Schneller Schmelzen am Südpol
Antarktis: Eisschwund größer und schneller als erwartet
Manche Meldungen lesen sich alt, auch wenn sie neu sind. Dazu gehören in jedem Fall Meldungen über steigende Ölpreise und dazu gehören solche, die vom Schmelzen des Polareises am Südpol berichten und damit die Science Fiction-Katastrophe von überfluteten Inseln, Städten und ganzen Küstenstrichen immer näher an unsere Wirklichkeit holen.
Die aktuellste wissenschaftliche Studie zur bedrohlichen Eisschmelze in der Antarktis, seit heute im Fachmagazin Nature Geoscience ( Zusammenfassung) räumt zwar wie alle anderen seriösen Studien zuvor "große Unsicherheiten, den Beitrag der Antarktis zum gegenwärtigen und künftigen Meerspiegel betreffend" ein; aber sie weiß mit Sicherheit, dass der Schwund an Masse in der antarktischen Eisdecke schneller vonstatten geht, als es frühere Untersuchungen (zuletzt 2006) ermittelten.
Was die Arbeit von Eric Rignot, Jonathan L. Bamber et al. Von vorhergehenden Untersuchungen unterscheidet, ist u.a. der Einsatz eines Satelliten-Radar-Fernbeobachtungssystems (InSAR), das präzisere Daten liefern soll. Das Ergebnis: Die Eisdecke der Antarktis (90 Prozent des Welteises) hat als Ganzes an Masse verloren; im Jahre 2006 200 Milliarden Tonnen Eis. Der Verlust durch die schmelzenden Gletscher werde durch Schneefall nicht kompensiert. Und vor allem: Dieser Schwund beschleunigt sich. Er hat sich in den letzten zehn Jahren um 75 Prozent vergrößert.
Dieser Trend ist nach Rignots Überzeugung beängstigend. Wenn die Gletscher einmal geschmiert – also am Schmelzen – seien, dann könne man den Prozess kaum mehr aufhalten, selbst wenn die globale Erwärmung gestoppt werden könnte. Nach seiner Schätzung würde das allerschlimmste Szenario den Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter vorsehen (plus einen Meter, wenn auch das Grönlandeis schmilzt, und noch einen halben dazu bei Schmelze der Gebirgsgletscher). Doch weiß auch Rignot, dass der entsprechende Trend mit einigen Fragezeichen versehen ist. Derartige Prozesse sind wissenschaftlich noch nicht so erfasst, dass sie völlig verstanden werden können. In einem gibt sich Rignot aber sicher. Der Bericht des Weltklimarates IPCC ist, was die Möglichkeiten der Eisschmelze anbelangt, zu zurückhaltend.
Darstellungsbreite ändern
Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.
