Klimawandel: Wissenschaftlicher Berater der britischen Regierung plädiert für mehr "gesunde Skepsis"
Die Wirkung des Klimawandels sei von manchen Wissenschaftlern übertrieben worden, erklärt John Beddington. Unsicherheiten über Aussagen zur Dynamik des Klimawandels müssten offener dargelegt werden
Wissenschaftler, die sich mit dem Klimawandel befassen, sollten sich gegenüber ihren Kritikern weniger feindselig zeigen, die Daten, mit denen sie ihre Hypothesen begründen, nicht als Geheimsache behandeln, den Open-Source-Charakter der Wissenschaft mehr beherzigen und die Unsicherheit ihrer Prognosen deutlicher machen. Dies fordert John Beddington, Wissenschaftlicher Berater der britischen Regierung (Government Chief Scientific Adviser) und Professor für angewandte Populationsbiologie am Imperial College London, in der Londoner Times. Beddingtons Äußerungen, die den Zweifel als wesentlichen Schlüssel zur wissenschaftlichen Erkenntnis gegenüber den Abschottungsbestrebungen mancher prominenter Klimawandel-Wissenschaftler (etwa dem IPCC-Chef Pachauri) geltend machen, dürften für ein größeres Echo sorgen:
"Die Wirkung des Klimawandels ist von manchen Wissenschaftlern übertrieben worden und es besteht eine dringende Notwendigkeit, die Unsicherheit der Voraussagen über das Tempo, mit dem der Klimawandel voranschreitet, mit mehr Redlichkeit offenzulegen."
Die Debatte darüber, wie fundiert wissenschaftliche Aussagen über die Dynamik des Klimawandels sind, ist nach der sogenannten Climagate-Diskussion (siehe Von Climategate, Klimalüge und dem Wissenschaftsbetrieb) und der vor wenigen Tagen ans Licht gekommenen Himalaya-Panne (siehe Schlamperei im letzten IPCC-Bericht) noch hitziger geworden. Beddington lässt keinen Zweifel daran, dass der CO2-Ausstoß "unanfechtbar" zur Erderwärmung beiträgt. Das gelte aber nicht für Voraussagen, die die Geschwindigkeit des Klimawandels betreffen, vor allem wenn sie auf Computermodellen beruhen würden:
"When you get into large-scale climate modelling there are quite substantial uncertainties. On the rate of change and the local effects, there are uncertainties both in terms of empirical evidence and the climate models themselves."
Das weltweite Vertrauen in wissenschaftliche Aussagen würde deutlich wachsen, wenn Skeptikern gegenüber zugegeben würde, dass sie in manchen heftig umstrittenen Punkten recht hätten, so Beddington. Es sei seiner Auffassung nach "nicht gesund, wenn man angemessene Zweifel einfach abtut". Wissenschaftliche Erkenntnis wachse an solcher Kritik. Beddington zielt mit seinen Bemerkungen deutlich in Richtung IPCC, deren Vorsitzender Pachauri sich mit Kritikern äußerst schwer tut und ihnen vorwirft, dass sie "Voodoo-Wissenschaft" betreiben würden (siehe dazu: UN-Weltklimarat weiter wegen eines Fehlers im letzten Bericht unter Beschuss).
Bestimmte "unqualifizierte Statements" seien sehr unglücklich, so Beddington, der damit auf das vom IPCC-Bericht unter falschen Annahmen vorausgesagte schnelle Schmelzen der Himalaya-Gletscher anspielt. Man müsse Ungewissheit besser kommunizieren. Dazu gehöre, dass man die zugrunde liegenden Daten für die gesamte wissenschaftliche Gemeinschaft offenlege und keine Geheimhaltungspolitik betreibe. Zwar eröffne dies Gegnern Möglichkeiten der Manipulation, räumt Beddington ein, aber der Vorteil solcher Transparenz überwögen das Risiko:
"There is a danger that people can manipulate the data, but the benefits from being open far outweigh that danger."
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