Das verteidigen, was zu wertvoll für den Markt ist
Klimaprotest kommt langsam in die Gänge.
Gut zehn Metrostationen vom offiziellen Gipfel im Bella-Center entfernt, tagt seit Montag die Klimabewegung. Während man bei der offiziellen Konferenz lange für eine Akkreditierung anstehen muss, ist das Klimaforum offen für Jedermann. "Wir machen einen Gipfel für alle Menschen und über die wirklichen Probleme", erklärt Nnimmo Bassey, Umweltschützer von Friends of the Earth aus Nigeria auf der Eröffnungszeremonie am Montagabend. Und er gibt das Motto des Klimaprotests an: Widerstand, Mobilisierung und Transformation.
Doch die Protestszene kommt nur langsam in die Spur. Außer einzelnen kleinen Aktionen vor dem Eingang des Bella-Centers herrscht noch die Ruhe vor dem angekündigten Gipfelsturm. Die meisten Aktivisten werden erst am Samstag zur Großdemo erwartet.
Bei der Eröffnung des alternativen Klimaforums am Montagabend ist der große Saal des Kongresszentrums DGI Byte nahe des Kopenhagener Hauptbahnhofes nicht übermäßig voll. Gut 400 Aktivisten sind gekommen und warten gespannt auf erste Diskussionen und Aktionen. Noch ist die Protestszene etwas orientierungslos, auch wenn im Bella Center selbst schon der Verhandlungsalltag brummt.
Klein: Absurd, die Klimakrise mit kapitalistischen Instrumenten aufhalten zu wollen.
Naomi Klein, Ikone der globalisierungskritischen Bewegung, wurde am Montagabend eingeladen, um die Klimabewegung auf die heiße Protestphase einzustimmen. Sie macht aber gleich von vornherein klar: Sie habe nicht viel Ahnung vom Klima, aber was sie interessiere, sei die Klimagerechtigkeit. Für sie sind Klimabewegung und Kritik am Kapital ein und dieselbe Sache.
"Es geht darum, das zu verteidigen, was zu wertvoll für den Markt ist - das haben wir vor zehn Jahren in Seattle getan und das tun wir heute genauso."
Es sei absurd, so Klein, die Klimakrise mit denselben Mitteln, eben mit kapitalistischen Instrumenten, aufhalten zu wollen. Der Kapitalismus sei in der Krise und deshalb seien auch die vermeintlichen Lösungen des "Bella Centers" - die Professorin weist in die imaginäre Richtung des offiziellen UN-Gipfeltreffens - in Frage zu stellen. Die versammelten Aktivisten zollen Beifall, pfeifen, trampeln, nun scheint doch etwas Kampfesgeist aufzukommen. Das brauchen sie auch bei dem ambitionierten Programm, das sich die Bewegung in den nächsten zwei Wochen vorgenommen hat. Immerhin will man in der zweiten Woche ja sogar das verhasste Bella Center stürmen und die Türen der "Klimaelite" aufstoßen.
Naomi Klein wirkt dagegen ruhig, aber bestimmt. Sie redet davon, die unterschiedlichen Bewegungen zusammenzubringen und Diskussionen, Bewusstsein und Deutungshoheit zu ändern. Sie will dem "Hoffnungsmarketing" à la Obama etwas entgegensetzen und Verantwortung einfordern: Dafür, dass die Industrieländer ihre historische Klimaschuld bezahlen, und dafür, dass es harte Strafen für Klimasünder geben muss, die ihr Wort nicht halten. Und sie spricht aus, was viele hier denken:
"Im Bella Center findet eine Konferenz statt, die die Welt retten soll und schon von vornherein zum Scheitern verurteilt wurde."
Was auf den Tischen der Delegierten liege, sei nicht einmal annähernd ausreichend, um den Klimawandel aufzuhalten. Das denken allerdings nicht nur die Teilnehmer des Klimaforums. Dass sich noch einiges bewegen muss, wenn größere Katastrophen verhindert werden sollen, ist allerdings auch common sense bei den meisten Beobachtern und auch Delegierten im Bella Center.
Nur dass die Aktivisten des Gegengipfels ganz andere Konzepte zur "Weltrettung" einfordern. Doch ob sie sich wirklich über ein Scheitern des Gipfels freuen sollen, wissen viele von ihnen auch selbst nicht so genau. In einer Sache sind sie sich aber einig - und der nigerianische Umweltschützer Bassey bringt es auf den Punkt:
"Politik muss aufhören, auf die Industrie zu hören, sie muss auf die Menschen hören!"
Diese Botschaft wollen sie auch auf dem ersten gemeinsamen Aktionstag am Freitag unter dem Motto "Business Action Day" auf die Strasse bringen.
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