Auch die Bundeswehr versenkte Atommüll im "Versuchsendlager" Asse
Die Mengen der eingelagerten radioaktiven Abfälle sind noch nicht bekannt
Es war nicht schwer vorauszusagen, dass nach dem Auftauchen von Giftmüll weitere Überraschungen in den Tiefen des "Versuchsendlagers" lauern. Nun hat die Bundeswehr eingeräumt, dass auch sie radioaktiven Müll in dem absaufenden und einstürzenden Salzstock Asse II versenkt hat. Gegenüber dem Deutschen Depeschendienst hat das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) bestätigt, dass die Bundeswehr zum Beispiel Leuchtfarben, Armaturen und Kompasse mit radiumhaltigen Leuchtziffern eingelagert habe. Der BfS-Sprecher Florian Emrich wollte gegenüber ddp aber zu der Menge des radioaktiven Mülls keine Angaben machen.
Immer mehr schält sich heraus, dass Asse nicht nur zur Erforschung der Endlagerfrage, sondern auch als günstige Kippe für vielerlei giftigen Müll genutzt wurde. So darf bei der derzeitigen Prüfung der Inventarlisten schon jetzt auf die nächste Meldung gewartet werden, was neben hochtoxischem Arsen, Blei, Quecksilber… noch so alles in den Laugentümpeln des Versuchlagers für schwach- und mittelaktiven Atommüll schwimmt, die sich in dem Salzstock wegen Wassereinbruch gebildet haben. Als das BfS zum Jahresbeginn das Lager übernommen hatte, weil der frühere Betreiber, das Helmholtz Zentrum in München, für seinen verantwortungslosen Umgang aufgefallen war, wurde vor "Überraschungen" gewarnt.
Die kommerziellen AKW-Betreiber, die für den Großteil der eingelagerten Radioaktivität in dem Lager verantwortlich sind, wird die immer breitere Benutzerstreuung freuen. So erhalten sie Argumente, um sich weiter an einer Kostenbeteiligung an der Sanierung zu verweigern, die Milliarden Euro kosten wird. Die große Koalition aus CDU und SPD hat ohnehin schon vorsorglich mit einer am 13. Februar im Bundesrat verabschiedeten Reform des Atomgesetzes die Kosten komplett beim Steuerzahler abgelagert, obwohl der überwiegende Teil der eingelagerten Radioaktivität bislang aus kommerziellen Atomreaktoren stammt. Dass Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) vor den Wahlen im Herbst nun plötzlich doch eine Steuer fordert, um die AKW-Betreiber an den Kosten zu beteiligen, darf als Wahlkampfgetöse mit einer deutlich geringeren Halbwertszeit aufgefasst werden, wie sie der radioaktive Müll in der Asse hat.
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