Anlass ist die Grafik "Der hohe Preis bleibt", in der eine Werbekampagne persifliert wird
Werbespots eignen sich potentiell gut für Parodien. Das liegt zu einem Teil daran, dass sich die in ihnen getroffenen Behauptungen mit Gegebenheiten in der Realität konfrontieren lassen. Einen solchen Aufhänger nutzten auch zwei atomstromkritische Gruppen.
In der RWE-Kampagne "Der Preis bleibt" werben drei ausgemottete Deutschrockstars mit einem Song und T-Shirts für das Angebot "ProKlima", mit dem der Konzern nach Ansicht von Kritikern Atomstrom überteuert als Ökostrom verkauft.
Anzeige
 |
Die Vereine urgewald und
.ausgestrahlt parodierten diese Kampagne auf eine denkbar einfache und doch extrem effektive Weise: Sie machten aus "Der Preis bleibt" den neuen Slogan "Der hohe Preis bleibt". Verbreitet wurde er mittels einer Grafik, auf der auch Karrikaturen der Musiker zu sehen sind, die statt dreier Jahreszahlen die Wörter "teuer", "gefährlich" und "dreckig" auf ihren Hemden stehen haben.
Daraufhin erhielten die Schöpfer des neuen Slogans ein Schreiben der "Kreativagentur" Jung von Matt, die sich die RWE-Kampagne ausdachte. In den 1980er Jahren hätte solche ein Schreiben wahrscheinlich ein hochdotiertes Stellenangebot für die frischen Talente enthalten, die mit so wenig Aufwand einen so wirksamen Effekt erzielten. Doch seither hat sich offenbar auch in der Werbebranche viel geändert - und so enthielt der Brief lediglich die Aufforderung zur Abgabe einer Unterlassungserklärung, weil die Agentur ihre "geistigen Eigentumsrechte" verletzt sieht.
Würde die Unterlassungserklärung nicht fristgerecht abgegeben, dann, so die RWE-Werber, wolle man die Atomkraftgegner nicht nur zivilrechtlich verklagen, sondern sogar Strafanzeige erstatten. Die so bedrohten vermuten hinter den Aktivitäten der Agentur jedoch weniger verletzte Künstlerseelen, als ein Anliegen des Auftraggebers: "Es ist offensichtlich", so Heffa Schücking, die Geschäftsführerin von urgewald, in einer Pressemitteilung, "dass hier die Meinungsfreiheit eingeschränkt und wichtige Kritiker des Konzerns eingeschüchtert werden sollen." Der Aufforderung der "Kreativagentur" werde man deshalb nicht nachkommen.
|