Die Bundeskanzlerin feiert mit, ansonsten hagelt es Kritik
Das deutsche Atomforum feiert heute sein 50jähriges bestehen. Diverse Umweltinitiativen und auch das Bundesumweltministerium nahmen das zum Anlass für scharfe Angriffe. Greenpeace rechnet vor, dass es in den vergangene 50 Jahren 5700 meldepflichtige Ereignissen in deutschen AKWs gegeben habe. „Auslöser der Störungen im AKW-Betrieb waren unter anderem Kühlwasserleckagen und Löcher im Druckwasserbehälter, beschädigte Rohrleitungen und Ventile, totaler Stromausfall und Feuer sowie eine Wasserstoffexplosion nahe des Reaktordruckbehälters.“ Letztere ereignete sich im Dezember 2001 im AKW-Brunsbüttel und zerstörte eine Kühlwasserzuführung. Der Betreiber, die später von Vattenfall geschluckte HEW, meldete den Vorfall erst verspätet an die Behörden und ließ den Reaktor weiterlaufen, bis er schließlich vom zuständigen Landesministerium zum Abschalten gezwungen wurde.
Auch das alte Arbeitsplätzeargument der Atomfreunde zieht schon lange nicht mehr. Rainer Baake von der Deutschen Umwelthilfe verwies auf die schrumpfenden Beschäftigungszahlen der traditionellen Energieunternehmen. Bei E.on stünden zum Beispiel größere Entlassungen an. In der grünen Branche, bei den erneuerbaren Energieträgern gebe es hingegen erhebliches Beschäftigungswachstum. „Die Zukunft ist erneuerbar“, so Baake. „Wer heute, wie Angela Merkel glaubt, durch Höflichkeitsbesuche bei Jubelfeiern der Atomlobby punkten zu können, verspielt mutwillig die Zukunft.“
Unfreundliche Worte gab es auch von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, der in der Geschichte des Forums vor allem „ein halbes Jahrhundert Lug und Trug“ sieht:
„Die Propagandazentrale der Atomkonzerne steht wie kaum eine andere Institution für das bewusste Verschweigen, Verdrängen und Verharmlosen der Gefahren, die mit der kommerziellen Nutzung der Atomenergie verbunden sind. Der vor mehr als 10 Jahren eingeleitete Paradigmenwechsel in der Energiepolitik, der Ausstieg aus der risikoreichen Atomenergienutzung, der Aufbruch in eine zukunftsfähige Energieversorgung ohne Öl und Atom - all das ist an den Propagandisten des Atomforums nahezu spurlos vorbeigegangen.“
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