Venezuela muss den Strom rationieren
Aufgrund einer extremen Trockenheit und einer ebenso extremen Abhängigkeit von Wasserkraftwerken, wird die Stromversorgung vier Stunden täglich abgeschaltet.
In Caracas, der Hauptstadt Venezuelas mit 7 Millionen Einwohnern, wurde, nachdem sich aufgrund der seit November herrschenden Trockenheit immer wieder Stromausfälle ereignet hatten, am Mittwoch mit einer täglichen Stromrationierung begonnen. Bis Mai soll an jedem zweiten Tag bis zu vier Stunden lang der Strom abgeschaltet werden, so der Energiekonzern EDC, um im Monat den Stromverbrauch im 4,8 MW zu reduzieren. Die Stadt wurde in 6 Viertel eingeteilt, in denen nacheinander bis zu vier Stunden die Stromversorgung ausgeschaltet wird. Ausgenommen von der Rationierung sind wichtige Einrichtungen wie Krankenhäuser, Flugplätze oder Polizeistationen. Möglicherweise wird die Stromrationierung das ganze Land betreffen, auch einige der Provinzen wie in Zulio oder Tachira haben bereits Pläne bekannt gegeben. Anderswo wurden wie in Barinas Millionen von Glühbirnen gegen Stromsparlampen ausgetauscht, wodurch man 11 MW monatlich einspart.
Das Problem wird durch die anhaltende Trockenheit verursacht, die mit El Nino zusammenhängt. Der Großteil des Stroms, um die 70 Prozent, wird mit Wasserkraftwerken erzeugt. Durch diese "exzessive Abhängigkeit", so der Energieminister, fehlen derzeit 12 Prozent der Stromkapazität oder 1.700 MW. Der Großteil des Stroms wird durch das gigantische Wasserkraftwerk am Guri-Stausee erzeugt, dessen Wasserspiegel derzeit 10 m unter dem normalen Niveau liegt. Mit den Maßnahmen soll verhindert werden, dass der Wasserstand zu tief abfällt und ein Notstand eintritt. Ab Mai rechnet man wieder mit Niederschlägen und hofft, dann die Stromrationierung beenden zu können. Neben der Stromrationierung werden nun auch die öffentlichen Angestellten nur noch 5 Stunden täglich arbeiten, um so den staatlichen Stromverbrauch um 20 Prozent zu senken. EDC-Chef Javier Alvarado sagte, er hoffe, dass die Bevölkerung hilft, den Notstand zu vermeiden, der ohne Stromsparen durch die von El Nino bedingte Trockenheit eintreten würde.
|
|
|
| Guri-Wasserkraftwerk. Bild: Corpoelec |
Die Regierung fährt auch fort, die Wolken zu beschießen, um durch diese "Impfungen" mit Silberjodid und Salzen künstlich Regen auszulösen. Die Trockenheit sei 2009 so schlimm wie noch nie gewesen. Die Niederschläge waren um 30 bis 60 Prozent geringer als normal.
Zusammen mit der drastischen Abwertung der Währung, der Kontrolle der Preise und der vorübergehenden Zwangsschließung von Geschäften, wird sich mit den Stromrationierungen der sowieso umstrittene Präsident Chavez in eine ungemütliche Position bringen, während die Opposition gestärkt wird.
Darstellungsbreite ändern
Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.
