Arktis viel zu warm
Ungewöhnliche Luftdruckverhältnisse bescheren Eskimos überdurchschnittliche Temperaturen, während Amis, Chinesen und Europäer bibbern
Seit einigen Wochen ist es ziemlich kalt in weiten Teilen Europas, Nordostasiens und Nordamerikas. Und was in den 1960er Jahren noch als ein mehr oder weniger normaler Winter gegolten hätte scheint nun manchem ein Beleg dafür, dass es mit der globalen Erwärmung nicht so weit her sein kann. Natürlich ist das extrem kurz gedacht, denn auch in einem wärmeren Klima sind Schwankungen um den Mittelwert der Normalfall.
Einiges spricht sogar dafür, dass die Abweichungen vom Mittelwert nach oben und unten, die so genannte Variabilität, zunehmen wird. Der Befund der letzten 150.000 Jahre spricht dafür: Immer wenn das Klima deutlich kälter oder wärmer war als im Holozän, das heißt der Warmzeit der letzten 10.000 Jahre, waren die Schwankungen auch größer. Allerdings bezieht sich das eher auf die Zeitskalen von Jahrzehnten und Jahrhunderten, eine feinere Auflösung der Daten vergangener Klimate ist selten möglich.
Wie dem auch sei, schon der etwas weitere Blick auf die momentane Lage zeigt, wie unsinnig der Schluss von den eigenen kalten Füßen auf die globale Statistik und den Zustand des Systems ist. Das US National Snow and Ice Data Center weist darauf hin, dass es im Dezember, als die Kältewelle Nordamerika und Nordostasien schon im Griff hatte, über Grönland, Alaska und dem ganzen arktischen Ozean viel zu warm war. In einigen Regionen lagen die Temperaturen um bis zu acht Grad über dem lokalen monatsüblichen Durchschnitt.
Grund für die ungewöhnliche warmen Bedingungen ist eine ebenso seltene Wetterlage. Über der Arktis herrschte im Dezember sehr hoher Luftdruck, während in den gemäßigten Breiten die Tiefdruckgebiete überdurchschnittlich ausgeprägt waren. Dieser größer als gewöhnliche Luftdruckgegensatz sorgte dafür, das vergleichsweise warme Luft an den Vorderseiten der Tiefs in den Norden gepumpt wurde.
Passend zu den warmen Bedingungen war die Eisbedeckung in der Arktis auch im Dezember unterdurchschnittlich. Der Monatsmittelwert war einer der niedrigsten seit Beginn der Satellitenmessungen 1979. Nur 2007, 2006 und 2005 war er noch niedriger. Die derzeitige Verteilung des Luftdrucks sorgt allerdings auch dafür, dass die Winde, die sonst westlich von Grönland arktisches Meereis auf den Atlantik hinaustreiben, sehr schwach ausfallen bzw. ganz eingeschlafen sind. Entsprechend ist der Eisverlust gering. Halten diese Bedingungen an, dann könnte sich die Eiskappe rund um den Nordpol in diesem Jahr etwas erholen, weil sich wieder mehr mehrjähriges Eis bilden würde.
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