e
Energie & Klima News

Russen raten: Das Bohrloch im Golf von Mexiko mit einer Atombombe schließen

In den Zeiten der Sowjetunion wurden einige Male Öl- und Gasquellen mit einer unterirdischen Sprengung von Atomsprengköpfen geschlossen

  • drucken
  • versenden

Der Ölteppich im Golf von Mexiko breitet sich weiter aus, auch wenn das Wetter gerade ermöglicht, die Küsten ein wenig besser zu schützen. Aus dem Leck in 1500 Metern strömt jeden Tag eine Million Liter Öl aus. Wenn es schlimm kommt, könnte die zehnfache Menge austreten, warnten BP-Mitarbeiter bei einem Treffen mit Kongressabgeordneten. Die Hoffnungen richten sich nun darauf, neben einer Entlastungsbohrung eine 12 Meter hohe Stahlglocke über das Bohrloch am Meeresgrund zu stülpen, um mit einer Steigleitung dann einen großen Teil des ausströmenden Öls abzusaugen. Ob das klappt, ist ungewiss, ansonsten gehen die Fantasien offenbar aus, wie man die Katastrophe beenden könnte..

Aus Russland kommt hingegen ein anderer Vorschlag. Man könnte das Bohrloch doch einfach mit einem Atombombe schließen, wird den Amerikanern etwa in der Zeitung Komsomoloskaya Pravda geraten. Die Russen haben damit Erfahrung, mindestens fünfmal wurden in der Zeit der Sowjetunion bereits gezielt unterirdisch Nuklearsprengköpfe zur Explosion gebracht, um Öl- oder Gasquellen zu schließen. Die Explosion, so die Zeitung, verschiebt das Gestein, übt enormen Druck aus und kann so das Ölbohrloch schließen. Das sei ganz einfach, und 1966 wurde dies mit einem 30 Kilotonnen Sprengkopf auch 6 km unter der Erdoberfläche gemacht. Das letzte Mal wurde 1979 ein Ölquelle mit einer nuklearen Sprengung geschlossen. Gescheitert sei man damit nur einmal.

Die Russen setzten auch zu anderen zivilen Zwecken Nuklerasprengköpfe ein. Insgesamt sollen 124-169 unterirdische Sprengungen durchgeführt worden sein, beispielsweise für die Konstruktion von Kanälen und Dämmen oder von unterirdischen Lagerstätten, aber auch einfach für Tiefenmessungen. Für die USA wäre eine solche Sprengung zumindest eine Chance, die Wahrscheinlichkeit, dass es nichts hilft, liege bei nur 20 Prozent - allerdings ist die Basis der Berechnung ja auch mit nur 5 unterirdischen Sprengungen zum Schließen von Öl- oder Gasquellen nicht sonderlich hoch. Und 1500 Meter unter dem Meeresspiegel haben die Russen auch noch keine gezielte Sprenung durchgeführt.

Das Pentagon hat gerade die Zahl der vorhandenen Atomsprengköpfe mit 5.131 angegeben. 1967 verfügten die USA noch über mehr als 31.000. Nach Schätzungen hat das Pentagon noch über 2.400 einsatzbereite Sprengköpfe. Allerdings gibt es neben den 2.600 "inaktiven" Sprengköpfen noch 4.500 weitere ausrangierte, aber intakte. Damit haben die USA also insgesamt 9.600 Atomsprengköpfe. Die Russen sollen über 12.600 intakte Spregköpfe verfügen. Die USA hätten also ebenso wie Russland reichlich Sprengköpfe, um Bohrlöcher zu schließen. Die russischen Lecks werden allerdings meist gar nicht bekannt. Die Moscow Times berichtet, dass es zwar relativ wenige Bohrinseln gebe, aber jede Mengen alter Pipelines. Hier würden im Jahr 20-30.000 Lecks entstehen, die allerdings meist klein sind und auch nicht mit einer Atombombe geschlossen werden müssen.

http://www.heise.de/tp/blogs/2/147552
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
bilder

seen.by


TELEPOLIS