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06.02.2013Science-News
Nachrichten aus der Wissenschaft

Merkel stellt sich (noch) hinter Schavan

Weil Schavan neben dem Doktortitel auch ihre Position als Honorarprofessorin der FU Berlin verlieren wird, ist sie als Wissenschaftsministerin wohl nicht mehr lange haltbar

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Persönlich äußerte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht zum Entzug des Doktorgrades ihrer Wissenschaftsmisterin Annette Schavan durch die Universität Düsseldorf. Ihren Regierungssprecher ließ sie aber verkünden, Sie habe weiterhin "volles Vertrauen" in die Ministerin und schätze ihre Arbeit als Ministerin. Man wird sich erinnern, dass sich Merkel zunächst ähnlich hinter Guttenberg gestellt hatte, indem sie versicherte, sie haben Guttenberg, dem sie "volles Vertrauen" entgegenbrachte, nicht wissenschaftlichen Mitarbeiter eingestellt, sondern als Minister. Und dessen Aufgaben erfülle er "hervorragend". Kurz danach trat – oder wurde getreten – Guttenberg zurück, nachdem Schavan erklärte, dass sie sich als Wissenschaftlerin nicht nur heimlich schäme.

In ihrem Fall schämt sich Schavan zumindest öffentlich noch nicht. Sie will, wie sie aus Südafrika verlauten ließ, gegen die Aberkennung des Doktorgrads klagen. Während Guttenberg auf sein Unbewusstes verwiesen hatte, waren es bei Schavan Flüchtigkeitsfehler. Dass die Wissenschaftsministerin auch jetzt noch nicht die damals auch gültigen Zitierregeln für wissenschaftliche Arbeiten kennen und anerkennen will, macht ihre Position als Wissenschaftsministerin noch unhaltbarer. Musste man Guttenberg unterstellen, dass er nicht weiß, was ermacht, so scheint Schavan nicht zu wissen, wie wissenschaftliche Arbeiten verfasst werden.

Während sich Politiker der Regierungskoalition erst einmal erwartungsgemäß weiter hinter Schavan stellen und ihr raten, nicht zurückzutreten und das juristische Verfahren abzuwarten, empfehlen Oppositionspolitiker der Ministerin, ihr Amt niederzulegen

Nach Meinung des Münchner Philosophie-Professors und ehemaligen Kulturstaatsministers Julian Nida-Rümelin ist Annette Schavan nicht länger als Bildungs- und Forschungsministerin tragbar. Eindeutig äußern sich auch Plagiatsexperten wie Stefan Weber, der der ARD sagte: " Der Entzug des Doktorgrades war wegen der Vielzahl an Plagiatsstellen zwingend - die Universität Düsseldorf hatte keine Wahl. Es gibt in den Promotionsordnungen keine Verjährungsfrist. Mit der Lehrbuchliteratur der 1970er-Jahre wurde belegt, dass damals auch an dem Institut der Uni Düsseldorf klar vorgeschrieben war, was zulässig und was nicht zulässig war. Die Gesamtdokumentation der Plagiatsstellen umfasst rund 100 Seiten, und das macht das Ausmaß ihres Vorgehens deutlich."

Nach Ansicht des Philosophen Julian Nida-Rümelin (SPD) müsse Schavan als Wissenschaftsministerin die Konsequenz ziehen: "Jemand, der in der Weise getäuscht hat, dass der Doktortitel aberkannt wird, kann nicht Wissenschaftsminister bleiben." Persönlich sei es zwar bitter, so Nida-Rümelin gegenüber dem Deutschlandradio, als Wissenschaftlerin den Doktortitel zu verlieren, aber es dürften weder das Amt noch der Wissenschafts-Ethos beschädigt werden. Er ist auch der Ansicht, dass die FU Berlin Schavan die Stelle als Honorarprofessorin kündigen müsse, da sie nun über keinen Abschluss mehr verfüge.

http://www.heise.de/tp/blogs/10/153687
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