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23.02.2012Science-News
Nachrichten aus der Wissenschaft

Lohnt sich ein Hochschulabschluss?

In Großbritannien, wo die Studiengebühren drastisch erhöht wurden, derzeit nur bedingt

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Die britische Regierung hat die Studiengebühren verdreifacht. Ab diesem Jahr müssen Studenten 9000 Pfund (10.600 Euro) pro Jahr bezahlen. Das bedeutet, dass für diejenigen, die sich das Studium nur über ein Darlehen leisten können, am Schluss mit hohen Schulden dastehen. Die Zahl der Bewerbungen ist daraufhin gesunken, allerdings nur leicht, vor allem sind die Bewerbungen von jungen Männern weiter zurückgegangen, was die Kluft zwischen Frauen und Männern weiter vergrößert.

Neue Statistiken lassen zweifeln, ob sich ein Studium in Großbritannien derzeit überhaupt noch lohnt. Nach dem Office for National Statistics (ONS) unterscheiden sich die Beschäftigungszahlen von Hochschulabgängern kaum von denjenigen jungen Menschen, die lediglich einen GCSE-Abschluss haben, was einem Realschulabschluss bei uns entspricht. So sind 25 Prozent aller 21-Jährigen mit einem Hochschulabschluss und 26 Prozent aller 16-Jährigen mit einem GCSE-Abschluss arbeitslos. Allerdings steigen mit den Jahren die Chancen der Hochschulabgänger. Mit 24 Jahren sind nur noch 4,9 Prozent arbeitslos, bei den GCSE-Abgängern sind es in diesem Alter hingegen 12,8 Prozent und bei denjenigen mit einem A-Level-Abschluss, die mit 18 Jahren die Schulausbildung beendet haben, 6,7 Prozent. Das heißt, mittelfristig lohnt sich eine bessere Ausbildung doch, um nicht in der Arbeitslosigkeit zu landen. Nach einer Statistik stellte sich allerdings letztes Jahr heraus, dass sich in Großbritannien ein Hochschulstudium nicht für alle verdienstmäßig auszahlt: So verdient fast ein Fünftel der Graduierten weniger als Menschen mit einem GCSE-Abschluss.

Die Jugendarbeitslosigkeit steigt in Großbritannien - wie etwa auch in Spanien, Portugal, Frankreich, Italien oder Griechenland - weiter an. Mit etwas mehr als einer Million junger Menschen im Alter zwischen 16 und 24 Jahren (21,8 Prozent) ist die Jugendarbeitslosigkeit wieder auf eine Rekordhöhe wie zu Beginn der 1990er Jahre gestiegen. Der liberale Vizepremier Nick Clegg sprach angesichts der neuen Zahlen von einer "tickenden Zeitbombe", die allerdings eben in vielen europäischen Ländern tickt. Die Regierung legte ein "radikal neues" Förderprogramm für die 150.000 16-17-jährigen NEETs (11,9%) auf. Organisationen, die Jugendliche in Arbeit und Ausbildung bringen, und Arbeitgeber, die Jugedlichen Jobs anbieten, erhalten Geld.

Höher fallen die Zahlen allerdings aus, wenn man die NEETs (Not in Employment, Education or Training) betrachtet. Auch die Zahl der jungen Menschen zwischen 16 und 24 Jahren, die keine Arbeit haben und sich nicht in Ausbildung oder Schulung befinden, ist nach Angaben des Bildungsministeriums im vierten Quartal 2011 mit mehr als 1,1 Millionen auf ein Rekordniveau geklettert - Tendenz weiter ansteigend, wobei allerdings die Zahl im vierten Quartal immer am höchsten liegt und dann mit Beginn des Studienjahrs wieder zurückgeht. 2007 waren noch 17,3 Prozent aller jungen Menschen NEETS, jetzt sind es 21,1 Prozent.

Das oberste britische Gericht hat vor ein paar Tagen eine Klage zweier Studenten gegen übermäßige Erhöhung der Studiengebühren zurückgewiesen. Diese hatten argumentiert, die Verdreifachung der Kosten würde die Menschenrechte und den Gleichheitsgrundsatz verletzen und die sowieso schon große Kluft zwischen den Armen und Reichen weiter vergrößern.

Die Richter urteilten, dass die Menschenrechte durch die Erhöhung nicht verletzt würden, weswegen sie legal sei. Es sei auch nicht angemessen, die Erhöhung jetzt als illegal zu erklären, weil dies zu einem Chaos in der Verwaltung führe, so einer der Richter ganz pragmatisch. Gleichwohl wird die Regierung gerügt, den Gleichheitsgrundsatz nicht ausreichend beachtet zu haben, beispielsweise was Angehörige ethnischer Minderheiten oder Behinderte betreffe.. So würden sich manche angesichts der hohen Kosten vor einem Studium zurückschrecken, aber man könne noch beurteilen, ob dies vor allem die Ärmsten betreffe - als ob dies eine andere Schicht betreffen könnte.

http://www.heise.de/tp/blogs/10/151481
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