DDT aus dem Kühllager
Gletscherschmelze setzt Gifte frei
Mit dem zunehmenden Abschmelzen der Alpengletscher werden schwer abbaubare organische Umweltgifte, wie das Insektizid DDT und Dioxine, teils Jahrzehnte nach ihrer Produktion wieder freigesetzt. Forscher der ETH Zürich untersuchten die Sedimentschichten des Gletscher gespeisten Oberaarsees, eines 2300 Meter hoch gelegenen Stausees in den Alpen.
In den Bohrkernen lässt sich der zeitliche Verlauf der Einlagerung von Umweltgiften ablesen, da die Schichten, ähnlich wie die Jahresringe von Bäumen, aufeinander abfolgen. So konnten jahresbezogen die Schadstoffmengen festgestellt werden. Messbar war, dass im Untersuchungszeitraum 1953-2008 die eingelagerte Schadstoffmenge zurückging, seit Anfang der 70er Jahre immer mehr Umweltgifte verboten wurden.
Seit Ende der 90er Jahre steigt ihr Anteil aber wieder an. Chlor-Chemikalien sind seitdem teilweise noch höher als in den Jahren vor ihrem Produktionsstop feststellbar. Die Forscher führen den Eintrag der Schadstoffe auf das zunehmende Abschmelzen der Gletscher und die damit vermehrte Freigabe der im Eis gespeicherten toxischen Substanzen zurück.
Der untersuchte See etwa wird vom Oberaargletscher gespeist, dessen Gletscherzunge in den vergangenen zehn Jahren um 120 Meter abgeschmolzen ist. Schmelzen die Gletscher aufgrund des Klimawandels weiter ab, werden alle darin enthaltenen Substanzen wieder freigesetzt. Vor allem sogenannte POPs (persistent organic pollutants), über lange Zeit stabile Verbindungen, die unter anderem wie Hormone wirken, krebserregend sind und die körperliche Entwicklung beeinträchtigen.
Bild: Sedimentkern Oberaarsee, Empa, ETH-Zürich
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