e
Energie & Klima News

Eisverlust nimmt zu

Internationales Forscherteam hat festgestellt, dass sich Grönland auch im Nordwesten aus dem Meer hebt

  • drucken
  • versenden

Der Masseverlust des grönländischen Eis ist nicht mehr nur auf den Süden und Südosten der Insel beschränkt. Das ist das Ergebnis einer Ende letzter Woche veröffentlichten Arbeit eines internationalen Wissenschaftlerteams.

Mit Hilfe eines Netzes fest installierter GPS-Empfänger sowie der GRACE-Satelliten, die 16 Mal am Tag im Abstand von 220 Kilometer die Erde auf polaren Orbits umrunden und dabei kleinste Veränderungen im Schwerefeld aufspüren, haben sie die Vertikalbewegung der Kruste auf Grönland vermessen. Der Gedanke dabei: Wenn sich die Eislast ändert, wird bei einer Zunahme die Kruste weiter in den Untergrund gedrückt, im Falle einer Entlastung steigt sie auf. Die Messgenauigkeit des GRACE-Systems ist so groß, dass es Änderungen in der Feuchte des Erdbodens und in Grundwasserspeichern aufspüren kann. Mit Hilfe dieser Satelliten war kürzlich bereits festgestellt worden, dass nunmehr auch das ostantarktische Eisschild schrumpft.

Aus dem Süden Grönlands war bereits seit einigen Jahren bekannt, dass sich dort die Aufwärtsbewegung der Kruste seit dem Beginn des Jahrhunderts beschleunigt hat. Telepolis hat darüber 2007 berichtet. Bis zu vier Zentimeter steigen die Felsen dort aus dem Untergrund auf, in den sie durch das Eis an den Stellen der größten Auflast um mehrere hundert Meter gedrückt wurden.

Nun haben zum Teil die gleichen Autoren, die bereits 2007 auf die Beschleunigung hinwiesen, festgestellt, dass sich der Eisverlust weiter ausdehnt. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich der Eisverlust, der für den Süden Grönlands bereits gut dokumentiert ist, entlang der nordwestlichen Küste ausbreitet", zitiert eine Pressemitteilung der American Geophysical Union den am dänischen Weltrauminstitut in Kopenhagen arbeitenden Hauptautor der Studie, Shfaqat Abbas Khan.

Der Masseverlust im Nordwesten hat wahrscheinlich 2005 begonnen und sich seitdem beschleunigt. Die Gegend um den dort gelegen US-Luftwaffenstützpunkt Thule hat sich zwischen 2005 und 2009 um vier Zentimeter gehoben. Insgesamt ergeben die Daten der Wissenschaftler, dass der Eisverlust immer noch im Südosten am stärksten ist, sich aber mehr und mehr über die Insel ausbreitet und bereits die nördlichen Küsten erreicht hat. "Diese Veränderungen des grönländischen Eisschildes geschehen schnell, und wir verlieren mehr Eismasse, als wir vorhergesehen haben", meint Isabella Velicogna von der Universität von Irvine in Kalifornien. "Wir sehen ähnliche Trends in der Antarktis, und das ist ein Zeichen, dass die steigenden Temperaturen Auswirkungen auf das Eis in den kalten Regionen hat."

Eine im letzten Jahr veröffentlichte Studie Velicognas hatte den Verlust in Grönland zwischen 2002 und 2009 auf 1.605 Kubikkilometer abgeschätzt, was gleichbedeutend mit einem Meeresspiegelanstieg von 3,5 Millimetern in dieser Zeit ist. Das hört sich noch nicht nach viel an, aber Sorge macht den Wissenschaftlern vor allem die fortgesetzte Zunahme des Massenverlusts. Im letzten Sachstandbericht des IPCC war in der Zusammenfassung für Entscheidungsträger noch sehr vorsichtig der Meeresspiegelanstieg bis zum Ende des Jahrhunderts mit maximal 58 Zentimeter abgeschätzt worden. Die schon damals kritisierte Voraussetzung dieser Obergrenze war jedoch, dass auch in den kommenden Jahrzehnten die Gletscher an den Polen im gleichbleibenden Tempo schrumpfen. Das wird mit den neuesten Ergebnissen immer unwahrscheinlicher.

http://www.heise.de/tp/blogs/2/147308
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
bilder

seen.by


TELEPOLIS