Kopfgeld für US-Soldaten - Bin Ladins Netzwerk nach Bush zerschlagen

14.10.2001

Der Propagandakrieg und der Krieg mit Waffen, beispielsweise Bunker Buster, die auch als "Mini-Nukes" unterirdische Stellungen zerstören können

Die USA fahren weiter fort mit Luftangriffen. Wiederholt wurden offenbar Kabul und andere Städte mit Bombern und Marschflugkörpern angegriffen. Dabei sollen auch wieder Zivilisten getötet worden sein. Über deren Zahl herrscht weiterhin Unkenntnis, wie über so vieles in diesem Krieg in der globalen Informationsgesellschaft. Das Pentagon betont, man würde nur militärische Ziele angreifen, aber zufällige Schäden ließen sich nicht ganz vermeiden, zumal wenn Bomben wie am Samstag offenbar 1,5 km neben ihrem eigentlichen Ziel auftreffen, was vom US-Militär zugegeben werden musste. Neben Flughäfen, Kasernen, Munitionslager oder Trainingscamps sind offenbar auch unterirdische Tunnelsysteme und Höhlen, die von al-Quaida und Taliban weiter ausgebaut wurden, aber schon im Kampf gegen die Russen als Unterschlupf und Fallen dienten, mit schweren Bomben, den sogenannten Bunker Busters, angegriffen worden. Welche dieser Bomben genau eingesetzt wurden, verraten die Militärs nicht. Zum Arsenal der Bunker Buster gehören etwa auch die B61-11, 600 kg schwere Bomben mit abgereicherten Uranium, so genannte taktische Nuklearwaffen.

Immer wieder erstaunlich ist es, dass trotz aller Informations- und Kommunikationstechnologien heutzutage noch ein Krieg mehr oder weniger im Geheimen durchgeführt und die Weltöffentlichkeit ausgeschlossen werden kann. Das US-Verteidigungsministerium verknappt offenbar zunehmend die bislang schon sehr dürftigen Informationen, ansonsten zirkulieren Berichte von Augenzeugen, die mal so und mal so ausfallen und eher Gerüchten gleichen. Um den dauernden Meldungen von den durch die Bombardements ausgelösten Flüchtlingsströmen und von den wachsenden Opfern unter den Zivilisten abzulenken, ließ das Pentagon wohl verbreiten, dass Verwandte des Taliban-Führers Mullah Mohammed Omar sowie weitere hohe Mitglieder des Taliban-Regimes beim ersten Angriff getötet worden seien. Eine wirkliche Bestätigung gibt es dafür ebenso wenig wie für die von den Taliban genannten Zahlen der getöteten Zivilisten. Ansonsten hört man nichts, davon dass Opfer auch unter Bewaffneten zu verzeichnen seien, zumindest die Taliban können daran kein Interesse haben.

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Nachdem Bin Ladin nach dem Angriff auf Afghanistan mit einem ersten Video erfolgreich versucht hat, aus dem Versteck heraus, in dem er sich befindet, die Weltöffentlichkeit über den arabischen Sender Al-Jazeera zu erreichen, während die Taliban bislang nur Pressekonferenzen mit dem Botschafter in Pakistan gaben, scheint man nun bei Bin Ladin und den Taliban auf den Geschmack gekommen zu sein. Terroristen sind sowieso Propagandisten, deren Taten wie die in diesem schrecklichen Sinn perfekten ästhetischen Anschläge mit Flugzeugen auf das WTC auf die mediale Aufmerksamkeit ausgerichtet sind.

Gewalt und Vernichtung sind, je größer der Schaden und je zufälliger die Opfer, erbringen die besten Quoten. Das suchen die Taliban natürlich auch umgekehrt einzusetzen, indem sie die Aufmerksamkeit der Medien auf die durch die Bombenangriffe getöteten Menschen und Häuser demonstrieren. Was bislang nur über mehr oder weniger vertrauenswürdige Zeugenaussagen und Bilder an die Weltöffentlichkeit gelangte, soll nun auch von dem bislang medienscheuen Taliban-Regime gezielt eingesetzt werden. Erstmals wurden Journalisten und Fernsehteams eingeladen, das angeblich von amerikanischen Raketen zerstörte Dorf Karam in der Nähe von Dschalabad zu besichtigen, wo 200 Menschen getötet worden sein sollen. Die Sorge ist natürlich jetzt, dass im Propagandakrieg, in dem die Bilder zählen, das zerstörte Dorf mit Hunderten von Toten zu einem afghanischen Guernica werden könnte. Das Dorf liegt in der Nähe von Darunta, wo Bin Ladin Trainingslager haben soll. In Abu Khabab, einem dieser Lager, wurde angeblich auch mit chemischen oder biologischen Waffen etwa an Tieren experimentiert.

