Roaming jetzt auch bei Elektroautos?
Deutsch-Französisches Elektromobilitätskonzept setzt auf konventionellen Energiemix und Konzerninteressen
Roaming war bisher ein Begriff aus der Mobiltelefonie und steht synonym für die Berechnung schmerzhaft überhöhter Telefongebühren bei Benutzung des eigenen Handys im Ausland. Die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie DGS kritisiert, dass sich das gleiche Spiel jetzt auch den Stromtarifen für Elektroautos wiederholen könnte.
Dabei klangen die E-Mobilitätspläne so schön: Der Individualverkehr wird immer mehr auf Elektroantrieb umgestellt, die Energie liefern Sonnen- und Windkraftwerke emissionsfrei. Deren fluktuierendes Energieangebot wird in den Fahrzeugakkus gepuffert und nicht nur für den eigenen Antrieb genutzt, sondern bei Bedarf auch wieder ans Stromnetz abgegeben, die kumulierten Akkus dienen so auch als leistungsfähige Netzspeicher. Viele visionäre Konzepte bauen auf diese Synergien von regenerativer Energieerzeugung und Elektromobilität.
Doch die länderübergreifende deutsch-französische Arbeitsgruppe "Elektromobilität" hat andere Prioritäten. In ihrem Arbeitsbericht "German-French position on infrastructure and interface requirements for E-Mobility" wird ein grenzübergreifender Flottenversuch verabredet um Roamingkonzepte zu erproben. Wozu soll solch ein Versuch gut sein, fragt die DGS, da Elektroautos bereits selbstverständlich an normalen Steckdosen geladen werden können.
Aufschluss gibt die Zusammensetzung des Gremiums**, in dem neben staatlichen Institutionen nur Vertreter großer Konzerne mitarbeiten. Der Mittelstand fehlt völlig, obwohl er nach Ansicht der DGS bisher deutlich mehr zum Aufbau der Elektromobilität beigetragen habe als die Großkonzerne. Das Gremium lehnt zudem Verbrauchszähler in den Autos ab und will die Abrechnung in die Tankstelleninfrastruktur integrieren. Das aktuelle Bestreben der Netzbetreiber könnte also weniger im beschleunigten Aufbau einer einheitlichen, flächendeckenden Ladeinfrastruktur, sondern primär im Abstecken regionaler Claims liegen. Außerdem sieht die Arbeitsgruppe keine schadstoffbasierte Fahrstromsteuer vor, was bedeutet, dass Strom aus Kohlekraftwerken mit Strom aus Windkraftwerken preislich gleichgestellt würde. Sollte sich dies durchsetzen wäre Elektromobilität nur eine neue Antriebstechnik, deren Potenzial zur Nutzung und Förderung Erneuerbarer Energien verschenkt wird.
** Im Gremium vertreten: Électricité de France, Daimler, Renault, PSA (Peugeot-Citroen), der französische Elektronikkonzern Schneider Electric, Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Deutsches Institut für Normung (DIN), Verband der Automobilindustrie (VDA), Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI)
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