Ein Kombination aus empirischer Forschung über das Abtauen des Laurentide-Eisschilds und Computersimulationen kommen US-Wissenschaftler zu einem höheren Anstieg des Meeresspiegels, als bislang angenommen wurde.
Der IPCC ging in seinem letzten Bericht davon aus, dass der Meeresspiegel bis 2100 nur um 10 Zentimeter steigen werde. Nach neuen Erkenntnissen von Wissenschaftler der University of Wisconsin-Madison über das Abtauen des grönländischen Eisschilds, das 1,7 Millionen Quadratkilometer Land bedeckt, geschieh das Abtauen jedoch aufgrund steigender Temperaturen wesentlich schneller, wodurch der Meeresspiegel in einem Jahrhundert um bis zu einem Meter ansteigen könnte. Der Grund für das schnelle Abtauen ist, dass das Wasser von der Oberfkäche des Eises durch Risse auf das darunterliegende Gestein rinnt und die Eisplatten instabiler macht und zu deren Abgleiten führt.
Die US-Wissenschaftler untersuchten für ihre Studie, die in Nature Geoscience erschienen ist (doi:10.1038/ngeo286], das Verhalten von Eisplatten während der letzten Eiszeit, um Hinweise darüber zu erhalten, wie diese auf eine Klimaerwärmung reagieren. Vor 20.000 Jahren bedeckte die Laurentide-Eisschild einen Großteil Nordamerikas. Als sich das Klima der Welt vor 10.000 Jahren erwärmte und vor 6.500 Jahren etwa die Temperaturen erreicht wurde, die man 2100 erwartet, war die kilometerdicke Eisschicht fast völlig abgetaut. Aufgrund der Untersuchung von Fossilien und der Aussetzung von Gestein an kosmischer Strahlung zeigte sich, dass sich zwei Phasen der schnellen Schmelze ereignet haben müssen. Nach Computersimulationen begann der Meeresspiegel vor 9000 Jahren durch das Abtauen auf 7 Meter oder jährlich um 1,3 cm zu steigen. Eine zweite Tauperiode begann dann vor 7.500 Jahren, als der Meeresspiegel noch einmal um 5 Meter anstieg (jährlich um 0,7cm).
Ähnlich könnte dies beim Grönlandeis geschehen, vermuten die Wissenschaftler. Allerdings schmilzt das Grönlandeis vermutlich durch die Klimaerwärmung nicht so schnell ab wie der Laurentide-Schild. Dennoch müsse man von einem höheren Anstieg des Meeresspiegels als bislang angenommen ausgehen. Nach einem begleitenden Artikel in Nature Geoscience würden durch einen Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter 2,2 Milklionen Quadratkilometer Land, vor allem in Asien, überschwemmt werden. 145 Millionen Menschen müssten umgesiedelt werden, was fast eine Billion Dollar an Kosten verursachen würde.
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