Arktis: Eisschwund auf Rekordniveau
Eisfläche viel kleiner als für diese Jahreszeit üblich. Auch Schneefläche wird immer kleiner
In der Arktis geht das Meereis derzeit dem Jahresgang entsprechend, aber viel schneller als üblich zurück. Nach Angaben des US-amerikanischen National Snow and Ice Data Center (NSIDC) war die Eisfläche Ende Juni bereits so weit geschrumpft, wie es, gemessen am Mittelwert der Jahre 1979 bis 2000, erst für den 21. Juli zu erwarten wäre. Wie unten stehende Grafik zeigt, war das Eisgebiet im Monatsmittel mit 10,97 Millionen Quadratkilometern so klein wie selten zuvor. Nur 2010 hatte sich die Eisgrenze im Juni bereits ein wenig weiter zurück gezogen (als Eisgebiet definiert das NSIDC Flächen, die zu mindestens 15 Prozent mit Eis bedeckt sind).
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Durchschittliche Größe des Eisgebiets im Juni. Bild: NSIDC |
Eine Satellitenanalyse der Uni Bremen zeigt besonders beeindruckend, wie weit der diesjährige Eisverlust bereits fortgeschritten ist. Das Kara-Meer nördlich von Westsibirien müsste zu dieser Jahreszeit eigentlich noch vollständig bedeckt sein. Ebenso die benachbarten Gewässer östlich von Spitzbergen oder das Laptev-Meer. Auch in der Hudsonbucht und in den Gewässer westlich von Nordgrönland hat sich das Eis bereits viel zu weit zurück gezogen.
Die Analyse zeigt außerdem, dass die Eisdecke auch nördlich der Eisgrenze beileibe nicht mehr vollständig geschlossen ist. Besonders in den Gewässern nördlich Nordamerikas macht das Eis bereits einen sehr löchrigen Eindruck. Das ist offensichtlich das Ergebnis der Tatsache, dass das Eisvolumen in den letzten Jahren, wie berichtet, erheblich zurückgegangen ist. In den Sommern ist meist mehr Eis verloren gegangen, als im nachfolgenden Winter neu gebildet werden konnte. Als Folge ist das arktische Meereis nun empfindlicher. Im Augenblick deutet alles darauf hin, dass in diesem Jahr erneut sowohl die Nordostpassage nördlich Sibiriens als auch die Nordwestpassage durch die amerikanischen Gewässer passierbar sein könnten. Im vergangenen Jahr war dies zum ersten Mal der Fall gewesen.
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Grafische Darstellung von Satellitenmessungen der Eisfläche auf dem Arktischen Ozean. Schnee an Land wird nicht dargestellt. Bild: Uni-Bremen |
Neben dem Meereis ziehen sich auch die Schneegrenzen immer weiter zurück. Das NSIDC berichtet, dass im Juni 2012 die Schneefläche auf der Nordhalbkugel so klein wie nie zuvor in den letzten 45 Jahren war. Auch bei diesem Parameter gibt es einen klaren negativen Trend. Oder mit anderen Worten: Während des arktischen Sommers verliert immer mehr Land seine weiße Decke, die bisher die Sonnenstrahlen reflektiert. Der Boden kann sich also stärker erwärmen und auftauen.
Besonders interessant dürfte das in Zukunft auf der Jamal-Halbinsel (siehe Grafik) werden, von wo ein erheblicher Teil des aus Russland importierten Erdgases stammt. Das Land liegt dort nur knapp über dem Meeresspiegel und besteht bisher aus Permafrostboden. Man kann sich vorstellen, dass es dort für Pipelines, Eisenbahnen und Fördereinrichtungen ziemlich kompliziert werden dürfte, wenn der Boden im Sommer in immer größerem Umfang auftaut.
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