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Dramatische Nahrungsmittelkrise

UN-Organisation spricht von der größten Herausforderung in 45 Jahren.

Das Weltnahrungsmittelprogramm der Vereinten Nationen (WFP) hat eindringlich vor den Ausmaßen der jüngsten Nahrungsmittelkrise gewarnt, und spricht von einem "stillen Tsunami". Über 100 Millionen Menschen zusätzlich seien akut von Hunger bedroht. Das Programm stehe vor der größten Herausforderung seiner 45jährigen Geschichte.

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Die Weltbank hatte letzte Woche in einem Bericht vorgerechnet, dass der gegenwärtige Anstieg der Nahrungsmittelpreise vor allem auf den Boom der Agrokraftstoffe zurückzuführen ist. Weil immer mehr Zuckerrohr, Mais, Weizen, Soja, Reis, Kartoffeln und andere Grundnahrungsmittel in Ethanol und Diesel verwandelt werden, bleiben die Teller der Armen leer. ( Siehe auch "Nicht nur Biosprit macht Hunger".)

Das WFP fordert die Staaten und internationalen Organisationen zu einer konzertierten Aktion auf, um das Schlimmste abzuwenden. Millionen Kindern seien bedroht, durch den Hunger in den kommenden Monaten und vielleicht sogar Jahren für ihr Leben gezeichnet zu werden. Unterernährung im Kleinkindalter führt nämlich zu Entwicklungsstörungen, die später nie mehr aufgeholt werden können.

Die deutsche Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung fordert unterdessen Maßnahmen zur Beruhigung der Märkte, Investitionen ind die Landwirtschaft und ein Moratorium für Agrartreibstoffe. Auf der Internetseite des Ministeriums wird als eine von Maßnahmen vorgeschlagen:

"3. Agrartreibstoffe auf den Prüfstand stellen Einsatz von Getreide und Ölfrüchten für die Agrartreibstoff-Produktion vorübergehend aussetzen, bis sich die Märkte wieder beruhigt haben und Moratorium für weitere Erhöhung von Beimischungszielen, bis praxistaugliche Technologien der so genannten zweiten Generation und energetische Optionen der Biomassenutzung breitenwirksam zur Verfügung stehen, die im Hinblick auf Treibhausgas-Reduktion und Energieausbeute effizienter sind als Agrartreibstoffe (z. B. Biogas). Für die Agrartreibstoffe benötigen wir dringend geeignete Zertifizierungssysteme. Das Recht auf Nahrung wiegt schwerer als das Recht auf Mobilität."

Umweltorganisationen wie Friends of the Earth lehnen allerdings Zertifizierungssysteme als Augenwischerei ab. In einem Bericht fassen sie die Ergebnisse bisheriger Zertifizierungssysteme zusammen und kommen zu dem Schluss, dass sie lediglich der Irreführung der Verbraucher dienen. Kontrolle sei kaum möglich und eine Ausbreitung der Monokulturen werde nicht verhindert. Der Bericht wurde anlässlich einer Konferenz über die Zertifizierung von Soja erstellt, die am Mittwoch und Donnerstag in Buenos Aires tagen wird.

Friends of the Earth ist ein internationaler Dachverband von Umweltorganisationen. In Deutschland ist der BUND Mitglied. Die Aktivisten schreiben über ihren Bericht unter anderem:

"The expansion of massive monocultures leads to the destruction of our forests, savannahs and wildlife, raises land and food prices and directly impacts on rural communities who are forced off their land to make way for the plantations. Unfortunately certifying large monocultures as sustainable would mislead international consumers and not improve production methods. Increasing production for export, and increasing consumption in the North, are destructive trends that must be reversed," said Lucia Ortiz of Friends of the Earth Brazil.

Zuckerrohr
Zuckerrohrfelder werden vor der Ernte meist angezündet. Ein Verfahren, das die Ernte erleichtert, aber weder fürs Klima noch für die Menschen in der Nachbarschaft der Felder sehr förderlich ist. Quelle FoE

Wolfgang Pomrehn22.04.2008
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Kommentare lesen (34 Beiträge)
Geburtenrate
Seit wann wollen Männer mehr Kinder als Frauen??
bla

 
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