Öffnet sich die Nordostpassage?
Bremerhavener Polarforscher fanden vor Sibirien besonders dünne Eisdecke
Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforchung in Bremerhaven (AWI) rechnet damit, dass die Nord-Ost-Passage entlang der Nordküste Sibiriens in diesem Jahr schon frühzeitig eisfrei sein wird. Wissenschaftler des Instituts haben bei Beobachtungsflügen über der Laptew-See vor der Küste Zentralsibiriens festgestellt, dass dort das Eis schon jetzt nur noch sehr dünn ist. Maximal einen halben Meter habe die beobachtete Mächtigkeit der Eisbedeckung betragen.
"Diese Ergebnisse haben uns sehr überrascht", meint Expeditionsteilnehmer Thomas Krumpen. Bei vorhergehenden Messungen im Winter 2007/2008 sei das Eis im selben Gebiet bis zu einen Meter dicker gewesen. Als Ursache vermutet Krumpen ablandige Winde, die im Winter das Eis immer wieder auf das Meer hinausgedrückt hätten. Dadurch entstehen dann offene Stellen, die jedoch bei winterlichen Lufttemperaturen von um die -40 Grad Celsius schnell wieder zufrieren. Da die Winde das dünne Eis immer wieder übereinander schieben wird die Laptew-See durch sie zu einem der wichtigen Eisproduzenten des Polarmeeres.
Die Messflüge wurden im März und April mit einem Hubschrauber durchgeführt, unter dem ein sogenannter EM-Bird schwebte. Dabei handelt es sich um einen mehrere Meter langen Sensor, der mit unterschiedlichen Techniken den Abstand zur Eis- und zur Wasseroberfläche misst und daraus auf die Eisdicke schließt. Die auf diese Art gewonnenen Messdaten sollen unter anderem dazu verwendet werden, die Daten des europäischen SMOS-Satelliten zu überprüfen. Der Satellit misst die Abstrahlung der Erdoberfläche im Mikrowellenbereich und ist vor allem für das Sammeln von Daten über Bodenfeuchtigkeit an Land und den Salzgehalt der Meere bestimmt. Es lässt sich mit ihm aber auch die Eisdicke bestimmen. In-situ-Messungen wie die des AWI dienen dazu, die Algorithmen zu kalibrieren und zu überprüfen, die aus den Rohdaten die Meereisdicke bestimmen.
Nebenbei haben die Forscher in diesem Jahr festgestellt, dass das Eis besonders dünn ist und sich daher die Passage entlang der sibirischen Küste wieder öffnen könnte. Für gewöhnlich ist die Laptew-See stets von Oktober bis zum Ende des darauffolgenden Juli mit Meereis bedeckt und für Schiffe maximal zwei Sommermonate lang befahrbar. Bis vor wenigen Jahren war zudem die weitere Fahrt nach Osten stets blockiert. 2011 war das Eis jedoch bereits in der dritten Juliwoche so weit zurückgewichen, dass im Laufe des Sommers nach AWI-Angaben erstmals 33 Schiffe die Reise durch die arktischen Gewässer antreten konnten.
Mit dazu beigetragen hatte, dass auch die Gewässer weiter im Westen schon sehr früh ihr Eis verloren. Und auch das scheint sich diesen Sommer zu wiederholen. Für gewöhnlich sollte die westlich an die Laptew-See angrenzende Kara-See derzeit noch weitgehend mit Eis bedeckt sein. Aktuelle Satellitendaten zeigen dort hingegen bereits jetzt, obwohl die Tausaison gerade erst begonnen hat, eine sehr löchrige Eisdecke. Diese Karte veranschaulicht die Lage der einzelnen Meere in der Arktis. Wie berichtet, hat die durchschnittliche Dicke des Meereises auf dem arktischen Ozean im letzten Jahrzehnt stark abgenommen.
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