Nachdem Präsident Bush die neue FBI-Liste "Most Wanted Terrorists" mit einem Preisgeld von bis zu 5 Millionen Dollar bekannt gegeben hatte (US-Regierung im Medienkrieg), reagierte auch Bin Ladin wieder und kündigte ein Preisgeld in Höhe von 50.000 Dollar für jeden in Afghanistan gefangenen US-Soldeten, 3.000 Dollar für jede US-Uniform und 1.500 Dollar für jedes erbeutete US-Gewehr an. Auch wenn das Preisgeld, das in der pakistanischen Zeitung Ausaf bekannt gegeben wurde, weit unter dem Einsatz der USA liegt, so sind dies doch in einem verarmten Land riesige Summen, die auch Menschen, die keine Taliban-Freunde sind, in Versuchung führen könnten. Und man muss sich nur vorstellen, welches Medienereignis die ersten gefangenen US-Soldaten ergeben würden. Erinnern muss man sich dabei nicht nur an den Irak- und Kosovo-Krieg, sondern auch an den Einsatz in Somalia. Den Auslöser für den Rückzug der Amerikaner waren die schrecklichen Bilder, wie ein toter amerikanischer Soldat durch die schmutzigen Straßen wie Stück Vieh gezogen wurde.

Einen vielleicht nicht so guten Einfall hatte hingegen Präsident Bush, der versuchte, die Aufmerksamkeit der Menschen von den Angriffen und ihren Opfern auf die humanitäre Hilfe als der zweiten Achse des Einsatzes zu lenken. Wie schon im Kosovo-Krieg ist auch hier ambivalent, inwieweit die Menschen aus Angst vor den Luftangriffen fliehen und daher auch noch als Lebende zum Opfer des Neuen Kriegs werden. Möglicherweise fliehen sie aber auch, um dem Zugriff der Taliban zu entkommen und in Hoffnung, die Grenzen in ein Nachbarland überschreiten und dort Hilfe finden zu können. Oder bringen gar die Taliban selbst die Menschen zur Flucht, wie dies zumindest lange Zeit während des Kosovo-Kriegs die Serben gemacht haben sollen?

Wie auch immer, Bush und seine spin doctors dachten sich wohl, dass bislang die den Bomben nachgeworfenen Lebensmittelpakete nicht ausreichend gewesen seien, weswegen gerade eine direkte Hilfe von Kindern für Kinder wirkungsvoller sein könnte. Die amerikanischen Kinder sollen also für ihre Leidensgenossen in Afganistan spenden, um so einen persönlichen Beitrag zu leisten. Unter anderem sollen sie auch ihre Dollarscheine in Briefkuverts stecken und diese zum Weißen Haus schicken. Überrascht war man dann sicherlich im Weißen Haus, als neue Meldungen über Briefe auftauchten, die Anthrax enthalten. Jetzt stellte die Propagandaaktion vermutlich ein Sicherheitsrisiko dar, denn zumindest werden Trittbrettfahrer die gegenwärtige Panik auszunutzen versuchen, die sich in den USA breit zu machen scheint.

Auch Mohammed Omar hat sich wieder zu Wort gemeldet und am Samstag über eine Bekanntmachung verlauten lassen, dass man keineswegs gewillt sei, Bin Ladin auszuliefern, um mit den USA in Verhandlungen zu treten. Omar fordert Solidarität von den Muslims auf der ganzen Welt ein: "Muslims auf der ganzen Welt, die ihr mit euren eigenen Augen die Gräueltaten in Afghanistan sehen könnt, erlaubt Euch Euer Glaube, ruhig sitzen zu bleiben oder Amerika zu unterstützen? Seid Ihr auf der Seite der Ungläubigen oder seid Ihr mit uns?" Der Informationsminister der Taliban, Mullah Qudratullah Jamal, bezichtigte die USA erneut, "einen Krieg gegen Muslims und Afghanen führen" zu wollen, Bin Ladin sei nur ein Vorwand. Und er beteuert, dass der Heilige Krieg von den Taliban zur "Verteidigung des Heimatlandes und des Islam" bis zum letzten Atemhauch geführt werde.

