Osamas Marionette

Hubert Erb 12.10.2001

Der Sesamstraßen-Held Bert ist als offensichtliches Al-Qaida-Mitglied enttarnt worden

Der lange Arm Osama Bin Ladens hat bereits mehrfach großes Leid über die USA gebracht. Mehrere tausend Tote und Sachschäden in Milliardenhöhe gehen ohne Zweifel auf das Konto des fanatischen Rauschebarts. Die sogenannten Islamisten seiner Terror-Organisation führen nach Bin Ladens Willen einen Krieg der Kulturen. Jetzt hat der Chefterrorist anscheinend auch einen entscheidenden Schlag gegen einen westlichen Kulturträger gelandet und den knurrigen Starprotagonisten Bert aus der Sesamstraße umgedreht.

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Bert, der in der Sesamstraße bisher ein weltberühmtes Gespann mit seinem alerten Partner Ernie bildete, ist aktuell bei zwei Pro-Osama-Demonstrationen in Bangladesch gesichtet worden. Pressefotografen von Reuters und AP knipsten am 5. Oktober in der Hauptstadt Dhaka und am 9. Oktober an einem anderen Ort protestierende Eiferer, die brisante Tafeln hochhielten. Darauf befanden sich verschiedene in Collagenart zusammengeklebte Fotos mit dem Konterfei Bin Ladens. Auf einem Foto an den Transparenten ist eindeutig Bert in trauter Zweisamkeit neben Bin Laden abgebildet.

Etwa eine Fälschung durch westliche Medien? Die Presseagenturen bestritten entschieden, die Fotos mit einer Montage manipuliert zu haben. Die sensationellen Beweisfotos verbreiteten sich rasend schnell über das Internet. Als eines der ersten stellte ein niederländisches Portal die Fotos ins Netz. Yahoo folgte auf dem Fuß, mittlerweile dürften User weltweit bereits das Grauen geschaut haben.

Wer aber hat das Foto von Bin Laden und Bert tatsächlich gemacht? Die Bin-Laden-Bilder für die Collagen sind offensichtlich aus dem Internet zusammengesucht. Der Amerikaner Dino Ignacio stellt in diesem Fall einen wichtigen Zeugen dar, weil er ein Foto wiederzuerkennen glaubt. Der 27-jährige Computergrafiker aus San Francisco hat jahrelang die Website Bert is Evil betrieben. Ihr Inhalt legt nahe, dass der Griesgram mit dem Ananas-Kopf nach "Pleased to meet you, hope you guess my Name"-Art so ziemlich bei jeder Schandtat in der neueren menschlichen Geschichte seine Finger im Spiel gehabt haben muss. Ignacio sagt, dass ihm etwa eine Woche nach den Anschlägen auf New York und Washington jemand das folgende Bild per Email geschickt habe.

Ignacio habe es aus Pietätsgründen nicht ins Netz stellen wollen, es sei aber in den folgenden Wochen auch so im Internet weiterverbreitet worden. Natürlich eine blöde Montage - sagt er. Die Taliban-Anhänger werden aber doch nicht so dumm sein, freiwillig ausgerechnet eine amerikanische Ikone neben ihrem Idol öffentlich zu feiern, wenn sie nicht genau wüssten, dass Bert jetzt einer der Ihren ist. Wieso aber ausgerechnet Bert? Nun, Bert ist im Unterschied zu Ernie ja immer schon mürrisch, verschlossen, ernsthafter gewesen. Wahrscheinlich litt er einfach schon zu lange an Schuldkomplexen wegen seiner verdrängten Homosexualität in der paarähnlichen Beziehung mit seinem Partner. Die Läuterung von seinen Gewissensqualen erhoffte Bert wie so viele vor ihm in der Religion. Und zwar am besten gleich in der, die weitestgehende Abkehr von der oberflächlichen und liederlichen westlichen Gesellschaft verspricht. Im Islam in der fundamentalistischen Ausprägung. Und so machte er rüber. Eine ähnliche Entwicklung wie bei bin Laden, der dem Vernehmen nach ja selbst in Jugendzeiten noch fast so locker wie Ernie war und irgendwann erst zum verstockten Fussel-Bert geworden ist.

Hoffentlich bricht es dem guten alten Ernie nicht das Herz. Ihm bleibt wohl jetzt nur noch sein Quietscheentchen.

http://www.heise.de/tp/artikel/9/9791/1.html
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