E.on Ruhrgas warnt vor Problemen aufgrund des Streits zwischen der Ukraine und Russland, allerdings mit dürftiger Substanz
„Trotz der deutlichen Liefereinschränkungen kann E.ON Ruhrgas aufgrund vorsorglich getroffener Maßnahmen, eines breiten Bezugsportfolios und der einsatzbereiten Erdgasspeicher derzeit die Versorgung ihrer Kunden sicherstellen. Aber auch unsere Möglichkeiten stoßen an ihre Grenzen, wenn diese drastischen Lieferkürzungen anhalten und die Temperaturen weiterhin auf sehr niedrigem Niveau bleiben“, erklärte der Vorstandsvorsitzende von E.on Ruhrgas, Bernhard Reutersberg, am Dienstagvormittag.
Verschiedene Agenturen ließen bei der Wiedergabe dieser Pressemitteilung den ersten Teil des Zitats sowie das "auch" im zweiten Satz weg. Ergebnis: Das Ganze liest sich nach einer dramatischen Warnung. Die Fakten sehen allerdings ein bisschen anders aus, wie unter anderem der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft klarstellte:
Deutschland bezieht nur 37 Prozent seines Erdgasbedarfs aus Russland und nur einen Teil davon über die Ukraine. Eine weitere Pipeline versorgt Deutschland über Weißrussland und Polen. Gazprom hat angekündigt, die nicht über die Ukriane führenden Leitungen stärker nutzen zu wollen. Auf Nachfrage bestätigte ein E.on-Sprecher gegenüber Telepolis, dass das in vergleichbaren Situationen in der Vergangenheit auch tatsächlich geschehen sei.
Weitere Gaslieferanten Deutschlands sind Norwegen (26 Prozent), die Niederlande (18 Prozent) und Dänemark (vier Prozent). 15 Prozent des Verbrauchs wird aus heimischen Quellen gedeckt. Darüber hinaus hat Deutschland umfangreiche Lagerbestände, die etwa ein Viertel des Jahresverbrauchs 2007 abdecken.
Bleibt also eigentlich nur noch die Frage, ob da Unfähigkeit bei den Agenturen am Werke war, ob E.ons Presseprecher die Fähigkeit der Agenturjournalisten, Texte zu erfassen, überschätzt haben, oder ob es dem Konzern vielleicht auch ganz recht ist, mit ein bisschen Panik die Verbraucher auf höhere Preise einzustimmen.
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