Zwei Täter erhielten lebenslänglich, ihre Auftraggeber kamen mit jeweils zehn Jahren davon: der P-2-Großmeister Licio Gelli und seine rechte Hand, der CIA-Agent, Francesco Pazienza,

Auch wenn es dafür keinen Beweis gibt scheinen die jüngsten Bombenattentate in Genua und Venedig, die zum Anlass wurden, die Anti-Globlasierungs-Demonstranten brutal anzugreifen, doch ganz die Handschrift dieser typischen, italo-amerikanischen Counter-Intelligence-Operationen zu tragen. Zumal mit Berlusconi ein gelehriger Schüler Gellis jetzt an den Schalthebeln der Medien und der Macht sitzt.

Ich bin skeptisch, ob die Recherchen zu den kurzfristigen Spekulationen und Finanztransaktionen vor und nach dem WTC-Anschlag wirklich zu einem Ergebnis führen - würden die Auftraggeber ermittelt, die für den 20-fach über normal liegenden Umsatz mit Put-Optionen von Airline-Aktien gesorgt haben, wäre das ein besserer Beweis als alles, was bisher gegen Ibn Ladin vorgebracht wird. Doch die Verfolgung von derlei Finanzkriminalität - und vor allem ihre künftige überwachungsmäßige Verhinderung, die technisch ohne weiteres möglich wäre - tangiert einen Bereich, der einigen Anti-Terror-Koalitionären dann doch unter die Gürtellinie geht: das Bankgeheimnis. Zwar könnte man Off-Shore-Banken in der Karibik oder diskrete Depots in der Schweiz, Luxemburg und anderswo im Rahmen der globalen Anti-Terror-Maßnahmen morgen transparent machen ("Wer nicht dafür ist, ist für die Terroristen!"), und ca. 97% der Weltbevölkerung würden von solch einer Radikalkur in Sachen Geldwäsche kaum tangiert - doch bei den verbleibenden, entscheidenden ca. 3 % hört es, wenn's um's Geld geht, mit der großen Liebe zu innerer Sicherheit und Transparenz ganz schnell wieder auf.

So werden Tick, Trick und Track sich künftig in ihrem Alltag zwar an verschärfte Überwachungs-Mechanismen der Orwellschen Art gewöhnen müssen, die Kapitalbewegungen im Geldspeicher von Onkel Dagobert aber bleiben weiterhin weitgehend unkontrolliert - zur Freude aller Panzerknacker, egal ob sie nun bei der Djihad Terror Inc., bei McDope im Drogengeschäft (Weltjahresumsatz: 300 Mrd. $, Top-Heroin-Produzent: Afghanistan!) oder im Counter-Intelligence-Business tätig sind.

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