Bauanleitungen für Nuklearwaffen und Überschallraketen

Florian Rötzer 15.11.2001

Ein Times-Reporter hat in verlassenen al-Qaida-Häusern in Kabul zurückgebliebene Dokumente der Terrororganisation gefunden

Nach einem Bericht der heutigen Ausgabe der Times wurden von Anthony Loyd, einem Reporter der Zeitung, in vier Häusern, in denen Angehörige der al-Qaida-Organisation gewohnt haben sollen, Dokumente mit detaillierten Anweisungen unter anderem zum Bau von Nuklearwaffen gefunden.

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Der Reporter berichtet, dass die Häuser zwar geplündert worden seien, doch die Menschen hätten sich offenbar nur für die zurück gebliebene Medizin oder die Kleider interessiert, nicht aber für die Papiere, die mit handschriftlichen Aufzeichnungen in Arabisch, Urdu, Englisch oder Deutsch versehen waren. Diese Papiere lagen verstreut auf dem Boden, zusammen mit Luftfahrtzeitschriften, Navigationsinstrumenten, Propgandamaterialien, Briefen, Passanträgen für Kanada oder Informationen über amerikanische Spezialtruppen und Methoden der Geiselbefreiung. Die Mehrzahl der Papiere waren die üblichen Anweisungen für Terroristen zum Bau und Einsatz gewöhnlicher Bomben. Dabei ging es um Sprengkörper, die explodieren, wenn man ein Buch oder eine Tür öffnet, bis hin zu Bomben zur Zerstörung von Brücken.

Der Reporter fand unter diesen Papieren jedoch auch Informationen über die Herstellung von Nuklearwaffen. So waren Beschreibungen darunter, wie eine TNT-Explosion eine Kettenreaktion auslösen und damit zu einer thermonuklearen Reaktion führen kann. So stand auf einem Briefpapier des Hotel Grand in Peschawar vom 26. April 1998: "Natürlich besitzt die Explosionsflüssigkeit eine sehr hohe mechanische Energie, die in eine Zerstörungskraft übersetzt wird. Aber sie kann gezähmt, kontrolliert und als nützliches Antriebsflüssigkeit verwendet werden, wenn bestimmte Methoden eingesetzt werden." Man dachte offenbar daran, auch Raketen herzustellen, die mit Überschallgeschwindigkeit fliegen. Zudem gab es Ausführungen über die Herstellung von Gewehren zum Abschuss von chemischen oder nuklearen Sprengköpfen oder zur Herstellung einer Atombombe.

Möglicherweise hatten die Flüchtenden trotz ihrer Eile aber nur die nicht mehr benötigten Notizen zurück gelassen, während sie andere Bauanleitungen mit genommen haben, über die sich jetzt nur spekulieren lässt. In dem Gespräch mit der pakistanischen Zeitung Dawn hatte bin Ladin letzte Woche damit gedroht, dass man, wenn die USA chemische oder nukleare Waffen einsetzen sollte, darauf mit gleicher Münze antworten werde. Die gefundenen Dokumente können zumindest die Vermutung bestärken, dass zu bin Ladins Organisation nicht nur Menschen mit entsprechenden technischen und wissenschaftlichen Kenntnissen gehören, sondern sie tatsächlich auch über nukleares Material verfügt. Angeblich sollen Angehörige der Organisation versucht haben, an genug angereichertes Uran und anderes radioaktives Material in Pakistan oder den Ländern der ehemaligen Sowjetunion heranzukommen, um zumindest eine sogenannte "dirty bomb" herzustellen. Gefährlich wäre dabei weniger die Sprengkraft, die mit herkömmlichen Mitteln erzielt wird, als die radioaktive Verseuchung von Gebieten durch die Explosion.

Allgemein wird angenommen, dass es al-Qaida nicht möglich sei, tatsächlich eine Atombombe herzustellen, selbst wenn sie das nötige Material besäße, weil dies zu kompliziert und aufwändig sei. Nach dem Bericht der Times scheinen die gefundenen Papiere jedoch keine Hineise auf biologische Waffen zu enthalten. Der Reporter räumt ein, vieles in den mit chemischen Symbolen und physikalischen Begriffen übersäten Seiten nicht verstanden zu haben.

http://www.heise.de/tp/artikel/9/9983/1.html
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