Der Kampf geht online weiter!
Ehemalige SDS-Mitglieder informieren und diskutieren auf einer eigenen Website
Dass eines Tages auf einer Informationsseite über die Rote Armee Fraktion (RAF) ausgerechnet ein Kreditkartenunternehmen Werbung macht, hätten Leute wie Andreas Baader oder Ulrike Meinhof wohl nicht für möglich gehalten. Aber heute - nach dem vermutlich endgültigen Sieg des monopolkapitalistischneoimperialistischenundsoweiter Systems - wundert einen kaum noch etwas. Auch nicht eine Netzseite, in der ehemalige Mitglieder des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) Debatten führen wie einst im rebellischen Mai 68.
Dass diese SDS-Website arg textlastig und ein wenig puritanisch gestaltet ist, versteht sich dagegen ja schon fast von selbst. Doch bisweilen schimmert auch im Netz der alte polemische Geist durch, wenn zum Beispiel Günter Langer sich unseren Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl vorknöpft. Unter dem Titel "Hannelore: 'Das System Kohl ist mein Tod!'" gehts anfangs gleich mächtig ans Eingemachte:
"Da grübelt die Republik, wem Helmut mit Ehrenwörtern verpflichtet zu sein vorgibt und niemandem fällt auf, dass er seinen ehelichen Christenschwur gegenüber seiner Gattin längst gebrochen hat. Männern, zumal sie viel Geld zu haben scheinen, bleibt er ohne Rücksicht auf Verluste treu bis in den Tod, lieber verlor er Amt und Würden und wurde kriminell, als seinen Amtseid, Schaden von Deutschland abzuwenden, zu erfüllen. Seiner Frau allerdings gegenüber, der er sich mit seiner Heirat zu Treue verpflichtet hat, scheint dies in gleichem Maße nicht zu gelten. Das Verhältnis von Männern unter sich hat nach wie vor einen höheren Stellenwert als das Verhalten von Männern gegenüber Frauen, egal durch welchen Vertrag auch immer die Leute untereinander verbunden sind."
Gut gebrüllt. Und gut, dass wir mal drüber geredet haben. Aber was sonst auf dieser Seite geboten wird, ist weder Kohl noch hat es mit dem anderen Kohl etwas zu tun.
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Initiiert wurde die SDS-Website von ehemaligen Mitgliedern des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes. Und sie soll, heißt es in der Selbstdarstellung, dazu dienen, Materialien, die aus diesem Kreise sowie von Freunden und Beobachtern stammen, einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das klingt ein wenig nach Geschichtsstunde, was übrigens durch ein dort veröffentlichtes Zitat von Hanna Ahrendt auch scheinbar bestätigt wird: "Mir scheint, die Kinder des nächsten Jahrhunderts werden das Jahr 1968 mal so lernen wie wir das Jahr 1848."
Aber der Schein trügt. Zwar steht bei den meisten der ehemaligen Genossen und Genossinnen demnächst die Pensionierung an, doch für aktuelle Debatten sind sie immer noch gut. Das zeigt nicht nur die dort gerade kontrovers geführte Diskussion über Terror und Krieg. Wer allerdings beim Betrachten dieses virtuellen SDS dann doch von nostalgischen Gefühlen geschüttelt und gerüttelt wird, der sollte unbedingt ganz genau das "Organisationsreferat" nachlesen, das Rudi Dutschke und Hans-Jürgen Krahl auf der XXII. Delegiertenkonferenz des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes am 5. September 1967 gehalten haben. Danach kehrt man nämlich gern in die Gegenwart zurück - trotz der Kreditkartenwerbung auf einer Info-Seite über die RAF.
http://www.heise.de/tp/artikel/9/9956/1.html- witzige polemik (3.11.2001 11:15)
- Schnarch! (3.11.2001 1:16)
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