Wir haben das Netzwerk zerstört ...

Am Samstag verkündete Präsident Bush, dass die erste Phase des Kriegs gegen Bin Ladin ein Erfolg gewesen sei: "Wir haben das terroristische Netzwerk in Afghanistan zerstört. Wir haben das Militär der Taliban geschwächt. Und wir haben die Luftabwehr der Taliban ausgeschaltet."

Was es genauer heißen soll, das "terroristische Netzwerk" zerstört zu haben, teilte Bush nicht mit (Das Orakel des Usama Bin Ladin). Vielleicht meinte er, dass man Trainingscamps, Waffenlager oder andere strategische Ort der Terroristengruppe zerstört hat. Das Netzwerk als eine Gruppen von Menschen ist hingegen sicherlich nicht zerstört. Und auch die Köpfe von al-Quaida, allen voran den Topfeind Bin Ladin, hat man immer noch nicht einmal lokalisiert. Bush versicherte jedenfalls, dass man die Verstecke des Feindes, der sich "vor unseren Soldaten verbirgt", vernichten werde, um ihn aufzuscheuchen. Dazu werden erst einmal auch wieder Bomben eingesetzt. Die Frage aber ist, ob das Pentagon der Öffentlichkeit alle eingesetzten Waffen mitteilt, denn schon des öfteren erfuhr diese erst im Nachhinein von manchen Waffen und ihren Folgen.

Radiostation als Ziel der Bombenangriffe

Das Pentagon räumte inzwischen den Einsatz von umstrittenen Splitterbomben ein, die über 150 kleine Bomben über ein großen Gebiet schleudern und nicht nur Menschen töten, sondern auch gepanzerte Fahrzeuge durchdringen können. Das Rote Kreuz und andere Hilfsorganisationen fordern ein Verbot dieser Bomben, die in großer Zahl auch im Kosovo-Krieg eingesetzt wurden. Bis zu 12 Prozent der kleinen Bomben, die eine höhere Sprengkraft als normale Landminen besitzen, explodieren beim Abwurf nicht und gefährden so auch die Zivilbevölkerung und vor allem Kinder.

Nachdem trotz weiter existierender Luftabwehr die USA vermutlich die Lufthoheit weitgehend herbeigebombt haben und so sehr viel nicht mehr in dem sowieso ruinierten Land zerstört werden kann, sind auch sogenannte Bunker Buster eingesetzt wurden, um tief unter der Erdeoberfläche gelegene Tunnelsysteme und Höhlen, in denen sich Kämpfer von al-Quaida oder Taliban aufhalten könnten, zu zerstören. Explizit angesprochen wurde der Einsatz von lasergesteuerten GBU-28s, 2500 kg schwere Bomben, die für den Irakkrieg entwickelt wurden, um auch die vielen von Hussein angelegten unterirdischen Bunker vernichten zu können. Schon Im Irak-Krieg fürchtete man, dass mit der Sprengung von Bunkern möglicherweise gefährliches Material, beispielsweise Bestandteile von biologischen, chemischen oder nuklearen Waffen freigesetzt werden könnten. Die ideale Bombe sollte also erst innerhalb des Bunkers explodieren und dabei das gefährliche Material mit vernichten. Bei Tests konnten die GBU-28-Bomben bis zu 30 Meter in den Erdboden und bis zu 7 Meter in Stahlbeton eindringen, bevor sie explodierten.

