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Meer steigt schneller

Wissenschaftlerin warnt vor den Folgen schmelzender Gletscher

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Bis zum Ende des Jahrhunderts wird der Meeresspiegel um 0,8 bis 1,5 Meter steigen. Das ist das Ergebnis einer Forschungsarbeit, die am Dienstag auf der derzeit in Wien tagenden Generalversammlung der European Geosciences Union vorgestellt wurde. Die Gesellschaft ist die größte Organisation von Geowissenschaftlern in Europa, zu ihren Treffen kommen alle paar Jahre Tausende von Wissenschaftlern und Studenten verschiedener Disziplinen zusammen.

Die Arbeit wurde von Svetlana Jevrejeva vorgestellt, die seit Jahren am britischen Proudman Oceanographic Laboratory an der Erforschung historischer Meeresspiegelveränderungen arbeitet. Im 18. Jahrhundert sei der mittlere Meeresspiegel um zwei Zentimeter gestiegen, im 19. um sechs und im 20. um 19 Zentimeter. „Es sieht so aus, dass der schnelle Anstieg im letzten Jahrhundert eine Folge abschmelzender Gletscher an den Polen ist“, sagte sie der Nachrichtenagentur Reuters. „In den letzten 2.000 Jahren war der Meeresspiegel (hingegen) sehr stabil.“

Erst seit Mitte der 1990er Jahre lässt sich der Meeresspiegel durch Satelliten messen. Davor verlassen sich Wissenschaftler auf Wasserstandsmeldungen von Pegeln, die allerdings sehr ungleichmäßig über die Küsten der Kontinente verteilt sind, und auch meist nicht weiter als 100 Jahre zurück reichen. Alles was davor lag muss aus historischen Aufzeichnungen, Ablagerungen an den Küstenlinien, alten Hafenbauten und ähnlichem geschlossen werden. Jevrejeva hat sich in den letzten Jahren dieser Detektivarbeit und der statistischen Analyse dieser Zeitreihen gewidmet.

Ihre Ergebnisse stehen im Widerspruch zu den Prognosen, die vor einem Jahr im Bericht des UN-Klimarates IPCC veröffentlicht wurden. Demnach sei nur ein Anstieg von 18 bis 58 Zentimeter zu erwarten. Einige IPCC-Mitglieder hatten vergebens gegen diese Formulierung interveniert. Im Kleingedruckten des Berichts stand von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen eine wesentliche Einschränkung, die diese niedrigen Zahlen erst erklärt: Voraussetzung ist, dass sich das Abschmelzen an Nord- und Südpol nicht beschleunigt.

Doch danach sieht es derzeit aus. Steve Nerem, der an der Universität des US-Bundesstaates Colorado an der Erforschung des Meeresspiegels arbeitet, wird vom Onlineservice des britischen Senders BBC zitiert, wonach es „viele Hinweise darauf gibt, dass der Meeresspiegel bis 2100 um mindestens einen Meter ansteigen wird.

Für Menschen, die fernab der Küsten wohnen hört sich das vermutlich zunächst nicht nach viel an, doch für viele flache Küstenländer wie Südvietnam, das Nildelta oder Bangladesh werden die Folgen dramatisch sein. „Wenn (der Meeresspiegel) um einen Meter steigt, werden 72 Millionen Chinesen und zehn Prozent der vietnamesischen Bevölkerung umgesiedelt werden müsse“, meinte Jevrejeva in Wien .Sofern keine Deiche gebaut werden, wird viel Land – oft wertvoller Ackerboden – verloren gehen, Sturmfluten werden zerstörerischer, Süßwasser-Reservoirs versalzen, Straßen, Eisenbahnlinien, Hafen- und Industrieanlagen sowie andere teure Infrastruktur gefährdet.

http://www.heise.de/tp/blogs/2/106545
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