Weltweiter Rückgang von verkauften Musik-CDs

Florian Rötzer 02.10.2001

Die Musikindustrie sieht den Grund vornehmlich in der Piraterie und im Internet, der US-Verband der Musikhändler will dem nicht zustimmen

Der Musikindustrie geht es schwer. Weltweit sind die Verkäufe, wenn auch mit erheblichen regionalen Unterschieden, um 5 Prozent zurückgegangen. Verantwortlich dafür seien, so die International Federation odf the Phonographic Industry (IFPI) das "massenhafte Brennen von CDs" und Piraterie über das Internet.

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Wie die IFPI berichtet, ist der Verkauf von Musikträgern weltweit im ersten Halbjahr um 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Schon die Recording Industry of America (RIAA) meldete vor kurzem, dass der Verkauf in den USA um 5 Prozent zurückgegangen sei. Der amerikanische Markt alleine deckt 40 Prozent aller Verkäufe ab. Aber die Verluste verteilen sich nicht gleichmäßig.

In Europa ist der Verkauf insgesamt nur um ein Prozent zurückgegangen, in Frankreich und in Großbritannien konnten sogar mit 8 bzw. 10 Prozent mehr CDs verkauft werden, während in Deutschland der Verkauf um 13 Prozent oder in Dänemark gar um 24 Prozent gesunken ist. In Asien ging der Verkauf insgesamt um 8 Prozent zurück, in Südkorea und Thailand gab es allerdings deutliche Steigerungen mit 44 bzw. 20 Prozent. Besonders stark eingebrochen ist der Markt mit einem Rückgang von 20 Prozent in Lateinamerika (Mexiko 13 %, Brasilien 37%).

Eher etwas zögerlich verknüpft die IFPI den Rückgang der Verkaufszahlen auch mit ökonomischen Schwierigkeiten, der Schwerpunkt bleibt allerdings, dass Internet und Piraterie die Schuldigen sind. So heißt es zwar, dass der Musikmarkt in Lateinmarkt "schwer durch ökonomische Probleme und Piraterie" getroffen worden sei, bei Brasilien muss aber dann doch wieder stärker die Schuld auf die Piraterie verlagert werden, da hier der Rückgang "teilweise von der chronischen Piraterie" verschuldet worden sei. Auch allgemein erwähnt man immerhin als Grund den "wirtschaftlichen Rückgang" gegenüber dem Vorjahr, muss aber auch gleich "die massive Verbreitung des CD-Brennens und die zunehmende Verfügbarkeit von nichtautorisierten Downloads im Internet" hinzufügen.

Es gebe zwar auch "positive Nachrichten", kommentiert IFPI-Leiter Jay Berman die Zahlen, da die Nachfrage nach Musikaufnahmen "grundsätzlich stark" sei und "überall" noch zunehme: "Das Problem ist, dass zuviel Musik über Piraterie-Websites und durch Kopieren angeboten wird. Das schädigt die Wirtschaft weltweit."

Pamela Horovitz, Präsidentin der National Asociation of Recording Merchandisers (NARM), will sich diese Sicht der Dinge nicht zu eigen machen und den Kunden die Schuld zuschieben: "Wir denken, dass das Problem bei den Musikproduzenten liegt." Diese hätten es versäumt, auf die Möglichkeiten des Diebstahls durch attraktive Angebote zu reagieren, die über die Geschäfte oder Versandfirmen gehen: "Anstatt Singles oder Downloads durch rechtmäßige Händler anzubieten, machen sie weder das eine noch das andere und erhöhen nur die Preise der CDs."

Used to buying a music CD, taking it home, playing it on your stereo, playing it in the CD player on your PC, copying to it MP3 and playing it on your portable MP3 player or the MP3 jukebox in your car? Not for much longer, if the record industry gets its way.

Campaign for Digital Rights

Gegen den neuen Kopierschutz von Key2Audio, mit dem angeblich die nächste CD "Invincible" von Michael Jackson ausgeliefert wird, will die britische Gruppe Campaign for Digital Rights am 6. Oktober protestieren, indem sie die Menschen zum Boykott aufruft. Der Kopierschutz soll verhindern, dass die CD auch mit dem Computer abgespielt werden kann. Die Gruppe hatte sich gegründet, um gegen den Digital Millenium Copyright Act (DMCA) und die entsprechende Urheberrechtsrichtlinie der EU zu protestieren.

Allerdings hat Sony Music Europe mitgeteilt, dass nach der Veröffentlichung des Songs von Michael Jackson im Internet CDs mit Kopierschutz an Radiostationen geschickt worden seien, aber dass es keine Pläne gebe, "eine ähnliche Technik für die kommerziellen Ausgaben dieser Aufnahme zu verwenden". Betont wird allerdings, dass sich Sony immer schon stark für den Schutz der Künstler und Urheberrechte gegenüber Piraterie eingesetzt habe: "Wir werden weiterhin die existierenden Kopierschutztechniken testen, und unser Ziel ist es, Kopierschutz auf einer breiten Basis einzusetzen, um digitale Piraterie zu verhindern."

http://www.heise.de/tp/artikel/9/9701/1.html
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