Verteidigungsminister Rumsfeld sagte auf der Pressekonferenz am 11.10., dass man "Höhlenkomplexe" mit Bunker Busters beschossen habe, unter anderem mit GBU-28-Bomben. Eine dieser Bomben habe für einige Stunden unterirdische Explosionen ausgelöst. Beschossen habe man solche Orte, an denen man "externe Hinweise auf eine Aktivität im Untergrund" gefunden habe. Dass in Afghanistan wie in anderen Ländern vieles unter die Erde verlegt worden ist. Mache den Umgang damit sehr schwierig: "Wie Sie auf Fotografien von Nordkorea gesehen haben, ist es ohne weiteres möglich, in eine Bergseite hinein zu graben und dort eine große ballistische Rakete hinein zu bringen, sie aufzustellen und sie dann aus dem Berg von einer unterirdischen Stellung abzuschießen." Man habe sicherlich einen großen Teil der Aktivität, der Tunneleingänge und der externen Hinweise feststellen können und diese bombardiert. Gefragt ob es sich dabei um die 2.500 kg schweren GBU-28-Bomben gehandelt habe, antwortete Rumsfeld bedeckt: "Die B-1, die B-2, die B-52 und die Kampfjets haben alles abgeworfen - das volle Spektrum der Waffen, die General Myers gestern vorstellt, wozu sicherlich diese gehören." Auf die Frage, ob "diese" die großen Bomben meint, antwortete er: "Die Großen. Und auch einige Bomben, die in die Erde eindringen."

Eine GBU-28

In der Pressekonferenz bestätigte auch General Henry Osman den Einsatz von Bunker Busters und sagte hier bereits, was Bush gestern wiederholte, dass man das "Netzwerk" von al-Quaida zerstört habe. Die Bomben seien auf Tunnel, Höhlen und andere unterirdische Anlagen gerichtet gewesen. Und auch er betonte: "Wir verwenden das gesamte Spektrum an Waffen, das es für die Ziele gibt. Und natürlich sind bei unterschiedlichen Zielen unterschiedliche Waffensysteme notwendig." Welche Bunker Buster genau eingesetzt wurden, sagte er jedoch nicht.

Unter den Bunker Buster versteht man nicht nur etwa die GBU-28, sondern auch Mini-Atombomben, die seit 1997 ausgeliefert wurden und noch eine weit höhere Durchschlagskraft haben. Sie sollen nach dem Eindringen in die Erde durch eine gezielt nach unten ausgerichtete Explosion bis in eine Tiefe von mehreren Hundert Metern alles zerstören, wobei sie angeblich überirdisch zu keiner Abgabe von Radioaktivität führen soll und daher vom amerikanischen Militär als "sauber" bezeichnet werden. Die B61-11 sind gleichfalls ein Produkt des Irak-Krieges, als es darum ging, unterirdische Stellungen zu zerstören, was mit konventionellen Waffen nicht möglich war (Sind die "bunker buster" Nuklearbomben?). Die Bombe ist eine Modifikation der älteren und weitaus schwereren Atombombe B61, die als "city buster" geführt wurde. Der Sprengkopf ist derselbe, nur kann die Bombe tiefer eindringen, bis sie explodiert. Zudem kann sie angeblich zielgenauer eingesetzt werden und soll weniger "Kollateralschäden" verursachen, weswegen sie eben auch für den Einsatz in "regionalen" Kriegen geeignet sei, ohne in einen wirklichen Krieg mit Nuklearwaffen zu münden.

Bekannt ist nicht, wie viele dieser "Mini-Nukes" die Amerika besitzen und wo sie zur Verfügung stehen. Gleichwohl wären sie die Bomben, um tatsächlich tief gelegene unterirdische Stellungen der Taliban oder von al-Quaida zerstören zu können. Attraktiv könnten sie auch deswegen sein, weil ihre Sprengkraft, die ein Vielfaches höher als die von konventionellen Bomben ist, unterirdisch gelagerte chemische, biologische und nukleare Waffen vernichten könnte. Vermutungen gehen davon aus, dass al-Quaida neben chemischen und biologischen Waffen auch über geringe Mengen an Plutonium verfügen könnte, die ausreichen, um eine Kofferatombombe zu bauen. Bin Ladin soll über Tschetschenien an russisches Plutonium heran gekommen sein.

