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Zeitbombe in der Arktis

Meldungen über den Anstieg der Methan-Konzentration in der Atmosphäre werfen Fragen nach den Quellen der zusätzlichen Emissionen auf.

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Eine Gruppe von US-amerikanischen, australischen und britischen Luftchemikern hat festgestellt, dass die Methan-Konzentration in der Atmosphäre wieder steigt. Rund zehn Jahre hatte sie auf nahezu konstantem Niveau verharrt, doch seit Anfang 2007 nimmt sie nun weiter zu, berichtet das Massuchusetts Institut of Technology. Ein wissenschaftlicher Beitrag über die Messergebnisse, soll demnächst in den Geophysical Review Letters veröffentlicht werden und liegt Telepolis vor.

Das Spurengas ist für einen Teil des menschgemachten, zusätzlichen Treibhauseffektes verantwortlich. Etwa 16 Prozent geht auf sein Konto. Aus kleinen Bläschen im Eis auf Grönland und in der Antarktis ist bekannt, dass in den letzten 650.000 Jahren nie mehr als maximal 790 Milliardstel Volumenanteile (ppb) Methan in der Luft gewesen ist. Seit Beginn der Industrialisierung ist er jedoch bis auf 1770 ppb im Jahre 2005 gestiegen und nimmt derzeit mit bis zu zehn ppb pro Jahr zu.

Im Vergleich zu den Konzentrationen des wichtigsten Treibhausgases, des Kohlendioxids (CO2), ist das immer noch sehr wenig. Allerdings ist ein Methan Molekül (CH4) als 25mal so effektiv wie ein CO2-Molekül, wenn es darum geht, die Wärmeabstrahlung der Erdoberfläche zu absorbieren.

Methan hat eine Vielzahl von Quellen, meistens entsteht es, wenn feuchtes Holz oder andere Biomasse verbrannt wird, oder wenn Bakterien organisches Material zersetzen, aber nicht genügend Sauerstoff zur Verfügung haben. Quellen sind unter anderem: Rindermägen, Mülldeponien, Reisfelder, Brandrodung im großen Stil, Kohleminen, Leckagen von Erdgasleitungen, Austritt von Gas bei der Förderung von Erdöl und manches mehr.

Doch all diese Quellen haben sich in den letzten Jahren nicht so sehr verändert, dass damit der plötzliche Anstieg der Konzentration erklärt werden könnte. Die Autoren des Beitrags, der bereits zur Veröffentlichung angenommen wurde, sehen deutliche Hinweise darauf, dass ein Teil des Anstiegs durch eine leicht Abnahme von OH-Radikalen verursacht wurde.

Dabei handelt es sich um eine aggressive chemische Verbindung, die Methan-Moleküle in Kohlendioxid und Wasser zerlegt. Weniger OH bedeutet – sofern die Methan-Emissionen konstant bleiben – mehr Methan in der Luft. Allerdings ist OH nur indirekt und kompliziert zu messen und die Veränderungen sind im Bereich der Messungenauigkeit.

Aber selbst wenn die OH-Hypothese zutreffen sollte, muss noch eine größere zusätzliche Methan-Quelle auf der Nordhalbkugel hinzugekommen sein. Die Autoren haben Sibirien in Verdacht, wo es 2007 besonders warm gewesen ist. Das erinnert an Befürchtungen, wonach durch die globale Erwärmung, die in der Arktis schon jetzt überdurchschnittlich ausfällt, dort ein Rückkoppelungsmechanismus in Gang gesetzt werden könnte. Im gefrorene Boden des hohen Nordens liegen große Mengen organischen Materials. Tauen diese auf, so wird die Verwesung in den Sümpfen, die sich dann dort bilden werden, große Mengen Methan freisetzen, dass wiederum den Treibhauseffekt verstärken wird.

Eine andere mögliche Quelle könnte womöglich in den Gashydraten vor Sibiriens Küste zu finden sein. Schwedische Forscher berichten von einem erheblichen Anstieg des Methangehalts über dem Nordmeer, den sie auf einer jüngsten Messtour auf einem russischen Schiff beobachtet haben. Allerdings handelt es sich nur um Punktmessungen. Für belastbare Aussagen müsste an einem hinreichend engen Netz von Messpunkten über einen längeren Zeitraum Daten gesammelt werden.

http://www.heise.de/tp/blogs/2/118339
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