Yihat gegen die al-Qaida Alliance
Über einige Kreuzzüge von Hackergruppen im Cyberspace
Wurde früher gerne auch von offizieller Seite von Cyberterrorismus oder Hackerkriegen gesprochen, wenn Websites entstellt wurden, so ist davon seit dem 11.9. nicht mehr die Rede. Es wurde vermutlich einfach deutlich, dass die Verunstaltung von Websites einfach nicht mit Terroranschlägen gleichzusetzen sind. Aber es kam auch kaum zu Hackeraktivitäten, wie dies oft bei Konflikten der Fall war. Nur der deutsche Kim "Kimble" Schmitz sah offenbar eine Möglichkeit, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, indem er ein Preisgeld auf bin Ladin auslobte und eine Hackergruppe zum Kampf gegen die Terroristen gründet. Seit einiger Zeit gibt es dafür auch ein Gegenunternehmen: al-Qaida Alliance.
Mit der wirklichen Terrororganisation hat al-Qaida Alliance freilich nichts zu tun. Dahinter verbergen sich nur zwei Hackergruppen, die schon seit langem im Internet aktiv sind, indem sie - oft in großen Mengen - Websites entstellen und für muslimische Belange etwa im Kaschmirkonflikt gegenüber Indien oder in der Intifada gegenüber Israel eintreten. Gforce Pakistan und Pakistani Hackerz Club haben sich zusammen geschlossen und letzten Dienstag als erste Ziele die Websites der indischen Nachrichtenmedien Zee News and India Today. Am 27. 10. Folgte noch eine Website des US-Militärs, kurz davor wurden zwei Seiten der US-Regierung, Anfang Oktober auch schon einmal von GForce die Website der indischen Regierung gecrackt (Pakistanische Hacker überschreiben amerikanische Webseite).Auch wenn sie sich provozierend "al-Qaida Alliance" nennen, betonen die Hackergruppen, sie seien keine Cyberterroristen: "Gforce Pakistan ist eine Gruppe von Cyberkreuzfahrern. Wir fordern lediglich Frieden für alle Menschen." Was am 11.9. geschehen ist, sei traurig und wird von ihnen verurteilt, aber das, was jetzt mit "unschuldigen Muslimen" in Afghanistan passiere, sei auch eine "Form des Terrorismus". Ansonsten werden die Medien gebeten, ihren Lesern keine falsches Bild der Cracker zu vermitteln. Natürlich kritisieren sie auch die indische Politik gegenüber Kaschmir und drohen an, weitere indische Websites zu überschreiben.
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Allerdings erwähnen die angeblich pakistanischen Cracker auch noch "kimble and his kiddies" und machen sich über diese lächerlich. Die von Kimble unter dem martialischen Namen Yihat (Young Intelligent Hackers Against Terror) gegründete Gruppe mit der ebenso im pubertären Stil benannten Website kill.net hatte sich aufgemacht, der Gruppe GForce in ihrem Kampf gegen den Terrorismus im Internet nachzuspüren. Schließlich wurde verkündet, man habe den wirklichen Namen und die Adresse eines Mitbegründers von GForce herausbekommen. Yihat-Mitglied Pullerman sagte, er habe das Pseudonym des Gforce-Mitglieds "Heataz" durch eine einfache Suche im Internet mit einem Mann verbinden können, der bei einer Online-Firma in Karatschi arbeite. Die Informationen seien dem FBI weiter gegeben worden. Gforce kommentierte: "if they think they can really trace a Gforce member by searching our handles in google.com then they need serious help for themselves."
Lächerlich gemacht hatte sich Yihat schon zuvor, als attrition von Yihat vorgeworfen wurde, eine Website von GForce zu hosten. Attrition hatte Kopien von überschriebenen Seiten gespeichert, darunter waren natürlich auch solche von GForce. Das trug Schmitz den ersten Platz unter den Scharlatanen der Attrition Hall of Shame ein. Auch der Crackerkollege Fluffi Bunni, der durch das Cracken von Sites wie die des Sans Institute oder auch attrition bekannt wurde, scheint den Terroristenjäger Schmitz nicht zu schätzen und hat die Yihat-Website schon zwei Mal überschrieben. Yihat hieß in dieser Version: "Young IDIOTIC hax0rz and Terrorists". Und ob es nun GForce, Fluffi Bunni oder jemand anders war, so wurde kill.net (zusammen mit anderen Schmitz-Sites) in der letzten Woche durch einen DoS-Angriff lahm gelegt.
Das sei so in etwa zur rechten Zeit geschehen, meinte Schmitz darauf hin und beendete kill.net am 20.10. Man sei sowieso in die zweite Phase des "Kampfs" eingetreten, "weltweit die elektronischen Fundamente der terroristischen Aktivitäten zu vernichten". Man wisse jetzt genug, um die "Informationsinfrastruktur" der Terroristen kontrollieren zu können. Yihat gehe dafür in den "Untergrund". Distanzieren wolle man sich auch von jenen, die im Namen von Yihat Websites überschrieben hatten, die mit der Mission nichts zu tun haben.
Tatsächlich wurden von Yihat oder von anderen Crackern, die sich nur als Yihat-Mitglieder ausgaben, eine ganze Reihe von Websites wie www.rotulistas.org, www.chat-world.com, magicconsulting.com oder www.movienet.at überschrieben. Am 24. 10. wurde auch www.securitynewsportal.com ein Opfer. Der nichtkommerzielle Hackerinformationsdienst wurde dabei als "scenewhore" bezeichnet, der Script Kiddies verführe, Defacements fördere und daran Geld verdienen wolle, aber nur vorgebe, an der Sicherheit interessiert zu sein. Der Betreiber hat die Website seitdem dicht gemacht. Die letzte Aktion richtete sich am 27.10 gegen www.drugs.org. Dem Text ist wohl zu entnehmen, dass sich da jemand über Schmitz lustig macht: "We at YIHAT know that the drug trade has close ties to international terrorism. Anyone who supports or sponsors the use or distribution of illegal narcotics is a terrorist. This extends to the webmasters of websites such as this one. YIHAT will not tolerate the existance of websites like DRUGS.ORG any longer. We're fighting a long and difficult battle against terrorism, and you cretins who fund terrorism with every drug purchase you make are no better than any other terrorists. I hope you understand what you are doing to the world. Get help, seek counseling, or fear the wrath of the Great Kimble and my YIHAT."
Und was mit Informationen aus der arabischen Bank ist, in die Yihat eingedrungen sein soll, da bin Ladin bei ihr angeblich Kunde ist, ist bislang auch nicht bekannt geworden. Möglicherweise muss "Great Kimble" mit dem Kreuzzug anderes kompensieren: Kimble, Kimvestor und die Pleite -- Gerüchte und Dementis. Unterhaltsamer sind da freilich wahrscheinlich schon die Kreuzzüge im Cyberspace.
http://www.heise.de/tp/artikel/9/9943/1.html- Sie sind "unter" uns! (29.10.2001 16:43)
- Pullerman 6 -- ROTFL (29.10.2001 11:46)
- Re: @P-Man (29.10.2001 9:09)
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