Neben Bedenken, durch solche taktische Atombomben, deren Entwicklung eigentlich durch den Atomteststoppvertrag verboten wäre, die geltenden Rüstungskontrollabkommen zu unterlaufen und die Hemmschwelle für den Einsatz von Nuklearwaffen noch weiter herabzusetzen, warnen Wissenschaftler davor, dass die sauberen Atomwaffen wahrscheinlich so sauber nicht sein werden. Nach einer Analyse der FAS aus dem Jahr 1998 würden diese "Mini-Nukes", die nur bis zu 7 Meter in den Erdboden eindringen, gleich wohl zu einem tödlichen Fallout führen. Wenn die Bomben wirklich sauber sein sollen, dann müssten sie mehr als 150 Meter in den Erdboden vor der Explosion eindringen, da nur dann keine Strahlung entweichen könne. In einer bewohnten Gegend könnten daher die B61-11 zu vielen Todesfällen führen.

Die B61-11 wurde an den Sandia National Laboratories entwickelt, wo man betont, dass es sich nur um eine Modifikation einer Nuklearwaffe aus den 60er Jahren handelt: "Die Bombe kann gegen eine Vielzahl feindlicher Ziele eingesetzt werden, beispielsweise tiefe unter der Erdoberfläche befindliche Kommandostellen und Waffenlager." Bei einem Versuch mit simulierten Atomwaffen drangen die Bomben allerdings nur 2 und 3 Meter tief ein. Die Verkleidung des Sprengstoffs bestand aus abgereichertem Uranium, einem leicht radioaktiven Schwermetall, das die Durchschlagskraft von Geschossen erhöht, wie sie auch bereits im Irak- und Kosovo-Krieg eingesetzt wurden. In beiden Kriegen wurde erst nachträglich der Einsatz solcher Waffen von den USA bzw. der Nato zugegeben, was zumindest das Misstrauen nähren könnte, dass jetzt, angesichts der vielen unterirdischen Stellungen in Afghanistan, möglicherweise auch Atomwaffen eingesetzt wurden oder werden.

Ein B-2A Stealth Bomber wirft eine B61-11-Bombe ab

Abgereichertes Uranium oder DU, ein Abfallprodukt bei der Urananreicherung für Atomwaffen und Atomreaktoren, ist 3 Mal dichter als Eisen und 1,7 mal dichter als Blei. Es ist leicht radioaktiv und giftig. Die Durchschlagskraft wird durch das hohe Eigengewicht und die hohe kinetische Energie gesteigert. Angewendet wird es militärisch zur Verstärkung von Panzerungen oder für Geschosse. Nach der WHO besteht die größte Gefährdung über DU-Geschosse, wie sie etwa von den USA bereits massenhaft im Golfkrieg, im Bosnien- und im Kosovo-Krieg verwendet wurden. Beim Aufprall der Geschosse fängt DU Feuer und setzt ein gefährliches radioaktives Aerosol frei.

Im Kosovo sollen zwischen 30.000 und 50.000 solche mit DU ummantelten Geschosse abgefeuert worden sein (Low Intensity Nuclear War). Die Nato hatte zunächst versucht, diesen Einsatz zu leugnen, gab ihn später zu, beteuerte aber dann, dass DU ungefährlich sei, bis man schließlich zugeben musste, dass es bei der Verwendung von Waffen doch gesundheitsschädlich sei, wenn auch nur lokal. In der Folge des Kosovo-Kriegs führte das United Nations Environment Programme (UNEP) eine Untersuchung durch, in der zwar ebenfalls gesagt wurde, dass nur der Boden einige Meter um die Einschlagstellen verseucht sei und die Gefahr durch Ausbreitung über Staub oder Wasser gering sei: "However, levels of DU may be significantly raised over background levels in close proximity to DU contaminating events. Over the days and years following such an event, the contamination will become dispersed into the wider natural environment. People living or working in affected areas can inhale dusts and can consume contaminated food and drinking water." Nach einer Einschätzung durch Experten über den "Einsatz von Uran-Munition" im Auftrag der Bundeswehr wurde zu Beginn des Jahres von Verteidigungsminister festgestellt, dass "es keinen nachgewiesenen Zusammenhang zwischen Erkrankungen von Soldaten im Einsatzgebiet KFOR/SFOR und der Verwendung von 'Depleted Uranium (DU)' durch die NATO gibt".

Angesichts der mangelnden Transparenz und der geringen Information, besteht jedoch die Sorge, dass im Neuen Krieg gegen den Terrorismus auch neue Waffen heimlich, wie gehabt, eingesetzt werden. Präsident Bush hat den Militärs denn auch offeriert, alle notwendigen Waffen einsetzen zu dürfen.

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