Biomasseanbau mal nicht als Hungerauslöser
Der gleichzeitige Anbau von Nahrungs- und Ölpflanzen funktioniert auch ohne Ernteeinbußen und Spritzmittel.
Der gleichzeitige Anbau von Nahrungs- und Ölpflanzen funktioniert auch ohne Ernteeinbußen und ohne Spritzmittel. Auf den aktuellen Versuchsfeldern des Instituts für ökologischen Landbau wird der Treibstoff für die Landmaschinen selbst, plus ein Überschuss erzeugt.
Die Biosprit Produktion auf dem Acker ist in die Kritik geraten, weil sie für den Anstieg der Lebensmittelpreise weltweit mit verantwortlich gemacht wird. Aber die Biosprit- und die Nahrungsmittelproduktion müssen sich nicht ausschließen. Gerold Rahmann, Leiter des Instituts für Ökologischen Landbau: "Wir haben eine Anbaukonzeption entwickelt, bei der auf dem Feld neben der Hauptkultur ‚für den Teller’ eine zusätzliche Kultur eingesät wird, die Treibstoff ‚für den Tank’ produziert."
Die Versuche wurden mit dem Mischfruchtanbau von Weizen und Leindotter auf einem Feld gemacht. Pestizideinsatz war nicht notwendig, weil die Begleitflora also "Unkraut" verdrängt wird. Stehen verschiedene Pflanzen gemeinsam auf einem Feld, können sie sich ergänzen. Ist die eine Pflanze schwach, ist die Ernte der anderen Pflanze noch gesichert auch stabilieren sich die Pflanzen gegenseitig mechanisch, etwa bei Hagel. Der Anbau von Hülsenfrüchten reichert im Boden außerdem Stickstoff als natürlichen Dünger ein. Das Konzept bietet Höfen die Möglichkeit Pflanzenöl als eigenen, klimaneutralen Treibstoff für die Landmaschinen zu nutzen, ohne dass zusätzlicher Flächenbedarf entsteht.
Geprüft wurden Mischungen aus Raps mit Getreide, Senf mit Erbsen, Färberdistel mit Lupine oder Lein mit Weizen. Leindotter erwies sich als guter Mischungspartner für Erbsen, Lupinen und Weizen. Es war im "Teller und Tank" Anbau möglich einen normalhohen Erbsenertrag von 3 Tonnen pro Hektar zu erzielen und außerdem 250 Liter Leindotteröl zu erzeugen. Weniger lohnend war in den Versuchen der Leindotter im Sommerweizen mit nur 150 Liter Leindotteröl pro Hektar zusätzlich zur Sommerweizenernte gewonnen werden. Um einen Hektar zu bearbeiten benötigt man pro Jahr 80-150 Liter Pflanzenöl als Treibstoff für die Landmaschinen. Dieser Betrag wird durch die Zusatz-Ernte übertroffen.
Außerdem: Das Pflanzenöl hat als Co-Produkt der Nahrungsmittelproduktion eine sehr gute Ökobilanz. Ab Herbst 2008 wird ein Teilbetrieb des in Schleswig-Holstein liegenden Instituts auf eigenerzeugten Pflanzen-Treibstoff umgestellt. Institutsleiter Rahmann: "Wir wollen genauso viel Lebensmittel wie vorher produzieren und zusätzlich den benötigten Treibstoff auf der gleichen Ackerfläche gewinnen."
Mischfruchtanbau von Weizen und Leindotter
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