Worst Lobbying Award 2008
Negativpreis geht an die Agrarsprit-Industrie
Brüssel ist ein Biotop für tausende Lobbyisten, die Politiker im Sinne ihrer Auftraggeber zu beeinflussen versuchen. Es ist viel Geld im Spiel und die Beeinflussungsarbeit reicht bis hin zu vorgefertigten Gesetzesentwürfen. Bei der diesjährigen Preisvergabe siegten mit mehr als 50 Prozent der Stimmen die gemeinsam nominierten Agrosprit-Lobbyisten: Malaysian Palm Oil Council MPOC, UNICA (brasilianische Zuckerindustrie) und der Energiekonzern Abengoa Bioenergy. Sie hätten bei den Debatten im Europäischen Parlament und Europäischen Rat versucht, durch irreführende Informationen und "Greenwashing"-Strategien Agrartreibstoffe als nachhaltige Alternative darzustellen.
Dabei, so die Jury steige die Anzahl der Belege, dass Agrartreibstoffe nicht nachhaltig seien, die Entwaldung förderten und die Lebensmittelpreise beeinflussten. Die Lobbyisten behaupteten, die Produktion von Agrartreibstoffen aus Palmöl und Zuckerrohr habe keinen Einfluss auf die Ernährungssicherheit und die Umwelt und führe nicht zu Waldrodungen. Sie schalteten dazu Werbung in den "EU-Leitmedien" und produduzierten enstprechende Werbespots. Einer der Werbefilme, produziert von MPOC und auf BBC ausgestrahlt, wurde von der British Advertising Standards Authority als "irreführend" gerügt, weil er den Eindruck vermittle, Ölpalmenplantagen seien gut für die Umwelt schafften naturnahe Biotope.
Der "Worst EU Lobbying Award" wird jährlich vergeben. Die Organisatoren sind Corporate Europe Observatory, Friends of the Earth Europe, LobbyControl und Spinwatch. Der Preis soll auf den großen Einfluß der Lobbys und den Bedarf für striktere Transparenz- und Ethikregeln in der EU aufmerksam machen, um manipulative, irreführende oder anders "anstößige" Lobbytaktiken bekannt zu machen. Im letzten Jahr haben die Autohersteller BMW, Daimler und Porsche den Preis für ihre "Angst-Kampagne" gegen die geplante Einführung von CO2-Grenzwerten bekommen.
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